Wüsting Alles im grünen Bereich? – Das sieht jeder anders. Und wenn es um die Landwirtschaft geht, dann gibt es dazu sehr unterschiedliche Auffassungen. „Ein Spannungsfeld, über das sich trefflich streiten lässt“, stellte denn auch Pastor Udo Dreyer im diesjährigen Landtage-Gottesdienst auf dem Hof Urban fest. Aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln wurde das Thema betrachtet.

Widersprüche

Bianca Junker und Sandra Steinemann diskutierten das widersprüchliche Verhalten der Verbraucher. Auf der einen Seite sei die Verlockung groß, günstig einzukaufen. Andererseits wolle man ein gutes Gewissen haben bei dem, was man esse. Aktuell griffen sie die Misere auf dem Milchmarkt auf. Es könne nicht angehen, dass die Discounter die Preise bestimmten und die Landwirte die Leidtragenden seien. Für die wenigen Cent pro Liter könne man doch nicht mehr melken.

„Die haben Angst um ihre Existenz.“ Und dann müssten die einzelnen Kühe immer mehr Milch geben und die Herden immer größer werden, damit überhaupt noch etwas übrig bleibe. Dieser Trend zur Massentierhaltung sei doch überhaupt nicht mehr im grünen Bereich.

Aber auch Bio sei nicht gleich Bio, hieß es. Wenn man zum Beispiel Bio-Kartoffeln aus der Ukraine kaufe, sei das wegen des weiten Transports wohl auch wenig sinnvoll.

„Es geht ja nicht nur um Bio oder konventionell. Wichtig ist auch, dass wir darauf gucken, was wir regional und saisonal einkaufen“, hieße es. Das stärke heimische Landwirte, „und wir tun der Umwelt sicherlich auch den größeren Gefallen“, zogen sie ihr Fazit. Der Verbraucher könne doch selbst bestimmen. Letztendlich habe er die Macht.

Mit Volker Kipping von der Hofgemeinschaft Grummers­ort kam im Gottesdienst ein Bio-Landwirt zu Wort. Im grünen Bereich sei für ihn, dass er bei seinen Kühen auf hohe Milchleistung verzichte, ihnen Weide und Heu als Futter gebe und aus der Milch leckeren Käse produziere. Nicht mehr im grünen Bereich sei es, wenn man die Kühe als Produktionsmaschinen ansehe. Überhaupt nicht im grünen Bereich sei es auch, wenn man zum Beispiel versuche, mit Hilfe von Chemie Pflanzenwachstum zu erzeugen.

Als Vertreter der konventionellen Landwirtschaft kam Wilfried Siems aus Oberhausen zu Wort. „Für mich ist alles im grünen Bereich, wenn ich als Landwirt bewusst mit und in der Natur arbeiten darf und das in meinem Rahmen Mögliche für meine Tiere tun kann“, sagte er. Schön sei es zu sehen, wenn sich durch moderne Boxenlaufställe und neueste Technik die Lebensbedingungen für seine Milchkühe gegenüber früher wesentlich verbessert hätten.

Siems: „Nicht im grünen Bereich ist für mich, wenn der Eindruck erweckt wird, die Landwirte verschmutzen Wasser, Luft und Boden und misshandeln durch nicht artgerechte Haltung ihre Tiere. Durch moderne Technik und neue Haltungsformen ist das Gegenteil der Fall.“

Einladung auf die Höfe

„Wir Landwirte laden alle Menschen ein, sich auf unseren Höfen über die heutige, moderne Landwirtschaft zu informieren“, sagte Siems.

Ein Fazit, das Pastor Dreyer am Schluss zog: „Auch als Konsumenten tragen wir Verantwortung für Natur und Umwelt.“ Der Verbraucher entscheide letztlich darüber mit, „was für eine Landwirtschaft wir wollen.“ Dafür müsse der Verbraucher bereit sein, mehr zu zahlen.

Zurzeit allerdings ist das meistens nicht der Fall, wie auch die beiden Frauen im einleitenden Dialog festgestellt hatten: „30 000 Euro für ein neues Auto können die Leute wohl ausgeben, aber acht statt sieben Euro für ein Kilo Schweinefilet sind schon zu viel.“

Klaus-Dieter Derke Hude / Redaktion Hude
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.