Oldenburg /Koblenz Erfolg im Kampf gegen illegalen Handel im Darknet: Nach monatelangen Ermittlungen unter Leitung der Generalstaatsanwaltschaft in Koblenz (Rheinland-Pfalz) wurde am Montag ein Darknet-Marktplatz mit zuletzt fast 500 000 Nutzern stillgelegt. Wie die Behörde am Dienstag weiter mitteilte, handelt es sich um den „vermutlich weltweit größten illegalen Marktplatz im Dark-Market“.

Drogen, Falschgeld und Kreditkarten

Gehandelt worden sei vor allem mit Drogen; die rund 2400 Verkäufer hätten aber auch Falschgeld, gestohlene oder gefälschte Kreditkarten, Schadsoftware und vieles mehr angeboten. Den Angaben zufolge wurden über den Marktplatz mehr als 320.000 Geschäfte abgewickelt und über 4650 Bitcoin sowie 12.800 Monero - zwei der gängigsten Kryptowährungen - bewegt. Das entspreche nach derzeitigem Kurs einer Summe von mehr als 140 Millionen Euro.

Einen wesentlichen Anteil an dem Erfolg hat nach Angaben des Koblenzer Generalstaatsanwalts Jürgen Brauer die Zentrale Kriminalinspektion (ZKI) Oldenburg. „13 Beamte aus Oldenburg haben rund um die Uhr über Monate ermittelt und uns wesentlich unterstützt“, lobte der Chef der Koblenzer Behörde.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Hintergrund der Zusammenarbeit mit Oldenburg seien Kapazitätsengpässe in Koblenz, erläuterte Brauer. Die Ermittler seien ausgelastet gewesen mit dem Fall Cyber-Bunker, ein früherer Nato-Bunker in Traben-Trabach bei Koblenz, in dem Hunderte Darknet-Server betrieben wurden. Auch die Ermittlungen zu dem am Montag geschlossenen Darknet-Marktplatz gingen auf diesen Fall zurück. „Wir haben bundesweit gefragt, wer helfen kann; die Oldenburger haben sich gleich gemeldet“, sagte Brauer.

Neben den Landeskriminalämtern Niedersachsen und Rheinland-Pfalz hatten Fahnder aus Koblenz und Oldenburg nach Angaben von Brauer mit amerikanischen, australischen, britischen, schweizerischen, dänischen, ukrainischen und moldawischen Behörden zusammengearbeitet.

Die Polizei Oldenburg, die die Ermittlungen übernommen hatte, nahm an der deutsch-dänischen Grenze einen Mann (34) fest. Der Australier soll die Plattform betrieben haben. Er kam zunächst in Oldenburg in U-Haft, wie Polizeipräsident Johann Kühme auf Nachfrage mitteilte.

Die weitreichende Infrastruktur von DarkMarket mit mehr als 20 Servern in Moldawien und der Ukraine sei beschlagnahmt worden. Die Ermittler erhoffen sich aus den dort gespeicherten Daten neue Fahndungsansätze.

Hinweise aus dem Cyberbunker

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, sagt: „Ich freue mich sehr über diesen herausragenden Erfolg der Ermittlerinnen und Ermittler aus Oldenburg. Wenn die oft kleinteilige und von hoher fachlicher Expertise geprägte Arbeit der Polizei in einem derart undurchsichtigen und schwerkriminellen Feld wie dem Darknet letztendlich so einen durchschlagenden Erfolg hat, ist das ein beeindruckender Beleg für die Qualität des Personals und der Strukturen in unseren Polizeibehörden.

Laut Generalstaatsanwaltschaft geht der Fahndungserfolg auf die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem sogenannten Cyberbunker an der Mosel zurück. Dort sei zeitweise auch DarkMarket gehostet worden.

In dem alten Bunker im rheinland-pfälzischen Traben-Trarbach sollen acht Tatverdächtige über Jahre hinweg ein illegales Rechenzentrum für kriminelle Geschäfte im Darknet betrieben haben. Die Anklage wirft der mutmaßlichen Bande in dem laufenden Prozess Beihilfe zu mehr als 249 000 Straftaten vor: Vor allem millionenschwere Drogendeals, aber auch Cyberangriffe und Falschgeldgeschäfte sollen über Server im Cyberbunker gelaufen sein.

Die unterirdische Anlage war Ende September 2019 in einer großen Aktion mit Hunderten Polizisten nach fünfjährigen Ermittlungen ausgehoben worden. In dem Prozess, der bis Ende 2021 terminiert ist, müssen sich vier Niederländer, drei Deutsche und ein Bulgare verantworten. Erstmals in Deutschland stehen mutmaßliche Betreiber krimineller Plattformen im Darknet vor Gericht.

Der 34 Jahre alte Australier wird von einem Oldenburger Rechtsanwalt verteidigt. „Es trifft zu, dass ich als Wahlverteidiger mit der Verteidigung des australischen Beschuldigten im Komplex des Dark-Market beauftragt bin“, teilte Sebastian Wendt von der Kanzlei Landowski & Wendt auf Nachfrage mit. Er sei derzeit damit befasst, sich einen Überblick über die Vorwürfe zu erhalten, sagte Wendt am Dienstagabend unserer Zeitung.

Christoph Kiefer Chefreporter / Reportage-Redaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.