OLDENBURG Mit dem wichtigsten Fortbewegungsmittel in Oldenburg war Mehmet Aydin schnell vertraut. „Bei uns in der Türkei wird auch Fahrrad gefahren. Aber hier gibt es Radwege, da ist es sicherer, und es macht mehr Spaß. Das schätze ich an Oldenburg“, sagt der 36-Jährige, der mit Begeisterung Radtouren mit seiner Frau und seinen beiden Kindern unternimmt.

In der westtürkischen Stadt Kütahya kam Mehmet Aydin 1975 zur Welt. Hier wuchs er auch auf. Nach dem Abitur zog er um nach Ni?gde. An der Universität der zentralanatolischen Provinzhauptstadt studierte er auf Grundschullehramt. Für ihn war es der Wunschberuf. „An meiner Grundschule hatte ich einen tollen Lehrer. Der war für mich ein Vorbild“, erklärt Aydin sein Interesse am Schuldienst.

Doch nach dem Studium änderten sich seine Berufspläne. „Aus familiären Gründen“, erzählt der Türke. Er folgte seiner Frau nach Oldenburg, die hier bereits als Krankenschwester arbeitete.

Die erste Zeit war wegen der Sprachprobleme nicht einfach für den Neubürger. Schnell belegte er an der Volkshochschule einen Deutschkurs. „Sprache und Bildung sind der Schlüssel zur Integration“, ist sich der 36-Jährige aufgrund eigener Erfahrungen sicher. Allerdings blieb er auch ansonsten nicht untätig. Vormittags besuchte der Osternburger die VHS, nachmittags arbeitete er in einer Fabrik. An der Universität legte er später die Sprachprüfung für den Hochschulbesuch ab.

Das Vorstandsmitglied des Vereins DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) an der Emsstraße hat inzwischen den Sprung in den Schuldienst geschafft. An mehreren Grundschulen in der Stadt arbeitet er als Lehrer für herkunftssprachlichen Unterricht. Darüber hinaus studierte er in Osnabrück islamische Religionspädagogik.

Um seine eigenen Erfahrungen weiterzugeben, will sich Mehmet Aydin als beratendes Mitglied im neu eingerichteten städtischen Integrationsausschuss engagieren. Seine Meinung ist auch beim Präventionsrat im Arbeitskreis Religion gefragt. Überdies setzte er sich bei der Diakonie im Dialog der Migrantenorganisationen ein.

Toleranz, Ruhe und Sauberkeit mag er an seiner neuen Heimatstadt. „Hier fühle ich mich wohl. Toll finde ich die vielen Angebote für Kinder“, sagt Aydin. Gerne hält er sich in der Innenstadt auf. Entspannung findet er beim Angeln in Tweelbäke. Und wenn er Glück hat, fischt er eine Forelle aus dem Teich. Bei dem Fußball-Fan, der gerne auch selbst mit Freunden kickt, steht zwar noch Fenerbahçe Istanbul an erster Stelle. Für das Team von Werder Bremen kann er sich aber auch begeistern. Nach zwölf Jahren in Oldenburg fühlt sich Aydin gut integriert. Gerne zitiert er aber auch ein altes türkisches Sprichwort: „Heimat ist da, wo man satt wird.“

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Rainer Dehmer Oldenburg / Redaktion Oldenburg
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