Oldenburg /Hamburg Diesen Einsatz werden die Kräfte der Oldenburger Polizei so rasch sicher nicht vergessen: Nach ihrer spontanen Einberufung zum völlig ausgeuferten G20-Gipfel in Hamburg am Freitagmorgen sind alle rund 30 Beamten am Sonntagmittag wohlbehalten heimgekehrt – dies als wichtigste Nachricht vorab.

An der Davidwache auf der Reeperbahn und am Sitz des Innensenators Andy Grote (SPD) unweit der Schanze, wo der „Schwarze Block“ massiv wütete, leisteten die Oldenburger Objektschutz – Frauen und Männer zwischen 20 und 50 Jahren, sonst hier im Einsatz- und Streifendienst, bei der Autobahnpolizei oder auch in Bad Zwischenahn tätig. Zugführer Guido Kammler, sonst Leiter der hiesigen Verfügungseinheit, hatte am Freitagmorgen um 9.30 Uhr das „Go“ erreicht. Greifbare Kräfte – auch Kollegen aus dem vorherigen Nachtdienst – wurden alarmiert, gemeinsam dann gen Hamburg gefahren. „Total fokussiert, wie in einem Tunnel.“

Wann sie dort was erwarten sollte? Das erfuhren sie erst, als sie die G20-Gastgeberstadt bereits erreicht hatten: der Schutz der Davidwache auf St. Pauli. „Wir sind direkt in den Einsatz eingebunden worden“, so Kammler am Sonntag zur NWZ. Bis 22 Uhr hatten sie hier die Lage unter Kontrolle – aber schwarz maskierte Gruppen und Wasserwerfer gleichermaßen vorbeiziehen sehen.

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Nachts ging es für sie kurz in ein Hotel, neue Kräfte sammeln mit drei, vier Stunden Schlaf. „Freundlicherweise hatte die Küche extra für uns aufgemacht und noch versorgt“, so Kammler. Um 5 Uhr morgens war die Ruhe vorbei – der Oldenburger Zug wurde zum nächsten „Lückenschluss“ bestellt, vor den Sitz des Hamburger Innensenators Andy Grote. Abermals unweit der Schanze wachten sie über Gebäude und Menschen. „Man wird dann da reingeworfen“, so Kammler, „wir waren aber direkt dem Führungsstab unterstellt.“

Seit rund 35 Jahren ist er in polizeilichen Diensten, habe schon vieles erlebt. Aber „diese extremen Ausmaße – das hatte schon eine andere Qualität.“ Was er so allerdings auch noch nie erlebt habe: „Egal, wo wir waren – überall haben uns Bürger angesprochen und sich sogar herzlich bedankt.“

Sie hätten Kaffee und Lebensmittel vorbei gebracht, mit ihnen geredet – ja selbst Leute, die sonst der Polizei nicht unbedingt wohlgesonnen seien, hätten gesagt: „Schön, dass Sie da sind – und das hier ist nicht unser Hamburg, behalten sie uns bitte in anderer Erinnerung!“

Am Tag danach, und in dem Wissen, dass alle Kollegen wohlbehalten nach Oldenburg zurückgekommen sind, sei es nun aber doch an der Zeit, abzuschalten. „Man möchte einfach einen Schnitt machen“, so Kammler. Die Aufbereitung dieses schwer belastenden Einsatzes kommt wohl noch früh genug. Übrigens: Bereits am letzten Dienstag wurden fünf Kollegen der Polizeiinspektion nach Hamburg zur Unterstützung bei der Verkehrsregelung eingeteilt.

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Ebenfalls vor Ort: 15 Oldenburger Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes. Der Landesverband Hamburg hatte sie angefordert, um bei einem so genannten „Massenanfall von Verletzten“ (MANV) mehr erfahrenes Personal zur Verfügung zu haben. „Dieser blieb zum Glück aus“, sagte Kreisbereitschaftsleiter Patrick Bloem am Sonntag, „unsere Kräfte sind nicht zum Einsatz gekommen.“ In fünf Schichten besetzten die Sanitäter einen Gerätewagen und unterstützten damit die nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr, heißt es. Stationiert waren die Kräfte im „ Bereitstellungsraum West (Altona)“ – rund vier Kilometer vom Schanzenviertel entfernt.

Insgesamt sind 40 Polizeibeamte aus Niedersachsen und 19 aus Bremen beim Einsatz in Hamburg verletzt worden. Wie die Bremer Polizei am Sonntagnachmittag mitteilte, wurden zwei Beamte zwischenzeitlich in Krankenhäusern behandelt.

Ob Niedersachsen künftig noch Beamte zum Einsatz in andere Bundesländer schickt, ist unklar. Innenminister Boris Pistorius (SPD) kündigte an, die Voraussetzungen für Abstellungen niedersächsischer Einsatzkräfte in anderen Bundesländern schnellstmöglich neu bewerten zu wollen.

Zeitweise waren 330 Polizisten aus Bremen beim G20-Gipfel im Einsatz. Aus Niedersachsen halfen über 1000 Beamte bei der Sicherung des Treffens.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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