Oldenburg Erst „Wiener mit Schneckenkorn und Heftzwecken am Scheideweg“, dann „Rattengift auf der Freilauffläche Harreweg/Meerweg“, mit „Nägeln versetzte Würstchen am Großen Bürgerbusch“ und schließlich „Gift in der Haarenniederung“ – seit einigen Tagen überschlagen sich in sozialen Netzwerken wieder Meldungen zu so genannten Giftködern. Daraufhin wenden sich besorgte Bürger hilfesuchend an Feuerwehr, Polizei und auch an die NWZ. Allerdings: „Uns liegen keine Anzeigen vor“, so Matthias Kutzner, Sprecher der Polizei Oldenburg. Diese und viele weitere durchs Netz wabernde Funde wurden weder Polizei noch Feuerwehr gemeldet, heißt es da.

Stille-Post-Prinzip

Mal seien es bunte Tabletten, mal Rasierklingen, dann wieder Heftzwecken und Nägel. Mal in Würstchen, mal in Frikadellen, mal in Brötchenhälften: Angebliche „Hundehasser“ sollen in Oldenburg schon einige Tiere schwer verletzt oder sogar getötet haben, heißt es da. Ein schwerer Vorwurf. Denn die Täter könnte in diesem Fall schließlich eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder auch eine Geldstrafe ereilen. Nur: Ohne etwaige Anzeige oder klare Belege kann auch die Polizei nicht tätig werden. „Wir nehmen das Thema ernst“, sagt Kutzner, „und sollte tatsächlich ein konkreter Verdachtsfall vorliegen, kümmern wir uns darum.“ Dass dies bislang selten der Fall war, könnte ein Hinweis auf den Wahrheitsgehalt dieser Meldungen sein.

Was früher über Kettenbriefe funktionierte, läuft heute vor allem über das Internet und nennt sich „Hoax“ – schlechter Scherz. Diese Warnungen werden über Monate verbreitet und als aktuell verkauft. Mal wird eine angebliche polizeiliche Warnung, mal ein „heute gefunden!“ hinzugefügt, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Dann wird sie nach dem Stille-Post-Prinzip weitergetragen.

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Mittlerweile gibt es Internetseiten, auf denen Menschen nach Lust und Laune vor schädlichen Leckerlis warnen können. Tierärztin Dr. Claudia Wiese vom Zentrum für Kleintiermedizin kann dies nur bedingt nachvollziehen. „Es hat in der Tat einige Fälle mit Durchfall, Erbrechen und blutigem Urin bei Hunden gegeben“, sagt sie, „aber dies kann auch durch das Gift von Kadavern oder Pestiziden am Wegesrand hervorgerufen worden sein“.

Weitere Informationen

Gefahren im Netz: Das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) gibt ständig Hinweise auf Gefahren im Internet.

„Hoax“-Infos: Die Technische Universität Berlin (TU) hat einen Ratgeber zum Umgang mit „Hoaxes“ erstellt:

Erste Hilfe: Notfall-Checklisten für erkrankte Hunde liefert eine Internetseite aus Pforzheim unter

Giftköder-Radar: Schädliche Funde können über den PC oder eine Handyapp gemeldet werden:

www.bsi-fuer-buerger.de

www.hoax-info.de

www.erste-hilfe-beim-hund.de

www.giftkoeder-radar.com

Einen Vorsatz nachzuweisen scheint da nahezu unmöglich. Schwierig bei etwaig verschluckten „Giftködern“ sei, dass es „hunderte Arten von Rattengift gibt, die man nicht einfach nachweisen kann“, sagt sie. Gezielte Laborprüfungen würden bis zu 300 Euro kosten – dem Tier sei damit aber nicht geholfen. Auch Metalle im Magen würden bei den Untersuchungen auffallen – wenn es sie denn gäbe. Heißt: In vielen Fällen sind diese Meldungen bloße Legenden – ganz so wie der gefürchtete weiße Lieferwagen, der vor Kitas halten und Kinder entführen soll. Diese Nachricht machte vor vier Jahren im Netz die Runde und hält sich hartnäckig. All dies soll provozieren, massenhaft verbreitet und so zum Selbstläufer werden. Das Ziel der „Erstmelder“ ist erreicht.

Das heißt nicht, dass jede Warnung ein Scherz ist. Die gestiegene Zahl an Vergiftungen – wodurch auch immer hervorgerufen – sollte zumindest die Aufmerksamkeit beim Gassigehen erhöhen. Die Häufung gemeldeter, aber nicht angezeigter Fundstücke ist dennoch besorgniserregend – weil sich so kaum wahre von gefälschten Meldungen unterscheiden lassen.

Sofort zum Tierarzt

Sollten Herrchen und Frauchen nun also das Gefühl haben, dass mit ihrem Hund etwas nicht in Ordnung ist, sei der sofortige Gang zum Tierarzt binnen zweier Stunden ratsam: „Wenn die Gifte erst einmal im Organismus sind, lässt sich nur noch palliativ etwas machen“, so Wiese.

Katja Schade hatte Glück. Ihr Hund hatte am Dienstag offenbar ein „Nervengift“, wie der behandelnde Tierarzt meinte, in der Haarenniederung geschluckt. Das Tier überlebte. Dennoch überprüfte sie noch am Abend mit weiteren Hundehaltern – „Wir haben ein sehr gutes Netzwerk", sagt sie – das Umfeld der Fundstelle auf mögliche Giftköder. Dies allerdings ohne Erfolg.

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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