Etzhorn Zucht und Ordnung. Darauf wurde im vergangenen Jahrhundert in der Schule besonderer Wert gelegt. Wollte das ein Schüler denn so gar nicht begreifen, dann gab’s was mit dem Rohrstock. Dann flog auch schon mal ein Kreidestück durch den Klassenraum Richtung Übeltäter. Nicht so bei Karl Prelle. Der Reformpädagoge aus Friesland revolutionierte vor mehr als 80 Jahren das Schul- und Unterrichtskonzept. Auch in Etzhorn. Hier hinterließ der Lehrer einen bleibenden Eindruck.

Die Forscher-Arbeitsgemeinschaft der Grundschule Etzhorn hat’s erforscht. Die Kinder haben Zeitzeugen befragt und ihre Ergebnisse schließlich für den Geschichtswettbewerb 2016/ 2017 des Bundespräsidenten auf Landesebene mit dem Thema „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“ eingereicht. Mit ihrem Beitrag „Schulkind bei dem Reformpädagogen Karl Prelle in Etzhorn 1946 bis 1957“ gehören sie zu den niedersächsischen Landessiegern (siehe Info-Kasten). Am 10. August werden ihnen im Landtag in Hannover die Urkunden und das Preisgeld überreicht.

Lernen ohne Zwang

Rückblick und Forschungsergebnisse: Vor gut einem Jahr gründete sich die Forscher-AG, sie wollte sich dem Leben und der Arbeit um Karl Prelle widmen. Prelle war überzeugt, dass Kinder besser lernen, wenn sie es gerne tun. Kein Zwang, sich nicht eingeengt fühlen. So wurden die Tische im Kreis aufgestellt. Die Lernumgebung war ihm wichtig. Prelle liebte Theaterspiele und es war für ihn Herzenssache, die Kinder hierin zu unterrichten. Aber noch wichtiger war für ihn die Religion. Er hatte einen Altar eingerichtet, vor dem Kreuz wurde gesungen und gebetet. Die Kinder mussten still stehen und leise sein, ansonsten wurde seine Stimme sehr laut und er forderte die Ruhe ein. So verrann schon mal eine halbe Stunde, bis der eigentliche Unterricht begann. Und es passierte immer mal wieder, dass sich ein Kind vor Schwäche nicht auf den Beinen halten konnte und hinfiel. Er registrierte es nicht, so sehr war er im Gebet vertieft. Meistens hielten sich die Kinder fest, dass sie nicht umkippten. Es war die Nachkriegszeit und viele Kinder hatten nicht genug zu essen. Mit den Kindern schuf Prelle einen Schulgarten. Hier durften sie Gemüse anpflanzen und es ernten. Er war einverstanden, wenn ein Kind ihn während des Unterrichts ansprach, ob es in den Garten dürfe. Das war Freiarbeit, jedes Kind sollte das machen, was ihm lag und er unterstützte die Interessen. Hatte Karl Prelle ebenfalls keine Lust, den Unterricht abzuhalten, dann beendete er ihn nach zehn Minuten und alle gingen in den Garten.

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Frau Finger, geb. Rath, die Mutter von Susann Finger-Vosgerau, jetzige Schulleiterin in Etzhorn, war zu damaliger Zeit Lehrerin in der Grundschule Wahnbek. Sie bekam den Rat, sich mit Karl Prelle über seine Lehrmethoden auszutauschen. Man bezeichnete ihn auch als „Schaumschläger“, der aber seiner Zeit weit voraus war.

Enna, Sherin, Sophie, Liv, Carolin, Lucy, Anna, Daaje, Violetta, Lasse, Nils, Kinder der vierten Grundschulklasse, waren die Forscher und sie haben ihre Ergebnisse in der Öffentlichkeit als kleines Theaterstück präsentiert. „Es war ein wunderbarer Gedanke, ideenreich umgesetzt. Es wäre ganz im Sinne von Karl Prelle gewesen“, fanden dann auch die Zeitzeugen.

Eine von ihnen, Helga Bachmann, berichtete für das Forschungsprojekt vom abwechslungsreichen Unterricht Prelles, aber von auch negativen Erlebnissen. Ein Beispiel: „Das Gut Hullmann lag gegenüber der Schule. Oft fuhr ein Lieferwagen an der Schule vorbei. Auf dem Wagen war die Aufschrift ,Hullmanns Alter Korn’. Dann rief Karl Prelle laut und zeigte mit dem Zeigefinger auf mich: ,In jedem Glas Schnaps steckt ein Teufel. Und da arbeitet deine Mutter’. Er hat mir Angst gemacht, ich trage sie noch heute in mir“, erinnert sich Helga Bachmann.

Handschlag vom Bischof

Kurt Sander, ein ehemaliger Schüler, erzählte von einem besonderen Erlebnis der positiven Art. „Zum Elternabend am 31.10.1947 begrüßte Karl Prelle als Ehrengast Bischof Stählin. Hier zeigt sich, wie wichtig Karl Prelle die Religion war. Die Oldenburgische Landeskirche kannte ihn und würdigte seine Arbeit.“ Der zehnjährige Kurt musste einen Vortrag über Martin Luther halten. Dem Bischof Stählin hat es so gut gefallen, dass er sich mit einem Handschlag bei ihm bedankte. Für Kurt war es eine große Ehre und Auszeichnung.

Schulleiterin Susann Finger-Vosgerau bedankte sich bei Martina Wöbken und Susanne Hufnagel für die große Unterstützung. Ebenso galt ihr Dank dem Bürgerverein Etzhorn, hier besonders der 2. Vorsitzenden Irmtraut Fuhlrott. Sie ist zu den ehemaligen Schülern gefahren, hat sich die Geschichten erzählen lassen und diese Interviews für die Kinder aufbereitet. Helga Bachmann, Ilse Bark, Heino Fröllje, Georg Gallo, Erika Huth, Heiko Schmidt, Thea Schröder, Anke Schumacher, Wolfgang Welke, Kurt Sander, Heinz Düser, und Edda Weigelt erzählten ihre Kindheitserlebnisse.

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Susanne Gloger Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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