Ofenerdiek Im Klassenzimmer herrscht gespanntes Schweigen, während Karin und Stefanie ihre Lebensgeschichten erzählen. Die beiden Frauen von den Anonymen Alkoholikern waren am Mittwoch zu Besuch im Biologieunterricht einer 10. Klasse der Oberschule Ofenerdiek. „Hallo, ich bin Karin und ich bin Alkoholikerin“, eröffnet die ältere der beiden Frauen die Gesprächsrunde. Das, was die Schüler wohl nur aus dem Fernsehen kennen, erleben sie an diesem Tag hautnah.

Die 60-Jährige berichtet von ihrem Schulabbruch nach der elften Klasse, dem Leistungsdruck im Elternhaus und von den Anfängen des Alkoholismus, dem Feierabendsekt im Kollegenkreis. Anschaulich beschreibt sie das allmähliche Absinken in die Sucht, das Lügengerüst, das man aufbaut, um den Alkoholkonsum zu verstecken und die Schuldgefühle, die sie gleichzeitig belasteten.

Die regelmäßigen Treffen der Anonymen Alkoholiker geben den beiden Frauen viel Halt. „Dort hat man die Möglichkeit, über seine Probleme zu sprechen und sie nicht tot zu schweigen, wie es früher in der Familie oft der Fall war“, berichtet Karin.

Stefanie hat eine ähnliche und doch wieder ganz andere Geschichte. Schon im Jugendalter experimentierte sie mit illegalen Drogen, an den Wochenenden gehörte Alkohol zum Partyprogramm. Erst als ihre Sucht Depressionen und Paranoia zur Folge hatte, bat sie den Vater um Hilfe. Nach einer Therapie blieb die heute 34-Jährige vier Jahre lang clean, erlitt dann jedoch einen Rückfall. „Eine Party ohne Alkohol und Drogen war für mich früher undenkbar, heute habe ich in der Disco viel mehr Spaß, weil ich nicht total vernebelt bin.“ Karin ist bereits seit knapp 30 Jahren trocken, und auch Stefanie lebt heute ein drogenfreies Leben.

„Mir ist das eine Herzensangelegenheit, auf das Thema Alkoholismus aufmerksam zu machen“, erklärt Karin, die schon öfter in Schulklassen von ihrer Sucht erzählt hat. Klassenlehrerin Heike Gaden und Hartwin Preussner, Jugendschutzbeauftragter der Stadt, freuen sich über die Zusammenarbeit zur Suchtprävention bei Jugendlichen. Beide wissen, dass man das Thema Sucht auch mit Schaubildern im Unterricht erklären kann, dass die Berichte von Betroffenen jedoch meist eine viel größere Wirkung auf die Schüler haben. „Selbst, wenn die Schüler nicht viele Fragen stellen, wirken diese Vorträge noch lange nach“, so Preussner.

Am Ende gibt Stefanie den Schülern noch einen wichtigen Hinweis. „Wenn ihr merkt, dass jemand süchtig ist oder sein könnte, tut nicht so, als wäre alles normal, sondern signalisiert demjenigen, dass ihr ein offenes Ohr für seine Probleme habt.“ Den schwierigsten Teil muss die betroffene Person dann jedoch selbst leisten, nämlich Hilfe anzunehmen.

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