Oldenburg „Wir wollen mal die Kirche im Dorfe lassen und die Dinge so benennen, wie sie sind.“ Der Vorsitzende Richter der Oldenburger Schwurgerichtskammer, Sebastian Bührmann, war es leid. Drei schwere Kapitalverbrechen hätten sich allein in den vergangenen sechs Monaten ereignet: tödliche Schüsse an der Nadorster Straße, tödliche Messerstiche in der Achternstraße und die Flaschenattacke des jetzigen Angeklagten in den Hals eines Landmannes.

Alle drei Fälle hätten am Lappan und in direkter Nähe ihren Anfang genommen, und in allen Fällen hätten Flüchtlinge damit zu tun gehabt, so der Vorsitzende am Dienstag. So benehme man sich nicht als Gast in einem fremden Land, fasste Bührmann seine Meinung zusammen.

Im Prozess um die Tat in der Achternstraße war der Täter zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Verfahren um die tödlichen Schüsse an der Nadorster Straße läuft noch. Und das Verfahren um die Flaschenattacke ging am Dienstag mit der Verurteilung des Asylbewerbers aus Marokko zu vier Jahren Gefängnis zu Ende. Damit erfülle die Kammer den Antrag von Oberstaatsanwalt Thomas Sander. Der Oldenburger Rechtsanwalt Sebastian Wendt, der den Angeklagten verteidigte, hatte sieben Monate Haft für den Angeklagten und die Aufhebung des Haftbefehls beantragt. Anwalt Wendt sah ein erhebliches Mitverschulden auf der Seite des Opfers.

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Richter Bührmann macht Täter und Opfer schwere Vorwürfe. Unter 15 Aliasnamen des Angeklagten konnte er sich einen aussuchen. Er nannte ihn dann „Angeklagten“. Auch das Opfer stehe nicht hinten an: Nicht nur, dass der Mann wochenlang nicht zum Gerichtstermin erschienen war; das Opfer aus Marokko bot dem Gericht am Dienstag gleich drei verschiedene Geburtsdaten an. „Wir wissen nicht, wie sie heißen, woher sie genau kommen und wie alt sie sind“, fasste Richter Bührmann zusammen.

In der Tatnacht hatte es einen Streit unter den beiden marokkanischen Asylbewerber gegeben. Das Opfer meinte, es sei um ein Handy gegangen. Der Angeklagte erzählte etwas von Drogen und von einer Art Bedrohung durch den Landsmann. Der Angeklagte hatte dann eine Whisky-Flasche so wuchtig auf den Kopf des Landsmannes geschlagen, dass diese dabei zerbrach. Dann rammte er dem Opfer die zerbrochene Flasche in den Hals. Weil alles ganz schnell gegangen war, wertete die Kammer die Tat als gefährliche Körperverletzung. Der ursprüngliche Tatvorwurf des versuchten Totschlags wurde fallengelassen.

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