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Oldenburg Lesen lernen ist kein Kinderkram. Wenn es darum geht, dem Nachwuchs die Faszination des Buches beizubringen, sind Erwachsene gefragt.

Die NWZ sprach zur Kibum mit Christine Paxmann (56) über Eckpfeiler literarischer Bildung. Die Autorin und Herausgeberin der Fachzeitschrift „Eselsohr“ ist mit ihrem Buch und als Jurymitglied des Kinder- und Jugendbuchpreises in Oldenburg zu Gast.

Was sollte jedes Kind gelesen haben ?

Da gibt es keine Vorgaben. Wichtig ist es, dass das Kind Leseglück erfährt. Womit das passiert, ist individuell verschieden. Man sollte seinem Kind unterschiedliche Themen anbieten und gucken, worauf es reagiert. Für den Anfang sind Begriffswörterbücher toll. Und beim Vorlesen sollte ein Dialog zwischen Vorleser und Zuhörer entstehen.

Wie oft sollte ich meinem Kind vorlesen?

Jeden Tag. Das ist das probateste Mittel, um das Kind zum Lesen zu bringen. Selbst wer den ganzen Tag arbeitet, hat abends zehn Minuten Zeit dafür. Noch besser wäre eine halbe Stunde. Wichtig ist das tägliche Ritual.

Wann sollten Eltern mit dem Vorlesen anfangen?

Sobald das Kind auf dem Schoß sitzen und auf Dinge zeigen kann – zwischen einem dreiviertel- und einem Jahr. Wichtig ist am Anfang auch die Haptik. Pappbilderbücher dürfen auch mal etwas grober angefasst werden. Allerdings ist es auch wichtig, dem Kind früh Achtung vor Büchern beizubringen – sie sind zum Lesen, nicht zum Toben da.

Gibt es Klassiker in der Kinderliteratur?

Schon. Aber die sind oft aus Sicht der Eltern ausgewählt und nicht mehr unbedingt zeitgemäß. Die Welt hat heute einen anderen Sound als vor dreißig Jahren. Es gibt sicher zeitlose Bücher – die Werke von Erich Kästner gehören dazu. Auch, wenn die Sprache teilweise ein wenig überholt ist. Aber es gibt auch etliche Klassiker, die ganz deutlich aus der Zeit sind. Abraten würde ich im frühen Alter von Märchen. Die sind an Thrill kaum zu übertreffen.

Welche Bücher sind für welches Alter geeignet?

Das hängt sehr vom Charakter des Kindes ab. Eltern kennen ihren Nachwuchs, sie wissen, ob er eher ängstlich ist. Oder mutig. Oder forsch. Oder tierlieb. In dem Fall empfiehlt es sich, dann nicht eine Geschichte vorzulesen, in der ein Tier in Gefahr gerät. Eltern sollten die Bücher zuerst selbst lesen und dann entscheiden, ob es etwas für ihr Kind ist. Gut geeignet sind immer Bücher mit Tieren. Das fördert das Empathiegefühl. Und Freundschaftsgeschichten vermitteln auf elegante Art und Weise Ethik. Generell ist kein Kind zu alt für eine Geschichte. Eher zu jung für die Thematik. Dabei ist es jedoch egal, ob das Kind ein Wort nicht versteht. Das passiert ihm dauernd im Alltag und fordert zum Fragen heraus.

Wie wecken Eltern Begeisterung für’s Lesen?

Einmal durch’s Vorlesen. Aber ganz wichtig ist auch die Vorbildfunktion. Wenn ein Kind zuhause nie ein Buch, ein Bücherregal, einen Bücherstapel, nie lesende Eltern sieht, wird es sich nicht für Literatur zu interessieren beginnen. Mütter und Väter, die dauernd auf’s Smartphone schauen, vermitteln ihrem Nachwuchs nicht, dass Bücher etwas Wertvolles sind.

Welche Rolle spielt Lesen im Unterricht?

Keine kleine. Aber was im Alter zwischen eins und vier nicht geschafft wurde, ist ganz schwer aufzuholen. Der Grundstein muss im Kindergarten gelegt werden. An dieser Stelle gibt es in der Erzieherausbildung ein großes Manko. Bücherausbildung steht nicht auf dem Lehrplan. Hier gilt es unbedingt nachzubessern.

Wie bleiben Bücherwürmchen lesende Jugendliche?

Das ist ganz schwierig. Ab 13 Jahren ebbt die Begeisterung für’s Lesen auch bei Kindern ab, die früher Bücher geliebt haben. Das Jugendbuch ist heute so gut wie tot. Das liegt nicht nur an den Handys. Auch an Netflix – der ganzen Unterhaltungsindustrie. In dieser Phase braucht es sehr, sehr engagierte Eltern und Lehrer. Aber auch die können wenig dagegen ausrichten, dass das Leseverhalten zwischen 13 und 23 Jahren massiv zurückgeht. In dieser Lebensphase ist lesen einfach nicht mehr hip. Es wird als retro empfunden. Der schillernde Ansatz der Medienbranche fehlt. Gegen diesen digitalen Tsunami hilft es nur, auch seitens der Verlage etwas für’s Lese-Image zu tun.

Machen Buchverfilmungen Leselust kaputt?

Im Gegenteil, sie befeuern sie. Die Verkaufszahlen von Werken wie „Tschick“ sind nach den Verfilmungen rasant angestiegen.

Wie wird der Kibum-Besuch zu einem Erlebnis?

Eltern sollten sich nicht zu viel vornehmen. Weniger ist mehr. Am Besten etwas altersgerechtes aussuchen, zum Beispiel gemeinsam zu einer Lesung gehen und vorher zusammen überlegen, was man den Autoren so fragen kann, dem Kind erzählen, dass dieser Mensch sich Geschichten ausdenkt. Und aus dem Ganzen ein Event machen – etwas Besonderes.

Profile aller weiterbildenden Schulen in Oldenburg. Welche Schule passt am Besten?

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Lea Bernsmann Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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