HUDE Wer kennt sie nicht, den „Hans-guck-in-die-Luft“ und den „Zappelphilipp“, die in dem bekannten Kinderbuch „Der Struwwelpeter“ von Heinrich Hoffmann beschrieben werden?

Was diese beiden Buben zu tun haben mit systemischer Hörtherapie, das erläuterte am Mittwochabend im Kulturhof Dr. Dirk Beckedorf in einem Vortrag. Im Rahmen der Primärprävention hatte die Huder Präventionsbeauftragte Birgit Lohmann-Liebezeit Eltern, Erzieher und Interessierte eingeladen und freute sich, zu dieser Veranstaltung Dr. Beckedorf und eine kleine „Expertenrunde“ begrüßen zu dürfen.

Dirk Beckedorf ist Leiter einer Hörtherapiepraxis in Bremen und war Schüler von Dr. Alfred A. Tomatis, der die sogenannte Tomatis-Methode entwickelte. Diese Methode legt das Prinzip der auditiven Stimulation durch gefilterte Töne zugrunde. Beckedorf entwickelte die Theorie weiter und arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich mit der systemischen Hörtherapie, die Eltern mit einbezieht.

Das Problem der Aufnahmestörungen bei Kindern sei keine neue Erscheinung, so Beckedorf, dies könne man an den alten Geschichten um den „Zappelphilipp“ und Konsorten erkennen, es gab schon immer reizoffene und bewegliche Kinder. Das heute als ADHS bekannte Symptom sei seiner Ansicht nach keine „Krankheit“, so der Fachmann, sondern eigentlich eher eine Symptombeschreibung, die die Auswirkung vom Überschuss der Botenstoffe im Gehirn beschreibt (Chaos im Gehirn).

Die Behandlung von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen sowie von Kindern mit Schulschwierigkeiten und Aufmerksamkeitsschwäche sei ein Schwerpunkt der Hörtherapie. Auch Kindern mit Bindungsstörungen könne mit dieser Art von Therapie geholfen werden.

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Für Beckedorf ist der Hörzugang gleichzeitig der Zugang zur Seele, denn „aus Hören wird Zuhören, aus Zuhören wird Bindungsfähigkeit“. Bei den meisten Kindern, die in seine Praxis kommen, liege kein diagnostischer Befund vom Ohrenarzt vor, so der Referent, dennoch werde diesen Kindern mit einer Hörtherapie dabei geholfen, aufzunehmen, zu hören, zuzuhören.

„Systemische Hörtherapie“, so der Facharzt, „ist eine Reise zu den inneren und äußeren Ressourcen, die zur Entfaltung kommen möchten“. Um dies zu verdeutlichen, führte Beckedorf einen Videofilm über die Arbeit mit einem dreijährigen Jungen vor. In den ausgewählten Ausschnitten war zu erkennen, welche Fortschritte das Kind machte. Während des anschaulichen und fundierten Vortrages kamen auch die Zuhörer zu Wort, die sich rege an der Diskussion beteiligten.

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