Wardenburg Reparateur Heinrich Hergenreider drückt erwartungsvoll den An-Schalter des blauen Miele-Staubsaugers; wochenlang hatte das Haushaltsgerät keinen Ton mehr von sich gegeben und jetzt: Das gewohnte Sauggeräusch ertönt. Besitzerin Ingrid Stapel klatscht vor Begeisterung in die Hände und umarmt ihren „Retter“. „Sie haben mich super glücklich gemacht“, sagt die Sandkrugerin. Immerhin hatte sie einst viel Geld für ihr Marken-Gerät bezahlt. Dass es bereits nach sechs Jahren seinen „Geist aufgeben“ wollte, kann Ingrid Stapel nicht so einfach akzeptieren. Aus diesem Grund besucht sie am Mittwochabend das Repair-Café an der Hardenbergstraße, das der Landkreis Oldenburg erstmals in Wardenburg anbietet.

Nur ein paar Handgriffe

Der Verein für Arbeit und Umwelt Wardenburg (VAUW) hat für diese Aktion seine Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. 22 Personen haben die Gelegenheit genutzt, um mit ehrenamtlichen Tüftlern „Ursachenforschung“ zu betreiben. „Die Resonanz fürs erste Mal ist gut“, freut sich Projektmanagerin Rebecca Remke

Beim Staubsauger von Ingrid Stapel fand sich die Ursache unter der Kabelrolle, wo sich ein Kontakt gelöst hatte. Mit ein paar Handgriffen und Kabelbinder hatte Heinrich Hergenreider das Problem schnell gelöst. „Ich bin als Elektriker geboren“, sagt er scherzend auf die Frage nach seinem Beruf. Der Oldenburger war einer von fünf Reparaturexperten, die sich für diesen Tag bereit erklärten, sich unter den Umweltaspekten Ressourcen-Schonung und Nachhaltigkeit in den Dienst der guten Sache zu stellen.

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Jüngster Helfer: der 22-jährige Fabian Kott aus Sandkrug. Der gelernte Systemelektroniker hatte schon beim Repair-Café in Neerstedt sein handwerkliches Geschick anwenden können. Sein erster Fall an diesem Abend: eine moderne Nähmaschine, die die Nadel nicht so positioniert, wie sie soll. Nach einem Blick ins Gerät und in die Bedienungsanleitung ist dem Sandkruger klar: „Da ist nur etwas falsch eingestellt.“ Die Besitzerin ist erleichtert über die schnelle, kostenlose Hilfe.

Keine Ersatzteile mehr

Bruno Barsties aus Benthullen ist mit einem nostalgischen Radio, Modell Loewe Opta, gekommen. „Da muss ein Wackelkontakt am Lautstärkeregler sein“, mutmaßt er. Nach geschultem Blick stellt Karl-Heinz Claßen aus Tungeln, gelernter Fernmeldemechaniker- und Elektroinstallateurmeister, seine Diagnose: ein verdreckter Kontakt, der mit Kontaktspray leicht behoben werden kann. Barsties ist froh: „Ich hänge an diesem Gerät. Ich hab’s mir Ende der 60er oder Anfang der 70er Jahre gekauft. Es ist ein Erinnerungsstück.“

Doch nicht in allen Fällen kann der „Patient“ gerettet werden. Vor einem Flachbildschirm-Fernseher muss Fabian Kott kapitulieren – Fernseher sind nicht sein Spezialgebiet. Für einen Mixer und einen CD-Player kommt jede Hilfe zu spät, hier sind Ersatzteile nicht mehr zu bekommen oder die Reparatur ist zu aufwendig. VAUW-Mitarbeiterin Ulrike Heider bieten den Besitzern an, zu den Öffnungszeiten vom Secondhand-Markt „Trödel & mehr“, wiederzukommen und sich etwas Gebrauchtes gegen ein kleines Entgelt auszusuchen.

„Arbeitslos“ bleibt an diesem Abend Ute Habecker, die sich Näh- und Textilarbeiten widmen will, aber hier haben sich keine Kunden eingestellt. Auch kaputte Fahrräder werden nicht vorbeigebracht.

Wie aus Altem etwas ganz Neues gemacht werden kann (Upcycling), demonstriert den bei Kaffee und Kuchen wartenden Besuchern Louise Neumeister: Sie bastelt aus alten Kalendern Geschenktüten und Briefumschläge.

Ein zweiter Termin für ein Repair-Café steht noch nicht fest. „Wir wollen uns erst einmal zusammensetzen und überlegen, ob wir regelmäßige Termine hinbekommen“, sagt Rebecca Remke. Noch würden Repair-Cafés vom Bundesumweltministerium bis Ende 2019 gefördert. Der Landkreis würde sie aber gerne weiterführen und habe sie schon einmal als ein Ziel ins nächste Abfallwirtschaftskonzept aufgenommen.

Marén Bettmann Wardenburg / Redaktion Wardenburg
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