Wildeshausen /Vechta Die Lage ist misslich: Nachdem der Personaldienstleister LOZ aus Vechta Ende Oktober Insolvenz angemeldet hat, stehen die rund 60 Mitarbeiter, die zum Teil auch bei der Wildeshauser Hähnchenschlachterei Kreienkamp eingesetzt waren, finanziell im Regen. Für September haben sie nur einen Abschlag erhalten, für Oktober gar nichts. Erst im November konnten sie sich eine neue Stelle suchen.

„Es ist tragisch: Die Leute arbeiten den ganzen Tag wirklich hart, leben aber dennoch von der Hand in den Mund“, kritisiert Linda Vietor, der sich einige Betroffene bei der Sozialberatung anvertraut haben. „Zum Teil haben sich die Männer überall verschulden müssen, um die vergangenen Wochen zu überstehen“, berichtet Vietor. Wenn jetzt wieder Geld fließe, gehe das sofort in die alten Verbindlichkeiten.

Vertrackte Lage

Dass die Lage für die Betroffenen vertrackt ist, bestätigen auch die vorläufigen Insolvenzverwalter und Rechtsanwälte Christina Keane und Michael Klimczak aus Bremen. Ansprüche auf Insolvenzgeld für die vergangenen drei Monate seitens der Arbeitsagentur gibt es erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens bzw. wenn das Verfahren mangels Masse abgewiesen wird. Mit der Fertigstellung des dafür erforderlichen Gutachtens rechnet Keane erst in circa vier Wochen.

Prinzipiell könnten die vorläufigen Insolvenzverwalter auch eine Vorfinanzierung über ein Kreditinstitut anstreben. Dafür ist aber eine positive Prognose nötig, dass zumindest einige Arbeitsplätze erhalten bleiben. Das ist im Fall LOZ nicht gegeben, weil der Betrieb bereits eingestellt ist.

Auch beim Beantragen von Überbrückungsgeld beim zuständigen Sozialamt ist viel Geduld nötig, da die Bedürftigen Schlange stehen.

Abrechnungen zu spät

Und noch ein vierter Ausweg ist den Betroffenen verstellt: „Mit einer Bescheinigung von uns könnten die Betroffenen ihren Dispo-Kredit ausweiten, aber die konnten wir bisher leider noch nicht ausstellen, weil uns die Gehaltsabrechnungen von LOZ fehlten“, bedauert Keane.

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Das empfindet LOZ-Geschäftsführer Josef de Grandi als ungerechten Vorwurf. „Für die Leute ist das natürlich nicht einfach, aber wir tun, was wir können“, beteuert er. Um die Abrechnungen erstellen zu können, habe man erst wieder das nötige Programm kaufen müssen und die bereits entlassenen Abrechnungsmitarbeiter unentgeltlich mit dieser Aufgabe betreuen müssen. Selbst die Frage, wer das Porto zahle, sei bei einer Insolvenz schwer zu beantworten. Mit gemeinsamer Anstrengung seien die Abrechnungen Mitte des Monats jedoch rausgegangen und lägen jetzt endlich beim vorläufigen Insolvenzverwalter.

15 der ehemaligen LOZ-Mitarbeiter hat der Wildeshauser Schlachtereiunternehmer Walter Kreienborg inzwischen fest angestellt. Die aktuelle Misere der Betroffenen empfindet auch er als unglücklich: „Wir haben unsere Zahlungen an LOZ bis zuletzt geleistet. Das ist natürlich leider nicht alles bei den Arbeitern angekommen.“

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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