Oldenburg Kein Mensch passt in eine Schublade! Die Antidiskriminierungsstelle hat das einst festgehalten. Also kann man den Versuch, die Gesangsgruppe „Muttis Kinder“ in eine Schublade einzusortieren, gleich lassen. Eine Frau packt man da sowieso nicht rein, Claudia Graue also schon mal nicht. Marcus Melzwig ist dafür körperlich zu lang. Und Christopher Nell dorthin zu versenken, wäre künstlerisch frevelhaft.

Also treten „Muttis Kinder“ im Großen Haus des Staatstheaters frank und frei auf. Die drei Stimmkünstler sind die gefeierten Stars des Neujahrskonzerts beim Verein der Musikfreunde (VMO). Graue besetzt die Stimmlage Mezzosopran, Melzwig führt einen sonoren Bariton vors Mikro, Nell fährt Achterbahn zwischen Countertenor und tieferer Männerstimme. Obendrein setzen sie Körper und Mimik ebenso innovativ ein.

Dabei führt ihr Genre „A-Cappella“ durchaus zu einer Schublade. Gesangsformationen, die ohne instrumentale Begleitung auftreten, haben seit fast 15 Jahren Hochkonjunktur. Doch „Muttis Kinder“ sitzen dort mindestens auf dem Rand der obersten.

Ihr Programm „Zeit zum Träumen“ bedient und berührt Ohren, Lachmuskeln, Gemüt und das Gespür für Feinheiten gleichermaßen. Das Trio beherrscht die Kunst des Weglassens von Klamauk und vordergründigem Witz eindrucksvoll. Dazu schreiben sie mit wenigen Gesten hintergründig Geschichten. Wie passt dieses Dreieck ineinander? Könnte Blondie Claudia mit Buchhalter-Typ Marcus verheiratet sein, es aber hinterrücks mit Filou Christopher treiben? Oder doch nicht?

Ausgefeilte stimmliche Feinarbeit und abwechslungsreicher Musikwitz greifen zwischen Rap-Hits, Freddie-Mercury-Medleys, den härtesten Schlagern von Gitte oder dem Evergreen „Eine neue Liebe“ virtuos ineinander. Die Instrumentalbegleitung mischen die Drei von Dumm-di-dumm-di-du bis humsch-zisch-pffft locker dazu. Und im Musikwitz sind „Muttis Kinder“ große Meister. Das demonstrieren sie am „guten Mond“, den sie gar nicht stille dahinziehen lassen.

Was Reinhard Mey einmal „noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette“. Bei „Muttis Kindern“ dauert es eine gemeinsame Flasche Wasser. Da bleiben nach dieser kurzweiligen und prickelnden Musikreise Zweifel: Sollte da nicht doch noch etwas anderes in der Flasche gewesen sein?

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