HATTERWüSTING Während in Hatten einige Gasthöfe schon auf eine über 100-Jährige Geschichte zurückblicken können, zählt der Dorfkrug an der Dorfstraße in Hatterwüsting gerade einmal sechs Jahrzehnte.

Ganz bescheiden begann am 15. Februar 1950 der Kaufmann und Gastwirt Harry Brüers zunächst mit einem kleinen Laden. Nach der Teilnahme an der Schlacht um Stalingrad im zweiten Weltkrieg, Gefangenschaft und Flucht aus Russland war er gesund nach Hause zurückgekehrt, wo er im November 1947 in Munderloh Leni Seyen heiratete. Noch bis 1953 betrieben beide in Munderloh eine kleine Bäckerei. „Das Eckgrundstück in Hatterwüsting hat mein Vater 1950 auf Betreiben von Fritz Schröder gekauft, der damals Ortsvorsteher war“, erinnert sich Anke Meiners, die Tochter von Harry und Leni Brüers. „Schröder meinte, der Ort brauche dringend einen Laden und gab meinem Vater sogar einen Kredit für den Kauf.“

Bäckerei und Laden

Zunächst verkaufte Harry Brüers in dem kleinen Haus sein Brot und einige weitere Waren, bald wurde auch die Bäckerei nach Hatterwüsting verlegt. „Die Bauern kamen zwischendurch auch mal tagsüber vorbei, um einen Schnaps zu trinken“, erzählt Anke Meiners. Die Entscheidung, auch eine Gastwirtschaft einzurichten, lag also nahe. „Nach und nach wurde immer mehr angeboten“, erinnert sich die Tochter des Gründerehepaares, die in dem Haus an der Dorfstraße auch ihre Kindheit verbrachte.

Anschluss für den Ort

Eine wesentliche Erinnerung von Anke Meiners ist die an das Telefon – das einzige weit und breit. „Wir hatten erst eine zweistellige, dann eine dreistellige Nummer“, erzählt sie. Besonders war der Apparat, weil er „gemeindeöffentlich“ war. „Meine Eltern mussten keine Grundgebühr zahlen, dafür mussten sie aber auch alle Menschen im Ort das Telefon benutzen lassen – zu jeder Tageszeit“, erzählt sie.

„Wer mitten in der Nacht den Arzt aus Kirchhatten brauchte, kam bei uns an. Meine Mutter hat dann schon etwas gefiltert und gefragt, um was es denn geht. Wenn es nur Husten und Schnupfen war, hat sie den Arzt nicht aus dem Bett geklingelt.“

Auch Telegramme wurden in der mittlerweile „Dorpkrog“ genannten Gaststätte angenommen und von dort aus im Ort verteilt.

Den ersten Generationswechsel gab es im Jahr 1976, Tochter Anke übernahm mit ihrem Ehemann Hans Meiners die Gaststätte.

Gemeinsam machten sich beide daran, dass Haus deutlich zu erweitern und von der einfachen Gaststätte zu einem modernen Gesellschaftshaus umzubauen.

1978 war der große Umbau abgeschlossen. „Zu diesem Zeitpunkt war im Grunde etwas ganz neues entstanden“, sagt Anke Meiners. Die Eltern hatten bereits einen etwas größeren Clubraum angebaut, der auch für Hochzeitsfeiern genutzt wurde. „Das war zum Ende ihrer Zeit aber wieder etwas eingeschlafen“, sagt Anke Meiners.

Anke und Hans Meiners bauten Saal, Kegelbahnen und Clubzimmer und sicherten dem Haus so den Bestand. „Es ist eigentlich immer etwas passiert oder umgebaut worden. Wenn es nicht von außen sichtbar war, dann in der Küche“, sagt Anke Meiners. Gäste aus der Nachbarstadt Oldenburg kamen ebenso regelmäßig wie der Heimatverein mit seinen verschiedenen Gruppen oder der Landfrauenverein.

Mit beiden Vereinen sei das Verhältnis immer gut gewesen, so Anke Meiners. „Besonders die Tanzgruppe hatte bei uns freie Hand.“

Blick in die Zukunft

Die ursprüngliche Bausubstanz ist zwar noch vorhanden, aber kaum zu erkennen. „Das heutige Wohnhaus war die Bäckerei, der heutige Thekenbereich war früher die gesamte Gastwirtschaft“ erzählt Anke Meiners.

Kontinuierlich erweiterten und modernisierten beide den Dorfkrug Meiners und planten sogar schon den Hotelbau, den im vergangenen Jahr der aktuelle Besitzer Jens Wintermann umgesetzt hat. Der 43-jährige Restaurantfachmann und Betriebswirt hatte den Dorfkrug Meiners, der heute Hotel Meiners heißt, im Jahr 2000 von Anke und Hans Meiners zunächst gepachtet und dann gekauft.

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Obwohl der Hotelneubau gerade erst hinter ihm liegt, blickt er schon wieder in die Zukunft und schmiedet bereits neue Erweiterungspläne: Ein Wintergarten steht als nächstes auf dem Programm. Elf feste Mitarbeiter hat das Hotel, mit den Aushilfen steigt die Zahl der Beschäftigten auf 45.

Und auch in der Hand der Familie Wintermann scheint ein Generationswechsel im Hotel Meiners eines Tages möglich zu sein: Sohn Niklas versucht sich mit seinen 15 Jahren gelegentlich schon im Familienbetrieb, Tochter Neele (11) hat dafür noch etwas Zeit.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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