Wildeshausen Ihr Sohn hatte immer so viel getrunken, erinnert sich Brigitte Scholz. Der nicht zu stillende Durst war ihr nicht geheuert. Daher ging sie mit dem damals Zehnjährigen zum Arzt – und der wies den Jungen gleich ins Krankenhaus ein. Die Diagnose war zu der Zeit für die Familie ein Schock: Diabetes.

Trifft man die 59-jährige Wildeshauserin heute, etwa acht Jahre später, spricht sie gelassen über das Thema. „Diabetes ist keine Krankheit“, hat sie für sich selbst definiert. Sie sieht es als Umstand, auf den man seinen Alltag einstellen und für den man gewisse Routinen entwickeln muss. Blutzuckermessungen, Insulininjektionen und das Rechnen in Broteinheiten gehören dazu. Als Einschränkung versteht sie Diabetes trotzdem nicht. „Man kann damit ganz normal leben.“ Sorgen hat sie aus ihrem Kopf verbannt.

Zwei Typen von Diabetes

Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung. Der Körper leidet an Insulinmangel. Insulinproduzierende Zellen werden vom Immunsystem zerstört. Sie ist vergleichsweise selten.

An Diabetes Typ 2 leiden rund 90 Prozent der Betroffenen weltweit. Der Körper entwickelt eine Insulinresistenz. Ursachen sind häufig Bewegungsmangel und Übergewicht.

Der Kidi-Elternstammtisch trifft sich jeden 2. Dienstag im Monat um 19 Uhr im Mehrgenerationenhaus Wildeshausen, Bahnhofstraße 14; Telefon  0 42 22/80 96 97.

Ob mit dieser Einstellung oder doch mit Ängsten: Mit der Krankheit leben heute rund sechs Millionen Menschen in Deutschland wissentlich. Darunter sind etwa 30 000 Kinder. Weitere 1,3 bis 2,2 Millionen Deutsche wissen gar nichts von ihrer Erkrankung, schätzt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft. Die Weltgesundheitsorganisation hat Diabetes in diesem Jahr zum Schwerpunktthema des Weltgesundheitstages gemacht, der an diesem Donnerstag begangen wird.

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Solche und anderen Zahlen kennt Scholz inzwischen, weil auch sie sich als Mutter intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Sehr geholfen hat ihr dabei der Kontakt zur Selbsthilfegruppe für Kinder und Jugendliche mit Diabetes (Kidi) in Wildeshausen, zu der auch ein Elternstammtisch gehört. Inzwischen leitet sie die Gruppe gemeinsam mit dem Harpstedter Adolf Hartwig. Sie ist angegliedert an den Verein Diabetes Selbsthilfegruppe Ganderkesee unter der Leitung von Thomas Franzki.

Kinder bekommen in der Gruppe Tipps, wie sie den Alltag mit Diabetes bewältigen können. Auch Freizeitangebote wie eine Kanutour oder Kochen stehen auf dem Programm. Die Eltern profitieren ebenfalls von den Treffen, weiß Scholz aus eigener Erfahrung. „Es gibt Fragen, die kriegt man nicht im Krankenhaus beantwortet.“

So fiel es ihr leichter, Verantwortung an ihren Sohn abzugeben, der seine Krankheit bis heute nicht akzeptiert und sich häufig nicht an die Regeln hält, zum Beispiel, wenn es um Ernährung geht. Doch Scholz hat auch durch die Gespräche mit anderen Eltern erkannt, dass Zwang nichts bewirkt. „Er muss es selbst lernen.“ So wie sie gelernt hat, als Mutter mit der Krankheit ihres Kindes leben zu können.

Patrick Buck stv. Redaktionsleiter / Redaktion Oldenburg
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