Ganderkesee Wieder sind zwölf Monate vorüber – viel zu schnell für die meisten: „Wo ist das Jahr bloß geblieben?“, fragen sich viele. Doch auch wenn der Eindruck vorherrscht, die 366 Tage seien nur so vorbeigerauscht – es ist doch viel passiert in 2016. Die NWZ  fasst zusammen: Politik: Der Termin, auf den die Kommunalpolitik hingearbeitet hat, war der 11. September. Bei der Gemeinderatswahl in Ganderkesee machen die kleinen Parteien Schlagzeilen: Die Grünen verlieren zwei Mandate, FDP und Freie Wähler bekommen je eines dazu, Die Linke ist erstmals im Rat. Die Unabhängigen Wähler (UWG) gewinnen erst nach der Wahl, als sich der für die CDU gewählte Ratsherr Carsten Jesußek ihnen anschließt.

Gesellschaft: Eine Herkulesaufgabe ist und bleibt die Integration der Flüchtlinge. Mit 530 Asylbewerbern war Anfang April der Höchststand erreicht, danach entspannte sich die Situation. Die Notunterkunft in Bookholzberg konnte Ende Mai abgebaut werden, das Zelt im Ganderkeseer Stadion im Juli. Zwischenzeitlich zogen Flüchtlinge im Haus Cristina in Rethorn ein. Für Aufregung sorgten Belästigungen durch junge Flüchtlinge im Schulzentrum, die gerichtlich mit gemeinnütziger Arbeit geahndet wurden, und Schlägereien zwischen deutschen und ausländischen Jugendgruppen Ende Oktober.

Wirtschaft: Die Gewerbegebiete der Gemeinde wachsen: Ganderkesee-West ist zu zwei Dritteln ausgelastet, die Westtangente bedarf der Erweiterung. Erfolgreich sind aber auch Firmen an Einzelstandorten: Die Ganderkeseer Software-Schmiede Ascora etwa gehört zu den 50 am schnellsten gewachsenen IT-Firmen.

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Andersrum läuft es beim Ganderkeseer Maschinenbauer Hartwig: Das Unternehmen mit 20 Mitarbeitern ist Ende Mai insolvent. Die Zimmerei Schwarting in Schlutter hofft derweil auf eine übertragende Sanierung im Insolvenzverfahren. Grund zum Feiern hat eine andere Traditionsfirma: Die Spedition Dittmar begeht im August ihr 60-jähriges Bestehen.

Banken: Drei Gemeinden – eine Volksbank: Die Genossenschafts-Institute Ganderkesee-Hude und Bookholzberg-Lemwerder fusionierten zur Vereinigten Volksbank. Im Umzugsfieber befand sich die OLB: Den Standort Heide reduzierte sie auf eine SB-Filiale, in Ganderkesee siedelte sie sich im neuen Ärztehaus an. Auch die LzO in Ganderkesee kündigt die Aufgabe ihrer Filiale am Markt an, sie will gegenüber vom Famila-Markt neu bauen.

Entwicklung: Genau das ärgert Geschäfts-Inhaber: Durch den Famila-Umzug verlagert sich der Ortskern, Marktplatz und Rathausstraße veröden zusehends, Leerstände nehmen zu. In Elmeloh dagegen macht ein Markt-Neubau uneingeschränkt Freude: Am 11. Oktober eröffnet Netto.

Belebung soll in Ganderkesee die Marktplatz-Umgestaltung bringen. Im November wird ein Konzept verabschiedet, basierend auf dem Entwurf von Landschaftsgärtner Volker Kreye. Der Handel sorgt sich aber, dass der Autoverkehr verdrängt wird und Parkplätze fehlen werden.

Verkehr: Für den Verkehr wird an anderer Stelle viel getan – was ihn zugleich blockiert. Baustellen auf der A 28 sorgen im Herbst für verstopfte Landstraßen in der Gemeinde. Frust aufgebaut wird auch mit der monatelangen Sanierung der B 212 in Bookholzberg: Die Geschäfte sind für Kunden schwerer zu erreichen und die inoffizielle Umleitung „Übern Berg“ erzürnt die Anlieger. Als die Straße am 23. August freigegeben wird, freuen sich aber alle.

Geduld wird den Bookholzbergern ebenso am Bahnhof abverlangt. Lärmschutz-Installation und Bahnsteig-Sanierung ziehen sich hin und machen Krach – auch nachts. Anfang Dezember ist es endlich geschafft. Jetzt müssen nur noch die im Frühjahr eingeweihten Fahrradstationen an den Bahnhöfen besser angenommen werden.

Sehr gut angenommen wird der Bürgerbus. Zu gut sogar, denn die Linie 220 ist so stark ausgelastet, dass Weser-Ems-Bus sie für lukrativ erachtet und übernimmt. Der Bürgerbusverein hat aber eine neue Strecke: Die Linie 223 verbindet seit 12. Dezember den Norden und Nordosten der Gemeinde mit Ganderkesee und Delmenhorst.

Umwelt: Naturschutz und privatwirtschaftliche Interessen kollidieren gelegentlich: Am 25. Oktober wird das Hohenbökener Moor zum Landschaftsschutzgebiet erklärt – was Landwirte betrübt. Unterdessen warten die Investoren im Windpark Sannauer Helmer weiter auf die Gerichtsentscheidung zur Flugsicherheit, die den Baustart noch verhindert. Sie haben vorsorglich aber schon mal Pläne des Orts- und Verkehrsvereins Schönemoor zur Ansiedlung von Störchen verhindert, weil sie dadurch Auflagen (und Verluste) erwarten.

Gesundheit: Keine Verluste macht seit Jahren die Fachklinik für Orthopädie in Stenum. Die Bilanzen sind erfreulich, die Patientenzufriedenheit ist hoch, was dem Krankenhaus offiziell bescheinigt wird. Die im Januar bestellte Patientenbeauftragte Claudia Wendt hat wenig zu tun.

In Ganderkesee konzentriert sich die ärztliche Versorgung zunehmend in Zentren: Das neue Ärztehaus an der Grüppenbührener Straße und das Gesundheitszentrum im alten Aldi-Markt werden im Laufe des Jahres bezogen.

Negative Nachrichten liefert hingegen das Deutsche Rote Kreuz: Wegen falscher Abrechnungen kündigt der Landkreis dem DRK-Kreisverband den Rettungsdienstvertrag für Ganderkesee und Hude. Die Rettungswache Ganderkesee wird zum Jahreswechsel von den Maltesern übernommen.

Bildung: Veränderungen gibt es auch im Bildungswesen: An der Grundschule Lange Straße ersetzt René Jonker die langjährige Schulleiterin Rita Wieneke. Die regioVHS bekommt ebenfalls einen neuen Chef: Nach 35 Jahren geht Rolf Schütze Ende Juni in den Ruhestand, am 1. September macht sich sein Nachfolger Dr. Jens Kohne an die Arbeit.

Geduld ist indes am Gymnasium Ganderkesee gefordert: Der Erweiterungsbau mit fast 30 neuen Räumen feiert zwar im März Richtfest, wird übers Jahr aber noch nicht fertig.

Besser läuft es bei der Umweltbildung: Das RUZ in Hollen darf sein Vorzeigeprojekt „Wirf mich nicht weg“ im Juni sogar im Garten des Bundespräsidenten in Schloss Bellevue präsentieren.

Vereine: Turbulent geht es beim TSV Ganderkesee zu: Weil zur ohnehin bedenklichen Finanzlage noch eine Unterschlagung von Einnahmen im Vereinsheim-Bistro hinzukommt, muss Vorsitzender Uwe Vogel sich unbequemen Fragen stellen – am 19. Mai schmeißt er hin. Neuer Vereinschef wird Andreas Dietrich. TSV-Geschäftsführer Raphael Riekers erhält zu Ende September die Kündigung – ohne dass Gründe genannt werden.

Friedlicher geht der Kommandowechsel beim VfL Stenum vonstatten: Ingo Scholz übernimmt das Ruder von Hans Knese, der mehr als 40 Jahre im Vorstand aktiv war und zum Abschied noch einmal gefeiert wird.

Mit Lob überhäuft wird im Oktober in Ganderkesee auch der scheidende DRK-Kreisvorsitzende Gerold Sprung – das letzte halbe Amtsjahr hat ihm wegen des Abrechnungs-Skandals aber mächtig zugesetzt. Jetzt muss Ulrich Gamharter aus Hude den Karren aus dem Dreck ziehen.

In der gleichen Rolle sieht sich beim Ganderkeseer Tennisverein Patrick Jersch: Als einziges verbliebenes Vorstandsmitglied kämpft er um die Existenz des Vereins, nachdem Verpächter Carsten Weyhausen auf die Zahlung von jahrelang angehäuften Pachtrückständen in sechsstelliger Höhe pocht.

Technik: Sechs Jahrzehnte prägte der Fernsehturm Steinkimmen das Landschaftsbild im Westen der Gemeinde – jetzt hat er ausgedient, sein mit 280 Metern etwas kleinerer Nachfolger als Antennenträger steht schon neben ihm und soll im nächsten Jahr den Sendebetrieb übernehmen.

Ob es 2017 auch mit dem Bau der Stromtrasse Ganderkesee-St. Hülfe losgeht, blieb übers Jahr offen: Netzbetreiber Tennet hat den Baustart schon zweimal verschoben, um Gerichtsentscheidungen abzuwarten. Mal sehen, was das nächste Jahr bringt . . .

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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