Wildeshausen /Weyhe Der grüne Wildeshauser Bürgerbus fährt zwischen Wiesen und Bäumen durchs Bild. Eine Aufnahme, die schnell gemacht ist? „Ich glaube, wir haben die Szene 20-mal gedreht“, sagt Stefan Bendrien und lacht beim Blick auf den Bildschirm. Der Mitarbeiter des Zweckverbands Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN), der dort Ansprechpartner für den Bürgerbus ist, guckt Wolfgang Wortmann über die Schulter. Der Dokumentarfilmer sitzt in seinem Büro in Weyhe und schneidet den neuen, gut 17-minütigen Film über den Bürgerbus zusammen – mit Wildeshausen in der Hauptrolle.

Tante Bürgerbus

Mal sei der Bus zu schnell gefahren, mal habe das Licht nicht gestimmt, erinnern sich Wortmann und Bendrien amüsiert an den Drehtag zurück. Wie kam es zu der Produktion?

Vor elf Jahren hatte Wortmann den rund 15-minütigen Film „Das Prinzip Bürgerbus“ am Beispiel Weyhe gedreht. In Niedersachsen gibt es 64 Bürgerbusvereine, davon 23 im Gebiet des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen, deutschlandweit mehr als 400. Aber die Bürgerbusse brauchen Fahrer. Deshalb hat der ZVBN vor gut einem Jahr die Idee zu einem neuen Film entwickelt – und Wortmann kam wieder ins Spiel.

Das Paradoxe, das laut Bendrien seit einigen Jahren herrscht: Der Pool der möglichen, ehrenamtlichen Fahrer wächst – aber diese zu finden wird nicht leichter. Zudem seien es vor allem Männer, die am Steuer säßen. Im Gegensatz zu Wildeshausen: Dort gebe es vergleichsweise mehr Frauen als in anderen Bürgerbusvereinen. „Im Normalfall sollte man 20 Fahrer haben.“ In Wildeshausen gibt es 18 ehrenamtliche Fahrerinnen und Fahrer (Stand Dezember).

Als eine der Protagonistinnen kam Bendrien sofort Bärbel Mack in den Sinn: Er kennt die 74-jährige Wildeshauserin persönlich. „Ich habe mich gefreut und spontan ja gesagt, als ich gefragt wurde“, erzählt Mack, die in der Kreisstadt als „Tante Bürgerbus“ bekannt geworden ist. Mack kennt sich in den Straßen aus: Am 28. Juli fährt sie seit neun Jahren den Bürgerbus. „Man hat Verantwortung – und es macht Spaß.“

Vor der Kamera wird „Tante Bürgerbus“ als eine von mehreren Fahrern vorgestellt. Der Dreh habe ihr viel Spaß gemacht. Der Film solle authentisch sein, deshalb habe sie so gesprochen, wie ihr der Schnabel gewachsen sei. Eine Haltung, die bei Stefan Bendrien gut ankam: „Ich bin restlos begeistert, sie erzählt ganz natürlich – im nächsten Leben wird sie als Weltschauspielerin wiedergeboren“, schwärmt er.

Allzu viel möchten er und Wortmann über den Inhalt noch nicht erzählen – „spoilern“, wie man heutzutage sagen würde. Aber Bendrien verrät schon einmal, wer neben Bärbel Mack zu Wort kommt: Harald Wrede (Geschäftsführer der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE)), Richard Eckermann (Wirtschafts- und Verkehrsministerium), Bürgermeister Jens Kuraschinski, die Wildeshauser Bürgerbus-Vereinsvorsitzende Renate Hocke sowie Bendrien selbst.

Mindestens 15 Drehtage hatten sie, schätzt Bendrien. Wortmann war mit zwei Kameras vor Ort, drehte pro Tag für maximal vier Stunden. Auch Fahrgäste waren beim Dreh dabei – der Film soll nämlich so authentisch wie möglich sein. „Zu Spitzenzeiten waren wir acht, neun Leute“, schätzt Wortmann. Mit dem Schneiden fing er immer einen Tag später an. „Ich habe immer gedreht, geschnitten, gedreht, geschnitten.“ Die „Einzelteile“ fügt er zurzeit noch am Computer zusammen. Ton und Bild hat der Weyher dabei immer im Blick: Mit zwei Bildschirmen und zwei neben den Bildschirmen platzierten Musikboxen.

Die zusätzliche Vertonung übernimmt der Dokumentarfilmer, der 20 Jahre sowohl für Hörfunk als auch fürs Fernsehen gearbeitet hatte, selbst. Das Sprechen hat er gelernt – das Filmen und Schneiden erlernte er mit der Zeit. „Ich wusste damals, welche Bilder gebraucht werden, aber nicht, wie man sie macht.“ In seiner Wohnung richtete er sich eine kleine Sprecherkabine ein, mit passendem Mikrofon und gedämmten Wänden. Dort spricht er den Text für den Bürgerbusfilm ein. An die Sprecherkabine dürfe keine Wand nach außen grenzen – sonst wären Geräusche von draußen zu hören. Lediglich, wenn ein Zug über die nahegelenden Bahnschienen rollt, müsse er unterbrechen.

Premiere am 2. März

Das Ergebnis wird in einer nichtöffentlichen Premiere am 2. März im Wildeshauser Lili-Servicekino gezeigt. Danach kann der Film auf der Internetseite des ZVBN (www.zvbn.de) aufgerufen werden. Bärbel Mack freut sich auf die Premiere. Zusammen mit Renate Hocke durfte sie einen Teil des Films sehen. So viel sei verraten: Die Protagonistin ist zufrieden.

Verena Sieling Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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