Wildeshausen Wildeshauser Bürger mischen sich ein: Im Reitersaal der „Gildestube“ wurde am Donnerstagabend die Interessengemeinschaft (IG) „Naherholungsgebiet Himmelsthür“ ins Leben gerufen. Ihr Hauptziel: der Erhalt des Baumbestandes auf dem Gelände der Diakonie. „Wir möchten an der weiteren Gestaltung der Umgebung durch die Stadt und die Einrichtung „Himmelsthür“ mitwirken und erwarten eine größtmögliche Offenheit aller Beteiligten“, heißt es in einer Erklärung. „Einen Verkauf des Geländes an Investoren mit rein finanziellem Interesse lehnen wir ausdrücklich ab!“

Zum Hintergrund: Die Diakonie will im Rahmen der Inklusion zwar den Großteil ihrer ehemals 411 Bewohner dezentral unterbringen. Doch in der Nähe des sanierten Hauses „Herzogin Elisabeth“ sollen drei Häuser mit jeweils zwölf Zimmern für Menschen mit erhöhtem Assistenzbedarf erstellt werden. Dafür müsste ein Stück des Waldes in der Nähe des Zuschlagsweges gerodet werden.

Die von Anlieger Christoph Schneider moderierte Diskussion im mit 120 Interessenten proppenvollen Reitersaal verlief sachlich. Der mit acht Jahren jüngste Teilnehmer der Versammlung, Caspar Flohr, wünschte sich, dass er im Wald weiter spielen kann. Uta Barth von der IG betonte, es gebe überhaupt keinen Grund für die Rodung. Es seien ausreichend Freiflächen vorhanden. Das Hölscherholz und der Wald um die Diakonie-Einrichtung seien eine „grüne Oase“, die von Erholungsuchenden aus Nah und Fern geschätzt werde. Sie appellierte an die Stadt, den Antrag der Diakonie, der am 25. April im Fachausschuss beraten wird, abzulehnen.

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Rajabali Samadi erläuterte die Entwicklung des Areals seit dem Bau der einstigen Lungenheilstätte im Jahr 1907. Thomas Scherbaum zeigte anhand von Grafiken, wo die Gebäude gebaut werden sollen. Es dränge sich der Verdacht auf, dass die Diakonie das Gelände frei mache, um es an Investoren zu verkaufen, glaubte ein Redner. Der Bau von 36 Wohnungen sei vermutlich „erst der Anfang“. Ein Anlieger sprach gar von „Monopoly für Erwachsene“. Andere wiederum befürchteten eine Zunahme des Verkehrs, wenn die Dr.-Klingenberg-Straße und der Zuschlagsweg komplett für Pkw geöffnet würden. „Uns sind Natur und Menschen wichtig“, betonte eine Rednerin.

Jörg Arendt-Uhde, Regionalgeschäftsführer der Diakonie Himmelsthür, sagte größtmögliche Transparenz zu: „Wir haben nichts zu verheimlichen.“ Der Neubau müsse in der Nähe des „Elisabeth-Hauses“ entstehen, um den Mitarbeitern kurze Wege zu ermöglichen. „Ohne diese Nähe gibt es das Projekt nicht“, stellte er klar. Bei der Fläche sei die Diakonie nicht festgelegt. Die Häuser könnten auch weiter nördlich gebaut werden, so dass nicht großflächig abgeholzt werden müsse. Auch er schätze die Natur. Vehement widersprach Arendt-Uhde Behauptungen, es gebe bereits Zusagen an Investoren. Die planerische Entwicklung des Diakonie-Geländes sei Sache der Stadt. Am Ende des Konversionsprojektes der Diakonie im Jahr 2023 sollen lediglich noch 80 Menschen auf dem Gelände leben.

Anlieger zeigten sich enttäuscht, dass kein Vertreter der Stadt Rede und Antwort stand. Die Interessengemeinschaft will am Ball bleiben. „Wir hoffen, dass sich viele interessierte Bürger an der Initiative beteiligen“, sagte Uta Barth. Die IG setze sich für eine „behutsame Nachnutzung“ des Himmelsthür-Geländes ein. Unterschriftenlisten liegen bei Tabakwaren Axel Großmann, Huntestraße 19, sowie der Gilde-Buchhandlung und bei „Bökers am Markt“ aus. Eine Kontaktaufnahme ist auch per E-Mail unter „ingewiwa@mail.de“ möglich, Die nächste Versammlung wurde auf Mittwoch, 3. April, ab 19 Uhr im Reitersaal terminiert.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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