Wildeshausen Die Aldruper Firma Agrarfrost ist der größte deutsche Kartoffelverarbeiter. „Wir produzieren die Hälfte des deutschen Bedarfs“, erläuterte dementsprechend selbstbewusst Geschäftsführer David Krause am Donnerstag beim Besuch des Arbeitskreises „Landwirtschaft“ der CDU-Landtagsfraktion. Der hatte sich anlässlich der Aktionswoche „Leuchttürme der Lebensmittelproduktion in Niedersachsen“ mit hiesigen CDU-Politikern auf den Weg ins kleine Aldrup gemacht.

Wie Krause weiter erläuterte, umfasst die Produktion vier Bereiche: das Hauptprodukt Pommes frites, Kartoffelflocken, die zum Beispiel in die Pringles-Produktion fließen, Spezialitäten wie Bratkartoffeln und Chips. Jährlich werden 550 000 Tonnen Kartoffeln verarbeitet, davon 350 000 Tonnen von 480 Mitarbeitern am Stammsitz in Aldrup und 200 000 Tonnen von 230 Mitarbeitern in Oschersleben bei Magdeburg.

Matthias Kehl, Geschäftsführer der ES-Agrarbetriebe, erläuterte anschließend das integrierte Kartoffelanbausystem, das auf einer vor rund 40 Jahren von hiesigen Landwirten gegründeten Erzeugergemeinschaft basiert. Inzwischen kommen die circa 200 Vertragslandwirte nicht nur aus der Wildeshauser Geest, sondern auch aus der Magdeburger Börde, dem Raum Hannover und Rheinland-Pfalz. Saat und Aufzucht erfolgen in sogenannten Gesundlagen an Nord- und Ostsee.

Beeindruckt von diesen Zahlen zeigten sich die Mitglieder des Arbeitskreises. Am hiesigen Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Bley war es, Grüße an die Gründerfamilie Stöver auszurichten, speziell an „Reinhold, der damals noch selbst die Kartoffeln geschält hat“. Das war 1967. Heute – 50 Jahre später – hat das Unternehmen mit Herausforderungen zu kämpfen, die sich damals wohl niemand hätte träumen lassen.

Da wären zum einen die Exporthemmnisse. 50 Prozent beträgt der Exportanteil bei Agrarfrost, außerhalb der EU knapp 20 Prozent. Das zu halten, dürfte schwierig sein, denn zum Beispiel hat Brasilien jetzt einen Strafzoll von 39,7 Prozent auf die Agrarfrost-Pommes verhängt. Ähnliches droht schon bald in Kolumbien. Auch hier verlangen die heimischen Kartoffelverarbeiter von der Regierung Schutz vor der Konkurrenz.

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Zum anderen treibt die Agrarfrostgruppe die Energieproblematik um. „Wir verbrauchen soviel Energie wie eine deutsche Durchschnittsgemeinde mit all ihren Haushalten zusammen“, machte Krause die Größenordnung deutlich. Strom wird nur aus erneuerbaren Energien bezogen, und der spezifische Energieverbrauch konnte in den vergangenen fünf Jahren um knapp 20 Prozent gesenkt werden. „Dennoch sind die laufenden Gesetzesänderungen mit ihrer kaum mehr zu beherrschenden Dynamik sowie die fehlende Planungssicherheit erhebliche Herausforderungen“, kritisierte der Geschäftsführer.

Diesbezüglich versprachen die CDU-Politiker am Ball zu bleiben. Da ist es gut zu wissen, dass zumindest Brexit-Ängste die Aldruper nicht umtreiben. „Der Anteil, den wir nach England liefern, ist nur bescheiden“, beantwortete Krause eine Frage des Arbeitskreis-Sprechers Helmut Dammann-Tamke.

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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