Von S. Schicke, j. Rittner, K. Röhr und T. Kuchta

Januar

Neujahrskater im Rathaus. Der Titel „Stadt der Wissenschaft“ ist abgelaufen und OB Gerd Schwandner sorgt sich um den Slogan Übermorgenstadt: Denn angesichts der gigantisch wachsenden Schulden ist die Stadt übermorgen ziemlich pleite. Doch Finanzdezernentin Silke Meyn hat auf dem Dachboden eine alte Truhe mit D-Mark gefunden. Die Stadtspitze beschließt, das getauschte Geld in einen Stapel Jahreslose der Fernsehlotterie zu investieren.

Olantis-Chef Carl-Stephan Matti hat eine neue Einnahmequelle entdeckt. Besucher müssen nun einen Euro Schrankgebühr und einen Euro Toilettengebühr bezahlen. „Wir machen das jetzt wie Ryan-Air“, sagt der Bäder-Chef. Damit keiner der Badegäste aus Geiz ins Becken pinkelt, werden Übeltäter durch einen chemischen Zusatz im Wasser sofort überführt. „An den Tatorten färbt sich das Wasser sofort rot“, erklärt Matti. Und die Ertappten müssen 50 Euro Strafe zahlen.

Februar

Die verschmähten Narren haben sich heimlich einen Nachschlüssel für das Rathaus besorgt. Nach dem Umzug besetzt der komplette Zug (sechs Personen, ein Hund) das Büro von Oberbürgermeister Gerd Schwandner. Der bekommt davon nicht viel mit – er ist in geheimer China-Mission unterwegs.

Seit Wochen hat der Winter Oldenburg im Griff. Doch als es taut, wird das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar. Fast alle Straße bestehen nur noch aus Schlaglöchern. Die Stadt lässt als Sicherungsmaßnahmen sofort die Wilhelmshavener und Bremer Heerstraße sowie Teile der Alexanderstraße sperren. Im Rest Oldenburgs herrscht fortan Dauerstau.

März

Ende März ist die Grünkohl-Saison zwar eigentlich längst vorbei. Trotzdem treffen sich 200 geladene Gäste bei lauen 22 Grad Frühjahrswärme zum Essen in Berlin. Kohlkönig zu Guttenberg kündigt an, ganz viel für Oldenburg zu tun. So werde auf dem Fliegerhorst Kohl angebaut, welcher fortan zum festen Menüplan der Soldaten in Afghanistan gehört.

Stadtsprecher Marco Sagurna, der das Rathaus zum 31. März verlässt, nutzt das Kohlessen, um zünftig seinen Ausstand zu feiern. Allerdings lässt er sich jedes Bier ordentlich in Rechnung stellen. „Schließlich ist das ja keine Silberhochzeit“, neckt er den ehemaligen Kurfürsten KarlHeinz Funke.

April

Oberbürgermeister Gerd Schwandner stellt seinen neuen Stadtsprecher vor. Es ist Frank-Egon Pantel. Da ihn niemand als Stadtbaurat wiederwählen mag, will er nun im Presseamt Gas geben. In seiner ersten Pressemitteilung preist er die „gewaltige Strahlkraft des Heiligengeist-Boulevards“.

Mai

Direkt an dem Pantel-Boulevard stürzt das erste Broweleit-Haus ein. Da die NWZ dies schon für 2009 prognostiziert hatte, sieht sich der Neu-Pressesprecher in seinem Vorurteil über Journalisten bestätigt. „Die bauschen immer alles auf.“ Zumal man nach dem Einsturz des Hauses jetzt erst so richtig seine Boulevard-Vision erkennen könne.

Juni

Neben der Weser-Ems-Halle jubeln 30 000 Menschen beim Public Viewing über die deutschen Siege bei der WM. Organisator Helmut Jordan muss mit jedem Spiel mehr Besucher abweisen. „Wir haben einfach nicht genug Platz.“ Um das Problem zu lösen, spielt in den Pausen Straßenmusiker Waldemar. Das sorgt dann schon für einige Lücken auf den Rängen.

Die Baskets haben die Titelverteidigung knapp verpasst. Trotzdem lädt die Stadt nach einer tollen Saison wieder zum Empfang ein. Nach dem Schnittchen-Streit vom Vorjahr gibt OB-Büroleiterin Andrea Reschke diesmal Essensmarken aus – für zwei Schnittchen pro Ratsmitglied. Tage später kommen Gerüchte auf, Ratsfrau Jutta Bohne sei während des Empfangs am Kopierer gesichtet worden....

Juli

Nach einer längeren Hitzewelle öffnet endlich das Olantis-Freibad. Allerdings kündigt Bäderchef Matti für Anfang August bereits das Ende der Freibad-Saison an. „Dann sind die Ferien vorbei, und die Schüler sollen lieber nachmittags lernen als zum Sozialtarif das Bad zu überfüllen.“

Aus den Hallen der ehemaligen Waschmaschinenmotorfabrik ACC am Alten Postweg dröhnt es unheimlich. Vor dem Tor wimmelt ein dauerlächelnder OB Schwandner alle Fragen ab. Am Ende lässt er die Katze dann doch aus dem Sack: Endlich hat er die erste chinesische Investition in Oldenburg verwirklicht. Mit Mitteln aus dem Sanierungsvorhaben Kreyenbrück-Süd realisieren die Chinesen hier ein Versandzentrum für in Europa ausgespähte Patente.

August

Bis zur nächsten Kommunalwahl ist es zwar noch lange hin. Die SPD beschließt aber schon jetzt, in den Wahlkampf zu ziehen. Zuerst allerdings gilt es, einen Spitzenkandidaten zu küren. Das soll nicht mehr in Kungelrunden entschieden werden. „Wir wollen, dass der Stärkste sich durchsetzt“, sagt die Ex-Bundestagsabgeordnete Gesine Multhaupt. Und so finden auf dem Rathausmarkt öffentliche Säbelkämpfe statt. Ins Finale schaffen es die beiden SPD-Granden Rainer Zietlow und Bernd Bischoff. Als nach zweistündigem Kampf noch keiner gesiegt hat, verkünden die beiden: „Wir treten als Troika an.“

September

Es ist mal wieder Filmfest. Und völlig überraschend haben Brad Pitt und Sophie Marceau mal wieder in letzter Minute abgesagt. Als „sensationelle“ Stargäste begrüßt Filmfest-Chef Torsten Neumann dafür Boris MacAllen und Annie Smith. Bei Google gibt es immerhin für MacAllen drei Einträge als Tiersitter von Flipper. Die Kinos sind trotzdem voll. Denn Neumann zeigt eine Raubkopie von „Schlaflos in Oldenburg“. Der NDR weigert sich nämlich weiter, den in Oldenburg gedrehten Film mit Susanne von Borzody und Hannes Jaenicke im Fernsehen auszustrahlen. Und so können sich alle 700 Statisten immerhin noch einige Male im Kino ihre Kurzauftritte ansehen.

Oktober

In Oldenburg werden nun auch Umweltzonen eingerichtet. Alle Autos, die keine gelbe oder grüne Plakette haben, dürfen nicht mehr in die Innenstadt. Folge: Auch 90 Prozent der Oldenburger Taxen müssen draußen bleiben. Am Bahnhof gibt es regelmäßig Raufereien um die wenigen Fahrzeuge. Der OB heuert in China kurzfristig Rikscha-Fahrer an, die den Engpass ausfüllen sollen.

November

Die Oldenburger Delega-tion auf den Promotie-Dagen in Groningen ist diesmal so groß, dass der Oldenburg-Plein die Grenzen des Veranstaltungsorts Martini Plaza sprengt. Die Firmen der Baukompetenz Oldenburg erhalten prompt von der Groninger Stadtregierung den Auftrag für einen Erweiterungsbau.

Dezember

Die letzten Monate sind nicht spurlos an Silke Meyn vorbeigegangen. Mehr als Trostpreise hat kein Los bisher gebracht. Doch am 15. Dezember dann die freudige Überraschung: Die Stadt gewinnt 800 000 Euro. Sofort stellt die Fraktion der Linken einen Antrag, das Geld als „Weihnachtsausschüttung“ an die Also zu verteilen.

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