Schweinsheide Stefanie Schröder ist pragmatisch: „Das große Ganze kann ich nicht beeinflussen“, sagt die 30-Jährige, „aber hier vor der eigenen Haustür kann ich etwas machen.“ Konkret sind damit Lebensmittel gemeint, die unnötigerweise weggeschmissen werden. Um daran etwas zu ändern, engagiert sich Schröder in ihrer Freizeit als Mitglied der deutschen Initiative Foodsharing. In der Gemeinde Ganderkesee baut sie derzeit eine Ortsgruppe mit Ehrenamtlichen auf.

Gemüsekiste gibt Idee

Die ursprüngliche Idee kam Schröder durch eine gelieferte Gemüsekiste, die ihre Familie seit einer Weile abonniert hat. „Das ist gute Ware, die im Laden Ausschuss wäre, aber leider nicht regional“, erklärt sie. Deshalb wollte sie gerne in direkter Nähe zu ihrem Wohnort etwas in Sachen Nachhaltigkeit unternehmen. Durch eine Internetrecherche kam sie zum Verein Foodsharing. In den umliegenden Regionen gab es zu dem Zeitpunkt allein in Wildeshausen eine Ortsgruppe. „Ich habe dann mit Foodsharing darüber gesprochen, etwas in Ganderkesee aufzubauen. Die waren sehr angetan.“

Stefanie Schröder ist jetzt eine „Botschafterin“ – eine von mehreren Positionen in der Hierarchie von Foodsharing. „Wir unterscheiden zwischen inhabergeführten Läden mit maximal drei Filialen und Ketten“, erklärt sie. Erstere darf sie jetzt als Botschafterin ansprechen, ob es Interesse gibt, Lebensmittel von Foodsharing vor dem Abfallcontainer retten zu lassen. Kontakt zu großen Ketten darf dagegen nur ein sogenannter „Key Account Manager“ aufnehmen – was für die junge Ganderkeseer Gruppe ein Problem darstellt.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Initiative Foodsharing 2012 in Berlin gegründet

Der Verein Food­sharing geht auf eine 2012 in Berlin entstandene Initiative zurück. Nach eigenen Angaben gibt es mittlerweile über 200 000 registrierte Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie insgesamt rund 25 000 freiwillige „Foodsaver“.

Die Arbeit von Foodsharing ist rein ehrenamtlich, die Rettung von Lebensmitteln findet unentgeltlich statt. Mit über 3000 Betrieben findet laut dem Verein derzeit eine Kooperation statt. Dabei geht es nicht nur um Lebensmittelverschwendung, sondern auch das Einsparen von Ressourcen bei der Ernte, Verarbeitung und Lagerung von Lebensmitteln.

In vielen Regionen Deutschlands gibt es bereits Ortsgruppen und Gemeinschaften. Kontakt per Mail über die offizielle Liste:

    www.bit.ly/essen-retten

„Es gibt in der Gemeinde viele Ketten, aber nur wenige Inhaberbetriebe“, so Schröder, „und viele Höfe arbeiten bereits ökologisch, da fällt nichts ab.“ Zu Ketten darf sie in ihrer derzeitigen Position keinen Kontakt aufnehmen, weshalb es in der Ortsgruppe an aktuell zu rettender Ware mangelt.

Über 120 Freiwillige

Woran es nicht mangelt, sind Freiwillige: Mehr als 120 Menschen sind bereits Mitglied einer eigens von Schröder eingerichteten Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook. Die Hälfte, schätzt Schröder, sei auch wirklich aktiv beteiligt. „Die Leute wollen alle gerne, es hapert aktuell nur etwas bei der Umsetzung.“

Sie hofft jetzt, dass die initiale Begeisterung der Teilnehmer trotzdem erhalten bleibt. „Anfangs gibt es ja gerne viel Motivation, aber das ist auch Arbeit, die nur ehrenamtlich vergütet wird.“ Langfristig möchte sie zudem Freiwillige finden, die die Ganderkeseer Ortsgruppe aktiv halten, weil ihr in Zukunft die Zeit dazu fehlt. „Ab Mai werde ich wieder berufstätig sein“, erklärt Schröder, die examinierte Krankenschwester und zudem auch Mutter zweier Kinder ist. „Ich hoffe, das jetzt in Gang zu bringen und das es dann von alleine läuft.“

Betriebe vor Ort gesucht

Bislang hat Stefanie Schröder noch keinen Betrieb in Ganderkesee gefunden, bei dem es Lebensmittel zu retten gibt. Aus den umliegenden Regionen bekommt sie dagegen Ware aus drei Lebensmittelläden sowie einer Bäckerei. „Das ist leider schwieriger, als ich mir vorgestellt habe“, gibt sie zu. In der Gemeinde will sie als nächstes über Wochenmärkte versuchen, neue Kontakte zu knüpfen. Von einigen Freiwilligen weiß sie auch, dass diese bereits jetzt auf eigene Faust Lebensmittel über größere Distanzen hinweg vor dem Wegwerfen bewahren: „Eine Nachbarin von mir bringt Sachen aus Hemelingen mit.“

Kein Kontakt mit Tafel

Ein Kontakt, der sich für die junge Foodsharing-Gruppe nicht ergibt, sind die Tafeln. „Ich darf gar nichts annehmen, wenn jemand einfach so mit Ware vorbeikommt, erklärt Walburga Bähre, Leiterin der Tafel in Delmenhorst, die in Ganderkesee auch eine Ausgabestelle betreibt. Was die Versorgung mit Ware durch Supermarktketten angeht, stünden die Tafeln sogar in Konkurrenz mit Foodsharing. „Die Ketten haben im Bundesverband Verträge mit uns, die dürfen auch nicht einfach so etwas weitergeben“, so Bähre. Eine Zusammenarbeit mit den Freiwilligen rund um Stefanie Schröder kann es für sie daher nicht geben.

Kritisch sieht Bähre zudem, dass jeder einfach so ohne Kontrolle bei Foodsharing mitmachen könne: „Dass sich da jeder einfach so Ware holen darf, finde ich nicht gut. Da sind sicher auch Leute dabei, die nicht bedürftig sind.“

Schröder betont dagegen, dass Foodsharing nicht nur lange haltbare Ware wie Konserven rettet, sondern auch Obst und Gemüse. „Lebensmittel, die sich schlecht lagern, koche ich zuhause auch ein, wenn ich die nicht loswerde“, erklärt sie. Das solche Ware in vielen Betrieben täglich entsorgt wird, sobald sie nicht mehr hübsch aussieht oder wenn neue Ware angeliefert wird, geht ihr nahe: „Ich habe da gar keine Worte für, ich finde das ganz furchbar.“

Mitstreiter bitte melden

Trotz der aktuellen Schwierigkeiten will Stefanie Schröder ihr Engagement fortsetzen. „Die Verschwendung von Lebensmitteln ist ein wichtiges Thema“, sagt sie. Wer Interesse hat, ehrenamtlich im Ortsverein Ganderkesee tätig zu werden, kann sie per Mail erreichen an ganderkesee@foodsharing.network.


Mehr über die Initiative Foodsharing online:     www.foodsharing.de 
Arne Haschen Redakteur / Redaktion Ostfriesland
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.