Kirchhatten 300 Zuhörer im großen Saal des Hotels „Zum Deutschen Hause“, eine ungewöhnliche Expertendichte zu rechtlichen und technischen Aspekten der Windenergie, Vertreter des Investors (EWE) und mittendrin zwei Fachausschüsse des Hatter Gemeinderates: Der geplante Windpark an der Hatter Landstraße hat über drei Stunden lang Kommunalpolitiker und Bürger in einen Dialog treten lassen. Günter Osterloh, Bezirksvorsteher in Munderloh, macht stellvertretend für viele Bürger gleich zu Beginn der Fragestunde klar, „wir fordern kleinere Anlagen und größere Abstände zu unseren Wohnhäusern.“

Die Stellungnahmen der Experten sind für diejenigen, die den Windpark mit seinen geplanten 200-Meter-Windkraftanlagen ablehnen, allerdings größtenteils ernüchternd. Belästigungen durch (Infra-)Schall und Schattenwurf lassen sich aufs rechtlich zulässige Maß begrenzen, in der aktuellen Rechtsprechung spiele der Wertverlust von Grundstücken und Häusern keine Rolle, sagt Hans Meyer (Plankontor Oldenburg). Interessen des Naturschutzes würden durch die gefundenen Kompensationsmaßnahmen sehr gut gewahrt, so Dipl.-Biologe Volker Moritz.

Jurist hat keine Zweifel

Der auf Windenergiefragen spezialisierte Rechtsanwalt Jan Berghaus (Aurich) betont, aus juristischer Einschätzung gebe es auch nach den aktuellen Einwänden der Bürger keine Notwendigkeit, die vorliegende Planung zu ändern. Andererseits sei die Gemeinde nach einer Niederlage vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg gezwungen, der Windkraft breiteren Raum zu geben als beim alten Standort Plietenberg (nordwestlich Dingstedes) geschehen. Es gibt laut Berghaus, landespolitisch gewollt, nicht einmal mehr bindende Abstandsregeln für den Raum zwischen zwei Windparks.

Eva-Maria Langfermann, Leiterin des Baudezernats in der Kreisverwaltung und damit der Genehmigungsbehörde, betont, aus Sicht des Landkreises seien die Flächen an der Hatter Landstraße die geeignetsten.

Dennoch ist das laufende Verfahren keine Einbahnstraße. Der Hatter Gemeinderat könnte versuchen, zumindest die maximale Gesamthöhe der Anlagen auf 150 Meter in der Bauleitplanung zu begrenzen. Dies abwägungsfehlerfrei zu begründen, hält Rechtsanwalt Berghaus für „ambitioniert“, schließt ein Gelingen aber nicht grundsätzlich aus.

Ende des Bürgerparks

Dies wiederum hätte aber technische und finanzielle Konsequenzen. EWE-Projektleiter Klaus Gerken macht auf Nachfrage der Ausschussvorsitzenden Dr. Heike Burghardt deutlich, dass eine Höhenverringerung der Anlagen deutliche Wirtschaftlichkeitseinbußen des Projekts zur Folge hätte. Damit ließe sich das Konzept eines Bürgerwindparks nicht aufrechterhalten. Bislang ist beabsichtigt, dass für drei der acht Anlagen über die VR-Bank Oldenburg Land-West Beteiligungen möglich gemacht werden.

Beifall aus dem Publikum bekommt Gerd Rosenbohm, Vorsitzender des Munderloher Bürgervereins, für seine Aussage: „Uns kommt es auf die Gesundheit an. Unsere Interessen werden mit Füßen getreten.“

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Dr. Stephan Barth, Geschäftsführer von ForWind, dem Zentrum für Windenergieforschung der Universitäten Oldenburg, Hannover und Bremen, warnt vor dem Schluss, dass kleinere Anlagen automatisch zu weniger Lärm führten. Die von Anliegern gefürchteten roten Warnlichter werden bei kleineren Anlagen allerdings überflüssig.

Theoretisch könnte die Gemeinde Hatten, die bei der Planung von Sonderflächen für die Windenergie weit hinter anderen Landkreiskommunen hinterher hängt, sogar noch eine Vollbremsung hinlegen und den bestehenden Flächennutzungsplan aufheben. Sie müsste dann allerdings einen neuen aufstellen, um den Wildwuchs der „Spargel“ zu verhindern. Ob dadurch Entschädigungsansprüche an die EWE entständen, müsse im Einzelfall geklärt werden, so Rechtsanwalt Berghaus vorsichtig. „Wenn wir so handeln, kommt die nächste dicke Klage auf uns zu“, ist da Axel Brammer (SPD) eindeutiger.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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