Betrifft: „Massive Kritik an Klassenfahrten-Stopp“ (NWZ  vom 25. Februar)

Ach, wie haben wir es gut: wir Handwerker, Architekten, Ingenieure, Ärzte mit unseren teilweise 50- bis 60- Stunden-Wochen und meist nur noch maximal 25 Tagen Urlaub im Jahr. Wenn uns Fehler passieren, droht uns Arbeitslosigkeit oder schlimmstenfalls als Selbstständige Existenzverlust. Aber einen Rentenanspruch, na ja, zum Überleben wird es gerade mal reichen. Aber man beklagt sich nicht.

Ja! Da gibt es eine Berufsgruppe, die müsste es wesentlich schwerer haben. (...) Man hat eine lange 23,5-Stunden-Woche, ca. 60 Tage Urlaub im Jahr, ein Nettogehalt (schreibe ich nicht, ich wollte es auch nicht glauben). Und ab 55 Jahren eine Stunde weniger, ab 60 Jahren zwei Stunden weniger arbeiten bei voller Bezahlung und eine äußerst üppige Pension. (...) Aber jetzt kommt’s. Man soll eine ganze Stunde – am Tag?, nein, in der Woche – arbeiten! Wie gemein!

Dann soll man doch mehr Lehrer einstellen! Jawohl. Aber was machen wir beim sogenannten demografischen Wandel, wenn plötzlich zu viele Pädagogen da sind? Wer soll das alles zahlen? Schon jetzt weiß man nicht, wie die Pensionen in späteren Jahren zu zahlen sind.

Liebe Gymnasiallehrer, (wohl nicht alle): Wie weltfremd muss man sein, dass man bei den oben genannten Leistungen auch ein erhöhtes Engagement erwarten kann (...). Und sich dann noch mit Ärzten vergleichen (...). Bei mir und in meinem Bekanntenkreis löst das nur noch Verständnislosigkeit aus. Aber wir gehören ja zum ersten Abschnitt des Leserbriefes!

Lothar Mühl Oldenburg

Was für eine Ignoranz gegenüber der Arbeit von Lehrern. Manchen Autoren (...) würde ich doch den Rat geben, den Berufsalltag eines Lehrers einmal zu begleiten, anstatt am heimischen Schreibtisch merkwürdige Rechenexempel anzustellen. Nur mal so am Rande: Eine Unterrichtsstunde bedarf der Vor- und Nachbereitung, oder korrigieren sich Klassenarbeiten jeglicher Art bis einschließlich der Abiturklausuren von selbst? Ganz abgesehen von den vielen Dokumentationen/Förderplänen, die Lehrer verfassen müssen. (...)

Katrin Frenzel Oldenburg

(...) Mein Mann ist jeden Tag um sieben Uhr aus dem Haus, selten vor 16 Uhr wieder daheim, mindestens einmal die Woche nicht vor 18 Uhr. Die Zeit neben dem Unterricht wird gefressen von unzähligen Konferenzen, Abteilungstreffen, Elternabenden und den immer mehr ausufernden administrativen Aufgaben wie Dokumentationen, Beurteilungen usw. Abends sitzt er am Schreibtisch, immer häufiger bis spät nachts. Darüber hinaus sind 67 Urlaubstage schlichtweg falsch. Es sind 30 Tage Urlaub, der Rest sind „unterrichtsfreie Tage“, die auch gern mal mit Fortbildungen, Konferenzen und Schulorganisation belegt werden (...). Auch für Lehrer gilt: Es gibt ein Leben neben der Schule.

Waltraud Brusch Oldenburg

Nachdem ich in der letzten Zeit mehrere Artikel zur Abschaffung von Klassenfahrten gelesen hatte, musste ich mich erstmal setzen! Ich bin Schülerin eines Gymnasiums, und auch mir wurden die Klassenfahrten gestrichen. Warum? (...) Die Lehrer arbeiten nicht nur in der Schule, sie nehmen ihre Arbeit mit nach Hause. (...) Mit dieser Arbeit meine ich z.B. Unterricht vorbereiten, Arbeiten entwerfen und korrigieren, Fortbildungen besuchen, Eltern am Telefon beruhigen, wenn sie Angst haben, dass ihre Kinder ,,absacken“ und eben auch Klassenfahrten planen. Das alles wird nicht bezahlt. (...)

Karlotta Kowalsky 13 Jahre, Schülerin Oldenburg

(...) Im internationalen Vergleich ist das G-8-Abitur unstreitig eine Notwendigkeit für Deutschlands Konkurrenzfähigkeit ebenso wie national, ließe sich doch ein zusätzliches Beitragszahlerjahr zur Rente der in der Regel „Besserverdienenden“ erreichen. Bei der Einführung des G-8-Abiturs wurde versäumt, Lehrpläne eines Bildungsideals des 18. und 19. Jahrhunderts zu entrümpeln und Kindern die Chance zu geben, auf ihr zukünftiges Leben vorbereitet zu sein. (...) Statt einer Rolle rückwärts der ewig Gestrigen und Ängstlichen, wäre eine zukunftsweisende Auseinandersetzung mit der Welt, in die unsere Kinder hineinwachsen, erforderlich.

Da lebenslanges Lernen weiter zunehmen wird, ist es wichtig die Qualifizierungsstufen kurz und überschaubar zu halten, Durchlässigkeit zu schaffen und in einer Zeit, in der der Einzelne den Umgang mit Leistungsdruck erlernen muss, möglichst frühzeitig gesunderhaltende Techniken der Leistungssteuerung einzuüben.

Als Vater von 8 Kindern zwischen 7 und 34 Jahren beobachte ich mit Sorge, wie Lerninhalte und Lebenswirklichkeit immer weiter auseinanderdriften, wie Technikanwendungen in der Freizeit viel weiter entwickelt sind als die Lernmaterialien der Schulen, die oft noch an den Nachkriegsunterricht erinnern, dass Lehrer eher eine Bewahrungs- und/oder Verweigerungshaltung transportieren, denn Neugier und Engagement für die Zukunft entfachen können. Kindern bei gleichen Inhalten vermehrt Zeit zu lassen, heißt Chancen vergeben, Lust auf Neues zu hintertreiben und Langeweile, Frust und Zukunftsverweigerung Vorschub leisten. (...)

Achim Walter Oldenburg

Oldenburger Schulen
Profile aller weiterbildenden Schulen in Oldenburg. Welche Schule passt am Besten?

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