Wildeshausen /Amelhausen Karl-Heinz Wilkens kann es nicht fassen: „Guck Dir die kleinen Murmeln an“, sagt der Landwirt, als er mit bloßen Händen die Kartoffeln aus dem Erdwall holt. Auch Sohn Hendrik (30) schüttelt nur mit dem Kopf. Die Knollen auf diesem Feld in Amelhausen sind nicht einmal halb so groß wie im Vorjahr. Gar kein Vergleich zu jenen Kartoffeln mit Übergröße, die Wilkens aus dem Lager mitgebracht hat und ideal für die Pommes-Produktion wären.

Durch die anhaltende Trockenheit in diesem Sommer wird auch die Kartoffelernte 2018 in der Menge wie in der Qualität deutlich schlechter ausfallen als im Vorjahr. „Wir haben mancherorts 40 Prozent weniger Ertrag“, befürchtet Wilkens, zugleich Ortslandwirt in Huntlosen. Auf seiner schlechtesten Fläche habe er knapp zwölf Tonnen geerntet. „Normalerweise haben wir dort 50 Tonnen.“

Der Familienbetrieb Wilkens, unmittelbar an der Wildeshauser Stadtgrenze, baut auf gut 200 Hektar Kartoffeln an. Fast 80 Prozent der Flächen seien gepachtet. Weil die Äcker zum Teil weit auseinander liegen, sei eine Beregnung nicht möglich. „Das wäre aber eigentlich sinnvoll gewesen“, sagt der 61-jährige Bauer. Nun befürchtet er, dass bei der Ernte der Kartoffelroder viele Kluten zu Tage fördert. „Gegebenenfalls landen die mit im Lager.“

Die Kartoffelbauern hätten aber auch ein anderes Problem: Hallen und Scheunen seien teilweise noch zu warm, um Kartoffeln einlagern zu können. Vorausschauend hat der Betrieb Wilkens in eine neue, gut 20 mal 60 Meter große Halle investiert. Dort gibt es eine Kühlung. Die Erdfrüchte werden in der Halle in mehr als 2800 Kisten gelagert. Eine gefüllte Holzkiste wiegt gut 1,6 Tonnen. Sechs davon stehen übereinander. Noch ist reichlich Platz im Lager.

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Mit dramatischen Ernteausfällen aufgrund der Trockenheit rechnet der Bundesver­band der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK). Knollen in Übergrößen, die für die Produktion von Pommes frites benötigt werden, seien bereits jetzt auf zahlreichen Böden kaum oder gar nicht vorhanden. Weil Rohware knapp ist, rechnet BOGK-Geschäftsführer Horst-Peter Karos mit Versorgungsproblemen bei den gängigen Produkten wie Pommes. Karos riet aber dazu, zunächst einmal die Ernte abzuwarten.

Kartoffeln vom Hof Wilkens sind nur zum Teil für die Produktion von Püree oder Flocken bestimmt. Das Gros seiner Knollen geht in den freien Handel. Nahezu täglich bekommt Wilkens Anrufe von Händlern. Die Preise für Kartoffeln von hoher Qualität gehen an der Börse in die Höhe. Und eines kann der Landwirt bereits absehen: „Die Saatkartoffeln für nächstes Jahr werden teuer!“

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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