Oldenburg Wie das wohl ist, an einem leeren Schreibtisch zu sitzen und den Auftrag zu bekommen: Jetzt bau mal ’was auf? Lucie Sommerfeld weiß das ziemlich gut. „Ich hatte keine Kurse, keine Dozenten, keine Teilnehmer“, blickt sie zurück auf das Jahr 1991. Den Anfang des Regionalbüros des Bildungswerks Verdi in Oldenburg (damals noch DAG), das sie mit aufgebaut hat.

Teufelskiste Computer

Damals hat sie die Ärmel hochgekrempelt und sich an die Arbeit gemacht. Am Anfang stand die Frage: „Was wird gebraucht?“. Lucie Sommerfeld hat sich die Angebote in der Erwachsenenbildung angeschaut und eine Lücke gefunden: Kurse, die sich speziell an Frauen richten. Mit „ganz tollen Dozenten“ hat sie den Bereich aufgebaut und „fast jeden Tag Kurse angeboten, viel in Leer und Aurich und auch in Kooperation mit dem Landkreis Ammerland.“ Nahezu jeden Abend wurden EDV-Kurse veranstaltet. „Teufelskiste Computer“ war ein Kurs übertitelt. Andere Seminare widmeten sich dem Wiedereinstig in den Beruf oder „Frauen und Politik“.

Und Lucie Sommerfeld selbst ist kämpferisch, hat erlebt wie es ist, die Karriereleiter durchs Frausein nicht weiter hinaufklettern zu können. Gesellschaftspolitisches Engagement treibt sie um: So wie beim Frauenstreik 1994 anlässlich des Internationalen Frauentages. „Uns reicht’s, daß Frauen ständig die ersten bei Entlassungen und die letzen bei gerechter Bezahlung sind“, zitiert die NWZ damals Lucie Sommerfeld.

EU-Fördergelder geholt

Doch sie hat nicht nur gefordert, sondern auch gefördert; hat EU-Töpfe angezapft und Fördermittel nach Oldenburg geholt. „Wenn man pfiffig war, war damals noch eine 70-prozentige Förderung drin“, erinnert sich Sommerfeld. Pfiffig sein allein reichte damals aber auch nicht: „Ich brauchte auch eine Menge Beharrlichkeit und war vermutlich auch nicht immer pflegeleicht.“

Neben der Arbeit für Betriebs- und Personalräte zieht sich das Engagement für Frauen wie ein roter Faden durch ihr berufliches Leben. Auch für Frauen in Führungspositionen: „Da wollte ich begleitende, prozessartige Strukturen hinbekommen“.

Und das nicht mit dem Charme eines Abendkurses: „Um zu zeigen, wie qualitativ hochwertig unsere Arbeit ist, haben wir sie akkreditieren lassen. Auch, um eine bessere Durchlässigkeit im Bildungssystem zu erreichen.“ Als Vergleich diente unter anderem die Fernuniversität in Hagen.

Sommerfeld selbst hat eine Verwaltungsausbildung absolviert, ein Studium oben draufgelegt. Ist währenddessen kurzzeitig im Marketingbereich gelandet und hat später Staatskunde in Dessau unterrichtet. „Als ich jung war, wollte ich einfach nur weg aus Oldenburg“, erinnert sie sich. „Ich hatte das Gefühl, hier kommt alles einfach später angeschwappt.“ Das hat sich geändert: „Ich finde, Oldenburg hat sich toll entwickelt.“ Und auch ihren eigenen Weg empfindet sie positiv: „Ich habe Glück gehabt, hier etwas aufbauen und selbst gestalten zu können.“

Digitale Herausforderung

Und das hat sie jahrelang getan. Und sich dabei allmählich auf den Abschied vorbereitet: „Ich habe eine tolle Nachfolgerin“, sagt Sommerfeld, die heute ihren letzten Arbeitstag hat. Damit das Ende nicht so abrupt kommt, habe sie einen schleichenden Übergang vollzogen. Jetzt kommt eine neue Zeit mit neuen Herausforderungen, sagt Sommerfeld. „Die Digitalisierung wird uns viel beschäftigen und große Umwälzungen mit sich bringen“, nennt sie ein Beispiel. Doch das wird, zumindest beim Bildungswerk, ohne Lucie Sommerfeld passieren. „Ich habe da aber vollstes Vertrauen in das tolle Team und meine Nachfolgerin. Da kann ich beruhigt die Tür hinter mir zumachen.“ Aber was liegt dann hinter dieser Tür? Welche Welt wartet dort auf Lucie Sommerfeld? „Das weiß ich noch nicht. Es ist wirklich ein seltsames und auch blödes Gefühl“. Natürlich werde sie erst einmal die Zeit ohne Termindruck und Stress genießen. „Aber nur auf der Terrasse zu sitzen, das ist mir zu wenig. Ich werde bestimmt etwas Neues finden, wo ich mich einbringen kann“.

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Mareike Weberink Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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