Wildeshausen Im Sommer sitzt man den ganzen Tag im Liegestuhl und bräunt. Im Winter kann man bei angenehmen Temperaturen am Beckenrand sitzen. Und wirklich viel passieren tut nicht. So in etwa lauten die gängigen Vorurteile über Schwimmmeister. Doch wie sieht der wirkliche Alltag im Bad aus? Redaktionsleiter Jasper Rittner machte eine Schicht im neuen Krandelbad mit.

„Sauberkeit! Sauberkeit ist ganz wichtig für uns“, sagt Badleiter Marcel Buller (29) und drückt mir erstmal einen Schrubber in die Hand. Die Badezeit für Schulklassen ist gerade vorüber. Um 15 Uhr beginnen die öffentlichen Schwimmzeiten. Und bis dahin muss alles wieder picobello aussehen. Dazu gehört auch die Schrankkontrolle. Hat jemand etwas vergessen? Liegt in den Duschen Müll? Sind die Seifen- und Handtuchspender aufgefüllt?

Nach 20 Minuten darf ich endlich in die Schwimmhalle. Doch dort geht es mit dem Aufräumen weiter. „Liegestühle ausrichten“, sagt Buller. Und ich stelle alles wieder so auf, dass es ansprechend ausschaut.

Dann darf ich endlich ins Wasser. Aber nur mit dem Arm bis zum Ellenbogen. Zwar wird die Wasseraufbereitung von einer hochmodernen Anlage automatisch gesteuert. Das Team um Marcel Buller muss dennoch mehrmals am Tag Wasserproben nehmen und analysieren. Stimmt der ph-Wert? Ist die Chlorkonzentration richtig?

Die Werte liegen im Rahmen. Doch das ist nicht die einzige Kontrolle, die ich machen darf. Mit meinem Chef und einem Laufzettel geht es in die Katakomben des nagelneuen Schwimmbads. Stimmen Wassertemperaturen? Sind die Filter okay? Was meldet die Elektrik? Wie steht es um den Chemikalienvorrat?

Bei letztem gibt es Handlungsbedarf. Das Flockungsmittel ist kurz vor Ultimo. Der 20-Liter-Kanister muss gewechselt werden. Dazu darf ich mir spezielle Gummihandschuhe und Schuhe anziehen. Dann eine Sicherheitsschürze und zum Schluss die Schutzbrille. Ich sehe eher aus wie ein Arbeiter in einer Chemie-Fabrik denn als Schwimmmeister-Gehilfe.

Der Kanister ist schnell gewechselt. Dann folgt die nächste Prüfung. Ist die Frischwasserzufuhr okay? Sie stammt noch vom alten Hallenbad. „Wir haben einen eigenen Brunnen“, sagt Stadtsprecher Hans Ufferfilge. Und die Anlage steht in einem Nachbargebäude. 50 Meter Fußmarsch bei null Grad in kurzer Hose.

Nach all den Kontrollen darf ich endlich in die Schwimmmeister-Kabine. Dort gibt es Internet, berichtet mir Buller. Allerdings nur zum Steuern der komplizierten High-Tech-Anlage, nicht zum surfen. Und der große Flachbildschirm zeigt auch nur die Einstellungen der Kameras aus – fast – allen Bereichen des Bades. Die Umkleidekabinen sind natürlich tabu. Aber Eingangsbereich und Gänge gehören ebenso dazu wie die beiden Becken. Die Kameras sorgen für Sicherheit. Schrankaufbrüche oder Belästigungen waren bisher im Krandelbad noch kein Thema.

Jenseits der offiziellen Kameras herrscht allerdings Fotoverbot. Das gilt auch für Handy. „In der Halle ist das nicht das große Thema“, sagt Buller. Aber im Freibad werde schon darauf geachtet, dass dort nicht heimlich gefilmt wird. „Wir haben auch das Recht, in Zweifelsfällen Handys zu kontrollieren und Aufnahmen zu löschen“, sagt der Badleiter.

Er hat noch im alten Wildeshauser Hallenbad gelernt, war dann viele Jahre in einer Großanlage in Bad Bederkesa für die Technik verantwortlich. Seit vergangenem Jahr ist er zurück – und mächtig stolz auf sein nagelneues, sieben Millionen Euro teures Bad. „Es ist ein Traum, wenn man gleich am Anfang mitgestalten kann. Sowas gibt es heute nur noch sehr selten.“

Ohnehin liebt er die Vielseitigkeit an seinem Beruf. „Ich bin Animateur, Kursleiter, Gärtner, Techniker, Handwerker, Personalchef und dann auch irgendwann Schwimmmeister“, sagt Buller. Die Gäste im Hallenbad seien meist pflegeleicht. In der Sommersaison in einem rappelvollen Freibad müsse man bisweilen auch mal durchgreifen.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den NWZ-Wirtschafts-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Das eigentliche Retten von Badegästen sei jedoch sehr selten. Dreimal habe er das in seinem Berufsleben machen müssen. Kaum hat er ausgesprochen, ruft jemand aus dem Schwimmerbecken um Hilfe. Eine Frau rudert mit den Armen. „Dann mal los“, macht Buller mir Beine. Ich laufe zum Becken, ziehe unterwegs das Schwimmmeister-Shirt aus und hechte ins Becken. Die hilflose Person ist Anna Rohner (20), Auszubildende im Bad. Ich muss sie aus dem Wasser holen und retten. Zum Glück nur eine Übung.

Dann ist meine Schicht auch schon vorbei. Und Buller fragt noch, ob ich auch den zweiten Wischdurchgang in den Kabinen gemacht habe. Klar, nur im Liegestuhl am Becken habe ich nicht eine Minute gesessen...

Jasper Rittner Redaktionsleitung / Redaktion Westerstede
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.