GANDERKESEE Eine Frauen-Stimme meldet sich ungefragt aus dem Off. „Im Moment sind hier die Bürgersteige hochgeklappt“, mischt sich die Kundin Mitte Vierzig ein, als sie sich gerade in der Umkleide-Kabine umzieht.

13.05 Uhr. In der Rathausstraße ist es in der Tat sehr ruhig. Kaum Verkehr und wenig Passanten in der Einkaufsstraße. Das Bild mit den hochgeklappten Bürgersteigen mag aber etwas übertrieben sein. Hier und da bummeln ein paar Kunden durch die geöffneten Geschäfte und nutzen die Mittagspause für einen kurzen Einkauf. „Für Berufstätige ist diese Uhrzeit oft die einzige Gelegenheit, um in Ruhe einzukaufen“, sagt Annika Wardenburg, Verkäuferin in der „Jeans Scheune“. Man merke, dass es kurz nach 13 Uhr in der Einkaufsstraße schlagartig ruhiger wird. „Dann ist die Schule zu Ende. Mütter und Väter müssen Zuhause sein“, weiß Annika Wardenburg.

13.15 Uhr. In den letzten 15 Minuten waren vier Kunden in der „Jeans Scheune“. Ferienzeit. Es ist heiß. „Die Leute brauchen jetzt etwas Leichtes zum Anziehen“, so die Verkäuferin.

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Die Kleider-Puppe im Schaufenster hat dieses Problem nicht – sie ist nackt. Angesichts der Hitze könnte man meinen, es handelt sich um eine Handlungsanweisung für das Wetter. „Sie bekommt gleich ein neues Sommer-Kleid“, sagt Annika Wardenburg.

13.26 Uhr. „Hallo Karin, musst du gar nicht arbeiten“, ruft eine Frau vor dem Restaurant Olympia. Auf der anderen Straßenseite dreht sich eine Frau um, fühlt sich sichtlich angesprochen. Sie geht über die Straße und umarmt die Bekannte.

13.31 Uhr. Am Stein-Brunnen neben der Apotheke sitzt eine Familie auf der Bank. Mutter, Vater, Tochter und Sohn lecken jeder an einer Kugel Erdbeer-Eis. „Fast wie Urlaub hier“, sagt Mutter Anja Schwan zufrieden. Ihr Urteil über die Rathausstraße fällt durchweg positiv aus.

Ihr Mann Rainer kommt gebürtig aus dem Ort. „Hier hat sich wahnsinnig viel getan. Die Straße ist gepflastert und es gibt Bänke und Grünanlagen“, findet er. Kein Vergleich zu früher, meint Rainer Schwan.

13.46 Uhr. Kurz vor Ende der Rathausstraße ist eine Baumaschine zu hören. Wie ein lauter Presslufthammer. Zwei Bauarbeiter versiegeln eine Backstein-Pflasterung auf der Wittekindstraße. Die Hitze macht ihnen offenbar zu schaffen. Unter ihrem orangefarbenen Overall tragen sie nur ein Unterhemd.

13.54 Uhr. Einer der beiden Männer lehnt sich an die laute Maschine, die unbeirrt weiter dröhnt und ruckelt. Seelenruhig greift er zu einer Schachtel Zigaretten und raucht.

In diesem Moment läuft ein junger Mann mit einem Stapel Briefen über die frischversiegelte Straßendecke. Der Teer ist noch heiß und klebt hörbar an seinem Schuhprofil. Die Bauarbeiter sagen nichts – sie haben Pause.

Felix Frerichs Nordenham / Redaktion Nordenham
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