Wildeshausen Wildeshausen blüht auf: Neue Blühstreifen hat der städtische Bauhof im Frühjahr angelegt. Jetzt im Spätsommer ist die ganze Pracht zu sehen. Vor allem auf zwei Flächen ist Bauhofleiter Jörg Kramer besonders stolz: Eine liegt in den Marschwiesen, eine zweite am Hunteweg an der Gabelung zur Eichendorffstraße. Auch viele Verkehrsinseln in der Kreisstadt sind insektenfreundlich gestaltet.

Damit nicht genug: Auf eine Erfolgsgeschichte kann die heimische Jägerschaft in Zusammenarbeit mit den Landwirten blicken. Rund 2,9 Quadratkilometer (oder 290 Hektar) Blühstreifen haben die Bauern im Landkreis Oldenburg gemeinsam mit den Jägern angelegt. Im Vorjahr waren es noch rund 180 Hektar, wie Dr. Josef Kuhlmann, Leiter des Biotop-Fonds der Jägerschaft Oldenburg/Delmenhorst, auf Anfrage dieser Zeitung sagte. „Das zeigt, dass die Landwirte bereit sind, viel für den Umweltschutz zu tun.“ Bauern stellen die Flächen unentgeltlich zur Verfügung und müssen teilweise mit einem finanziellen Ausfall von 800 Euro pro Hektar jährlich rechnen.

Die blühenden Pflanzen böten eine wertvolle Tracht für Bienen und Hummeln. Den Jägern gehe es aber nicht nur um Insekten-, sondern auch um Wildtierschutz. Daher seien viele Blühstreifen abseits der Verkehrswege angelegt worden und fielen nicht so ins Auge.

Das Saatgut, eine Mischung aus 21 Arten, stelle der Biotop-Fonds der Jägerschaft den Landwirten kostenlos zur Verfügung. In der Regel würden 15 Kilogramm pro Hektar benötigt. Der Preis schwanke je nach Mischung und Hersteller zwischen 100 und 150 Euro pro Hektar. Im Ranking der Gemeinden im Landkreis Oldenburg liege die Samtgemeinde Harpstedt mit mehr als 50 Hektar Blühstreifen ganz vorn. „Das hängt wohl auch mit der Größe der Samtgemeinde zusammen“, sagte Kuhlmann. In Hatten hat der örtliche Hegering in diesem Jahr 40 Hektar Blühstreifen angelegt. Wardenburg liegt auf Platz 3 mit mehr als 30 Hektar. Experten der Leuphana Universität Lüneburg untersuchen derzeit auf drei Flächen in den Kreisen Oldenburg und Ammerland, wie sich die Auswahl bestimmter Saatmischungen auf den Wildbienenbestand auswirkt.

Neben dem Engagement von Landvolk und Jägerschaft würdigte Kuhlmann auch lokale Initiativen: So gibt es in mehreren Gemeinden Patenschaften für Blühstreifen. Der Nabu habe beispielsweise im Frühjahr Samentüten der „Hatter Bienenweide“ verteilt und Gartenbesitzern Blühstauden angeboten. In Wildeshausen sind die Samentütchen mit der Mischung „Wilde Wiese“, die in der Tourist-Information am Marktplatz erhältlich sind, der Renner.

Auf rund zehn Prozent der Blühstreifen-Flächen im Landkreis Oldenburg wurden mehrjährige Saatmischungen ausgebracht. „In Sachen Mehrjährigkeit gibt es noch Nachholbedarf“, räumte Kuhlmann, hauptberuflich Leiter der Fachgruppe Pflanzen bei der Landwirtschaftskammer, ein. Landwirte würden sich damit auch noch etwas schwertun, weil mehrjährige Blühstreifen ein Eingriff in die Fruchtfolge bei der Feldbewirtschaftung seien. Die veränderten Antragsmodalitäten der EU-Förderrichtlinie brächten aber erhebliche Erleichterungen für mehrjährige Blühstreifen mit sich.


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Stefan Idel Redaktionsleitung / Redaktion Wildeshausen
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