Wildeshausen Die Firma Geestland Putenspezialitäten in Wildeshausen will weiterhin Integrationsprojekte in der Stadt finanziell unterstützen. Das signalisierte Geschäftsführer Norbert Deeken (53) bei einem Gespräch mit Ratsvertretern, Bürgermeister Jens Kuraschinski, dem Ersten Kreisrat Christian Wolf, der Integrationsbeauftragten Ute Frankenfeld und Unternehmern. Geestland hat bislang 50 000 Euro für die Integrationsarbeit überwiesen. Davon wurden unter anderem Sprachförderung und Hausaufgabenbetreuung für Kinder der Wallschule bezahlt.

Fakten zu Geestland in Wildeshausen

Geestland gehört zur PHW-Gruppe, ist aber rechtlich selbstständig. Anteilseigner sind die PHW-Gruppe, die Mastputenbrüterei Ahlhorn und GS Agri. Der Jahresumsatz liegt bei 310 Millionen Euro, so Geschäftsführer Norbert Deeken. Geestland beschäftigt am Standort Wildeshausen 1050 Mitarbeiter, davon seien etwa 750 Beschäftigte über die zwei Dienstleister KJ-Dienstleistung (Wildeshausen) und SO-Dienstleistungs-GmbH (Vechta) in der Firma tätig.

Rund 35 000 Puten werden pro Tag im Zwei-Schicht-Betrieb geschlachtet und verarbeitet. Das entspreche bis zu 500 Tonnen Fleisch pro Tag. Geestland liefere zudem „alles von der Pute“ an namhafte Geflügelhersteller, darunter auch an Rügenwalder oder Meica.

Wildeshausen profitiert von Steuereinnahmen. Das Lohnsteuervolumen liegt insgesamt bei 2,5 Mio. Euro im Jahr. Die Höhe der Gewerbesteuerzahlungen nannte Deeken allerdings nicht. In den vergangenen zehn Jahren habe Geestland 10 Mio. Euro am Standort investiert. Es gebe eine vertragliche Partnerschaft mit 300 bäuerlichen Familienbetrieben; davon 80 Prozent aus der Region. Etwa 25 Zulieferbetriebe aus dem Landkreis profitieren von Geestland-Aufträgen. Der Kaufkraftzufluss von etwa 550 Geestland-Mitarbeitern für Handel, Handwerk und Dienstleister liege bei rund 2,5 Mio. Euro pro Jahr.

Um Themen wie Integration und die Situation der Mitarbeiter in den Schlachtereien, insbesondere aus Bulgarien, zu besprechen, hat die Stadt einen Runden Tisch ins Leben gerufen. Daran sitzen auch Firmenvertreter. „Es ist wichtig, dass wir den Dialog pflegen“, so CDU-Fraktionschef Wolfgang Sasse, der zu dem Informationsaustausch am Freitag bei Geestland eingeladen hatte. Stark engagiert bei dem Thema sind auch Kreszentia Flauger (Linke) und Matthias Kluck (SPD), der sogar schon in dem Betrieb hospitiert hat.

Wie sieht die Situation der Mitarbeiter aus ?

Von den 1050 Mitarbeitern sind 750 als Werkvertragsarbeiter beschäftigt. Rund 90 Prozent dieser Gruppe stamme aus Bulgarien. Für sie gelte der deutsche Arbeits- und Kündigungsschutz. „Es gibt kein Hire und Fire“, betonte Deeken. Geestland zahle einen Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde. Etwa 60 Prozent der Beschäftigten erhielten mehr als 10 Euro pro Stunde. Es würden Zuschläge für Nachtarbeit und Überstunden gezahlt; zudem gebe es keine Abzüge für Werkzeuge. Etwa 400 Mitarbeiter seien schon mehr als vier Jahre bei Geestland tätig; etwa 150 schon länger als sieben Jahre.

Warum Beschäftigung über den Werkvertrag?

„Ohne ausländische Mitarbeiter würden viele Betriebe nicht mehr funktionieren“, so Deeken. Das betreffe Branchen wie Gastronomie, Pflege und Nahrungsmittelindustrie. Die Akquise von Mitarbeitern im Ausland erfordere Spezialisten, die sich vor Ort auskennen und eine professionelle Rundum-Versorgung, auch in Sachen Unterkunft, gewährleisten. Die Firmen, die Werkvertragsmitarbeiter beschäftigen, seien „absolut seriös“, betonte Deeken. Oft würden Werkvertragsarbeiter sogar besser bezahlt.

Integrationsbeauftragte Ute Frankenfeld und Dr. Volker Pickart (MIT) hakten nach, warum Geestland diese Mitarbeiter nicht selbst beschäftige. Deeken zufolge habe die Firma bereits 40 Kräfte für die Kommissionierung der Waren übernommen. Mit Interesse blicke er nach Garrel (Kreis Cloppenburg), wo die Goldschmaus Gruppe ihre Werkvertragsarbeiter in Festanstellung übernommen hat.

Wie ist es um die
Wohnsituation bestellt
?

Wildeshausen hat knapp 20 000 Einwohner, davon 1459 Bulgaren. Etwa 500 SO-Mitarbeiter wohnen in Wildeshausen, 53 sind bei Geestland beschäftigt. Von den rund 750 SO-Mitarbeitern bei Geestland wohnen 563 in Privatwohnungen, 193 sind in Wohnungen des Dienstleisters SO untergebracht. Es gibt eine Großunterkunft in einer ehemaligen Kaserne in Wagenfeld (Kreis Diepholz). Dort wohnen 169 Werkvertragsarbeiter. Die Großunterkünfte stünden unter ständiger Kontrolle, so der Geestland-Manager. Kreisrat Wolf hätte sich mehr Transparenz, etwa bei der Quadratmeterzahl, gewünscht.

Was machen Politik
und Verwaltung
?

Das Ibis-Institutaus Duisburg wird die Stadt Wildeshausen in den nächsten Monaten bei der Erarbeitung eines Integrationskonzepts begleiten sowie bei der Akquise von Fördermitteln mithelfen. Auch Bürgerinnen und Bürger können sich einbringen. Eine Steuerungsgruppe des Kreises befasst sich ebenfalls mit dem Thema. Kuraschinski, der dem Gremium angehört, kündigte ein Verfahren an, um frühzeitig die Bedürfnisse der Migranten, etwa bei der Sprachförderung, abzufragen. Jens-Peter Hennken (CDW) lobte die Initiative der Firma Geestland. „Ich erhoffe mir eine Signalwirkung für andere Arbeitgeber.“ Wolfgang Däubler (UWG) und Klaus Schultze (Grüne) wiesen auf den weiteren Zuzug ausländischer Familien hin, das erfordere neue Integrationsbemühungen. Sasse sagte, die Politik sei gut beraten, mit den Firmen am Runden Tisch offen die Themen zu besprechen.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.