Bookholzberg „Das Ganze ist nichts anderes als ein Kuhhandel, darüber war ich mir von Anfang an im Klaren“, sagt der Geschäftsmann. „Spannend war es, einen echten Fernsehdreh mitzuerleben, sowas hat man nicht alle Tage“, sagt der Fan. „Und natürlich wird das hinterher so dargestellt, wie es denen passt“, fügt der Realist hinzu. Dennoch: Gunnar Strümpler ist zufrieden mit den Geistern, die er rief. Oder eben dem, was sich draus entwickelte.

Neue Personalstrukturen

Rund zweieinhalb Jahre ist es her, da entschloss sich der Bookholzberger, seine Probleme vor einem Millionenpublikum auszubreiten: Nachdem der damals 35-Jährige das Restaurant „Schwarzes Ross“ samt insolventem Vorbesitzer übernommen und sich neben leeren Tischen einem etwas chaotischen Konzept ausgesetzt sah, bat er Profis um Hilfe. Genauer gesagt: die „Kochprofis“.

Woche für Woche nehmen sich Andreas Schweiger, Frank Oehler und Ole Plogstedt ein schlecht laufendes Lokal irgendwo im ganzen Bundesgebiet vor und retten es vor dem Aus – oder eben den Fernsehabend überaus interessierter RTL II-Zuschauer. Mit Haute Cuisine-Küche, gepfefferten Sprüchen und sehr klaren Vorstellungen, wie ein Restaurantbetrieb zu laufen hat, sorgen sie regelmäßig für satte Einschaltquoten.

„Die kommen halt mit konkreten Ideen – und die werden dann auch umgesetzt“, sagt Gunnar Strümpler – dessen sei er sich von Anfang an bewusst gewesen.

„Ich wollte mir einfach mal über die Schulter gucken lassen und sehen, woran es hapert“, sagt er – das nämlich habe ihm keiner erklären können. Die Kochprofis schon: Es mangele an einer klaren Führungsposition. Der Bookholzberger sollte zum Leithengst im „Schwarzen Ross“ werden.

Wurde er: Kurz nach dem Drehtermin im März 2011 verabschiedete er sich vom alten Koch und einstigen Besitzer. Mittlerweile stehen zwei Küchenmeister am Herd und versorgen hungrige Bookholzberger mit „Spare Ribs satt“ statt Barbarie Entenbrust mit Pistazien-Spinat oder Cantucci Trevisano, wie es die drei Fernsehköche bei ihrem Besuch verordneten. Denn obwohl sich die TV-Gourmets mit pikanten Lästereien über die ihnen vom „Ross-Team“ servierten Kostproben zurückhielten, kamen neue, exquisite Ideen auf den Tisch. „Nichts für die Leute aus dem Ort“, resümiert Gunnar Strümpler. „20 Euro zahlt hier niemand für ein Mittagessen. Im Dorf wollen die Menschen für halb so viel Geld satt werden.“ Die schlanke Speisekarte mit acht Gerichten wurde nach dem Fernsehabenteuer schnell mit rustikalen Mahlzeiten aufgefüttert.

„Und das läuft gut“, sagt der 38-Jährige. Beibehalten hat er nur die Macairekartoffeln – kleine Küchlein aus der Knolle – als Beilage. Und gute Erinnerungen: „Es hat Spaß gemacht und vieles hat sich entwickelt“, sagt der Bookholzberger. Und neben vielen neugierigen Gästen sind auch weitere Geschäftszweige hinzugekommen: Lange stand das Haus zum Verkauf, ein neuer Besitzer seit Anfang dieses Jahres sorgte für mehr Sicherheit, einen langfristigen Vertrag – und Umsatz. „Inzwischen richten wir viele Hochzeiten und Geburtstagsfeiern aus“, erklärt der Pächter.

Ruf hat sich gebessert

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Das habe auch dem Werbeeffekt des Fernsehauftritts zu verdanken, ist Gunnar Strümp­ler überzeugt. Doch: Er würde seine Geister immer wieder rufen. Das „Durchdrehen“ über ein Wochenende hat sich gelohnt. Und auch die Sendung guckt er nach wie vor gerne. Mit viel Abstand – zwischen Sofa und Bildschirm. Schließlich weiß er: „Aus 30 Stunden Material schneiden die sich ’ne Dreiviertelstunde zusammen – wie es ihnen passt.“

Die vielen Köche haben ihm auf jeden Fall den Brei eher versüßt. Besucher aus der Region anzulocken war von Anfang an das Ziel des gelernten Bankkaufmanns. Der Ruf habe sich gebessert. Und nun wartet er, denn eine alte Geschäftsweisheit besagt: Es dauert drei Jahre, bis der Laden läuft. Oder noch besser: galoppiert. Der kostenlose Besuch habe sich gelohnt – unterm Strich ist Gunnar Strümpler überzeugt, mit seinem Kuhhandel ein Schnäppchen gemacht zu haben.

Lea von Deylen Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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