Oldenburg Wie kann man Schülerinnen und Schüler einnehmen, interessieren, betroffen machen für und über ein Ereignis, das 81 Jahre zurückliegt? Das war die zentrale Frage bei der Planung des Erinnerungsganges, an dem sich die gesamte Schulgemeinschaft der Oberschule Ofenerdiek beteiligt hat.

Schon vor den Sommerferien hatte sich die Oberschule Ofenerdiek im Rahmen von Projekttagen mit den Themen Holocaust, Pogromnacht und mit der Geschichte des jüdischen Mädchens Ruth Simon aus Cloppenburg beschäftigt. Es gründeten sich extra für die Veranstaltung ein Schülerchor und eine Theater-AG, die nun auch weiterhin bestehen bleiben. Außerdem entstanden zahlreiche Exponate, die in der Landesbibliothek ausgestellt wurden und beim Erinnerungsgang mitgetragen wurden: Zeichnungen zur Verdeutlichung der Geschichte der Familie von Ruth Simon, Aufstellschilder mit den Namen der 42 Teilnehmer des Deportationsgangs, Silhouetten für die ermordeten und geflüchteten jüdischen Kinder, Banner und Symbolringe.

Während der Ausstellungseröffnung in der Landesbibliothek hob Schulleiter Christian Osterndorf hervor, dass erst seit 41 Jahren der Reichspogromnacht gedacht wird. Zudem würdigte er die Bereitschaft und das Engagement der gesamten Schule, sich dem Thema zu nähern. Ein besonderer Dank galt dem Hauptorganisator Klaus Erdmann und SV-Lehrerin Margit Engel.

Lehrerin Cornelia Fesser sagt: „Faszinierend war im Vorfeld der Besuch des jüdischen Jugendlichen Mosche, der seinen Bundesfreiwilligendienst in der Synagoge absolviert. Ebenso begeisterte der offene und warmherzige Austausch mit der Rabbinerin Alina Treiger in der Synagoge.“ Die Einstimmung vor dem Erinnerungsgang fand im Rahmen einer Andacht in der Garnisonkirche statt. In einem kurzen szenischen Spiel wurde die Geschichte des Mädchen Ruth Simon dargestellt. In der anschließenden Predigt wies die Religionslehrerin Tanja Vollmer auf die „erschreckende Aktualität“ hin. Beeindruckend stellten zwei Sprachlernschülerinnen Parallelen zu den Vorkommnissen in ihrer Heimat her. Reaktionen auf die Andacht zeigten, dass es der Schule gelungen war, sich dem Thema sehr authentisch und emotional zu nähern.

Hervorzuheben seien auch „die gefühlvoll vorgetragenen Stücke des Chores unter der Leitung von Verena Weustermann und Katrin Eilers“, sagte Vollmer. Der Chor hatte neben der Ausstellungseröffnung auch die Andacht und den Abschluss des Erinnerungsganges gestaltet. Mit Liedern wie „Donna Donna“, einem Lied, das die Situation der Juden in der Zeit des Dritten Reiches reflektiert und dem israelischen Volkslied „Hevenu Shalom Alechem“ wurde die Sehnsucht nach Frieden für die ganze Welt ausgedrückt und von vielen Anwesenden am Ende des Erinnerungsganges im Innenhof des Gefängnisses mitgesungen.

Bevor die Schulsprecher Linus Karkosch, Fenja Kriese und Sherin Gümüs die Öllampe an Vertreter der nächsten ausrichtenden Schule übergaben, appellierten sie: „Es ist wichtig, dass wir uns aktiv mit der Geschichte auseinandersetzen, damit heute und morgen niemand wegen seiner religiösen Zugehörigkeit oder auch seiner Herkunft angegriffen und ausgegrenzt wird. Wir wollen eine friedliche Gesellschaft.“


  www.obs-ofenerdiek.de 
  www.erinnerungsgang.de 

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Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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