Ofenerdiek Der ganze Spuk hat 20 Minuten gedauert. „Nach dem absoluten Riesenandrang kommt nun das geordnete Chaos“, sagt Polizeioberkommissar Klaus Blaser mit Blick auf die Lagerstraße. Es ist Freitag, kurz vor 8 Uhr, die Klingel der Grundschule Ofenerdiek hat längst geläutet. Die meisten Kinder sind im Gebäude auf dem Weg zu ihren Klassenräumen. Draußen trudeln immer noch welche ein. Manche in Grüppchen, manche an der Hand ihrer Eltern. Und einige Kinder stellen staunend fest: „Oh, die Polizei!“

Alles ehrenamtlich

Klaus Blaser, Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland, ist leicht als Ordnungshüter zu erkennen, denn er trägt Uniform – aber nicht die Verantwortung. Die haben an diesem Morgen Imke Seidel und Mike Sieber. Die 34-Jährige und der 35-Jährige fungieren am Zebrastreifen direkt vor der Schule als Verkehrshelfer – ehrenamtlich. Sie hat eine Tochter, die die dritte Klasse besucht. Er ist Vater dreier Kinder, die längst auf weiterführende Schulen gehen.

So geht’s über den Zebrastreifen

Der Zebrastreifen soll laut Straßenverkehrsordnung ausschließlich Fußgängern sowie Roll- und Krankenfahrstuhlfahrern das Überqueren einer Fahrbahn ermöglichen; Radfahrern nur, wenn sie ihr Rad schieben.

Das „Armsignal“ wird Schülern empfohlen, um anzuzeigen, dass sie den Zebrastreifen benutzen wollen: an der Bordsteinkante stehen, einen Arm in Gehrichtung ausstrecken und mit dem nahenden Autofahrer Blickkontakt aufnehmen.

Richtig verhalten sich Autofahrer, die sich mit mäßiger Geschwindigkeit nähern und jederzeit ohne Notbremsung gefahrlos noch vor dem Zebrastreifen anhalten können.

Strikt verboten ist das Überholen an Fußgängerüberwegen. Stockt der Verkehr, dürfen Fahrzeuge nicht auf den Überweg fahren, wenn sie auf ihm warten müssten.

Ein Bußgeld von 80 Euro zahlt man, wenn man mit nicht mäßiger Geschwindigkeit naht, obwohl ein Fußgänger den Überweg erkennbar benutzen will oder wenn man ihm das Überqueren nicht ermöglicht. Dazu gibt’s einen Punkt im Fahreignungsregister.

Diesen Lotsendienst der Eltern gibt es seit dem Jahr 2005 an dieser Grundschule. „Immer noch der einzige seiner Art im Stadtgebiet“, weiß Klaus Blaser. „Vor elf Jahren gab es dafür den Präventionspreis“, erzählt Schulrektor Eibe Ruth. Den Preis hatte der Gemeinde-Unfallversicherungsverband (GUV) Oldenburg ausgeschrieben. Die Idee, mit Hilfe von Elternlotsen die Schulwegsicherheit zu steigern, kam besonders gut an. Initiatorin war vor 14 Jahren Britta Böden, Mutter zweier Kinder und Anwohnerin der Lagerstraße. Und damit beste Beobachterin des Verkehrs, der hier vor allem zwischen 7.30 und 7.50 Uhr herrscht.

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„330 Grundschüler, etwa 440 Schüler der Oberschule, die Kita samt Krippe nebenan sowie zwei Buslinien“, zählt Eibe Ruth auf, wer hier morgen so unterwegs ist und welche Ziele es gibt. Im Zuge der Umgestaltung des Schulhofes habe die Stadt versucht, die Verkehrssituation zu entspannen, erklärt der Schulleiter und weist auf ein Fläche zwischen Grundschule und Kita. Mit dem Auto fahren Eltern über eine Einfahrt auf das Areal, setzen ihr Kind ab und/oder bringen die Kleineren zur Krippe und fahren dann wieder ab. Dieses „Bringsystem“ habe sich bewährt.

Die meisten Kinder, ob zu Fuß oder mit dem Rad, müssen über den Zebrastreifen. Imke Seidel und Mike Sieber haben sich jeweils auf einer Straßenseite postiert. Sie trafen Warnwesten (wie viele Kinder und manche Eltern auch). Und beide haben eine Warnkelle in der Hand. Mal stellen sie sich den Autos mit ausgebreiteten Armen entgegen, damit die Kinder die Fahrbahn überqueren können. Mal halten sie Kinder zurück, damit erst einmal Busse und Autos passieren können. „Aufgrund der beengten und zum Teil unübersichtlichen Situation greifen die Verkehrshelfer zum Teil lenkend in den Verkehr ein“, erklärt Klaus Blaser die Aufgabe. Geschult wurden die Eltern dafür von der Polizei.

Lief heute alle reibungslos (von links): Klaus Blaser, Mike Sieber, Imke Seidel und Eibe Ruth vor der Grundschule

Mike Sieber hat schon neun Jahre Erfahrung als Verkehrslotse. An seinem freien Tag, bei minus 5 Grad, steht er hier und passt auf. Auch darauf, dass das Licht an den Rädern der Kinder funktioniert. Imke Seidels Tochter bleibt noch ein bisschen stehen und guckt, wie ihre Mutter den Verkehr regelt. „Das ist meine Mama“, sagt sie stolz.

Oft respektlos

Es läuft an diesem Morgen alles reibungslos. Vielleicht liegt das auch daran, weil hier ein uniformierter Polizist am Straßenrand steht? Ach nee, da hält grade ein Auto auf dem Busstreifen entgegen der Fahrtrichtung an, damit ein Kind raus kann. Blaser eilt hin, um ein klärendes Gespräch zu führen. „Mit Autofahrern klappt das hier eigentlich gut“, erzählt Mike Sieber. Problematischer seien eher Rad fahrende Jugendliche, die noch schnell eben eine Lücke suchen – egal, ob da jemand eine Warnkelle hochhält. „Mit Respektlosigkeit haben wir es oft zu tun“, fügt Blaser hinzu. „Es gibt auch Autofahrer, die halten mitten auf Zebrastreifen, damit ihr Kind aussteigen kann“, berichtet der Polizist. „Ist ja nur für ganz kurz, heißt es dann.“

22 Verkehrshelfer zählen laut Mike Sieber zurzeit zum Team an der Grundschule Ofenerdiek. „Es sind immer zwei vor Ort.“ Für ihn und Imke Seidel ist nun Dienstschluss. Auch das „geordnete Chaos“ ist vorbei. Bis Montag dann.

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Susanne Gloger Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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