Oldenburg Der Namensstreit hatte die Stadt entzweit: Carl-von-Ossietzky-Universität, wie es sich die universitären Kreise wünschten, oder Graf-Anton-Günther-Universität, wovon das bürgerliche Oldenburg träumte, oder schlicht Universität-Oldenburg.

Friedensnobelpreisträger

Erst der damalige Niedersächsische Ministerpräsident und spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder beendete den Streit, der weit zurück lag. Der Gründungsausschuss der Hochschule hatte im Jahr 1974 einstimmig beschlossen, die Hochschule nach dem Publizisten und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky (1889 bis 1938) zu benennen, der von den Nazis im Konzentrationslager Esterwegen zu Tode gequält wurde. Der Namensvorschlag, die Oldenburger Universität nach dem Friedensnobelpreisträger zu benennen, kam übrigens von der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) – der heutige Linken-Ratsherr Hans-Henning Adler hatte den Antrag gestellt.

DDR vereinnahmt Namen

Die Benennung nach dem Widerstandskämpfer lehnten die Landesregierungen unter den Ministerpräsidenten Alfred Kubel und Ernst Albrecht jedoch ab. Zu sehr hatte die
DDR den Namen Ossietzkys für eigene politische Ziele vereinnahmt.

Und es gab dann auch durchaus handfeste Auseinandersetzungen. 1975 musste der von Studenten angebrachte Namenszug unter Polizeieinsatz wieder entfernt werden – und wurde kurzerhand erneut montiert. Die Universität wehrte sich mit bildungsakademischen Mitteln. 1978 fanden anlässlich des 40. Todestages Carl von Ossietzkys die ersten Ossietzky-Tage statt. Vertreter von Rat und Verwaltung der Stadt Oldenburg versuchten währenddessen, auswärtigen Journalisten den Namensstreit verständlich zu machen – mit mäßigem Erfolg.

Doch die bundesweite mediale Aufmerksamkeit zeigte lokale Wirkung. Am 19. Februar 1979 beschloss der Stadtrat, den „Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik“ auszuloben „für die beste Arbeit, die sich mit dem geistigen Standort und der Wirkungsgeschichte der Werke Ossietzkys auseinandersetzt“.

Bei Tochter entschuldigt

Am 3. Oktober 1991, Ossietzkys 102. Geburtstag, war es der damalige Niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder, der der Hochschule ihren heutigen Namen im Rahmen eines offiziellen Aktes des Landes Niedersachsen verlieh. Mit dabei war auch Rosalinda von Ossietzky-Palm, die Tochter des Nobelpreisträgers, die bereits 1981 der Universität den Nachlass ihres Vaters als Grundstock des Ossietzky-Archivs überlassen hatte.

Schröder entschuldigte sich bei Ossietzkys Tochter, die zur ersten Ehrenbürgerin der Universität ernannt wurde, mit den Worten: „Im Namen der Landesregierung entschuldige ich mich in aller Form für das, was das Land Niedersachsen dem Namen ihres Vaters angetan hat.“

Genau genommen heißt die Bildungseinrichtung heute Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg.

Profile aller weiterbildenden Schulen in Oldenburg. Welche Schule passt am Besten?

Oldenburger Schulen
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Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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