Oldenburg Es war eine der besten Ideen in der jüngeren Geschichte des Herbartgymnasiums – die Einführung von Bläserklassen – die die Festgemeinde in der vollen Aula von Anfang an feierlich und heiter stimmte: das 70-köpfige „Herbart’s Symphonic Brass“ mit Piazollas „Libertango“ und „The Best of James Bond“ pustete kraftvoll und eingängig das letzte Staubkorn aus dem 175 Jahre alten Gemäuer, das 1844 als „Höhere Bürgerschule“ und Pendant zur „Lateinschule“ gegründet worden war und über die „Hindenburgschule“ zum „Herbartgymnasium“ wurde. Leisere, aber auch zu Ohr und Herzen gehende Töne, schlug dann die Gesangsklasse an – Resultat einer anderen Super-Idee der Schule.

„Es ist eine alte und enge Schule, in der ein junger Geist herrscht“, werden Andrea Kazmirek und Lili Schaefer – dazu passend – später in ihrem Grußwort des Kollegiums sagen. Ein junger Geist, der nicht nur „cool“ ist, sondern Seele hat und einen – so vorgetragen – ergreifen kann, wie Oberbürgermeister Jürgen Krogmann die Wirkung auf sich offen beschrieb. Ein junger Geist, der zu einer Atmosphäre „des Zusammenhalts auch im Kollegium führt, in der Lehrer und Schüler sich freundlich grüßen und jeder jedem hilft“, sagten Andrea Kazmirek und Lili Schaefer.

Da es kaum Wichtigeres gibt als den Geist, der in einer Schule herrscht, ist damit schon viel gesagt über die „Jubilarin“ an der Herbartstraße. An die selbst gesetzten pädagogischen Koordinaten erinnerte Schulleiter Günter Tillmann: „Haltung entwickeln, Gemeinschaft erleben, Offenheit pflegen“ – H-G-O. Ziel sei es, innerhalb der unumgänglichen Aufgaben „die größtmögliche Freiheit zu gewähren, jedem Schüler offen und vorurteilsfrei zu begegnen, Bewährtes zu pflegen und Neues zu wagen“. Tillmann dankte allen, „die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu der guten Entwicklung der Schule beigetragen haben“. Alle zählten zur „großen, wunderbaren HGO-Familie“ – vom Förderverein, der in den vergangenen zehn Jahren 160 000 Euro für die verschiedenen Projekte gespendet hat, bis zu den vielen Ehemaligen. In der Aula waren Ehrengäste, die schon das 125-Jährige Bestehen feiern konnten.

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Das Neue, das immer wieder gewagt wird, spiegelt sich in der Einrichtung der Bläser- und Gesangsklassen ab Klasse 5, dem Japanisch-Angebot und Partnerschaften von Japan bis Bulgarien, im frisch und professionell produzierten Film „Mein HGO“ und „in vielen weiteren Möglichkeiten, uns zu entfalten – wie dem zweisprachigen Unterricht, der Forscherwerkstatt oder der InTech-Klasse, die es mit ihren selbst-programmierten Robotern bis zur Weltmeisterschaft geschafft hat“, sagte Schülersprecher Maximilian Kürten.

Wegen seiner Arbeit und seiner hohen Unterrichtsqualität genieße das Herbartgymnasium „über die Stadtgrenzen hinaus einen sehr guten Ruf“, sagte Jürgen Westphal von der Landesschulbehörde, der gleichzeitig appellierte, immer genügend Zeit für Ruhe und Muße zu lassen – auch als unabdingbare Voraussetzung für gelingendes Lernen. Westphal: „Wir bestehen aus Herz und Verstand.“

Elternvertreterin Geraldine Dudek, die mit einem kleinen Team auch für die viel beachtete Ausstellung zur Geschichte der Schule im Stadtmuseum gesorgt hatte, bedankte sich für die Aufgeschlossenheit des Kollegiums und bei der Stadt, die mit hohem Aufwand dafür gesorgt habe, dass die Schule heute „in neuem, alten Glanz erstrahlt“.

David McAllister, EVP-Abgeordneter im EU-Parlament, hielt seine Festrede auf „Das Erfolgsmodell Gymnasium“, das „die beliebteste Schulform in Deutschland ist – und aus gutem Grunde so erfolgreich“. Ein Geheimnis des Erfolges liege „in seinem hohen Anspruch“. Das Gymnasium dürfe die Spezialisierung aber nicht zu weit treiben, sondern müsse sich auf seine Kernfunktion zurückbesinnen und auf die Allgemeine Hochschulreife vorbereiten, so McAllister, es dürfe „nicht über- und nicht unterfordern“ und müsse „einen ideologiefreien Rahmen setzen“. Der Politiker plädierte dafür, die Schulstrukturdebatte zu beenden und die heutige Schul-Vielfalt als große Errungenschaft zu sehen, die jedem Kind das Passende biete.

Dass die HGO-Schüler das Passende gefunden haben, ist für Schülersprecherin Annika Wefer sonnenklar: „Wir fühlen uns sehr wohl hier – und wir haben genügend Freiraum für Haltung, Gemeinschaft und Offenheit.“


  www.herbartgymnasium.de 

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Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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