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Auszeichnung
„Zeitenwende“ zum Wort des Jahres gekürt

GANDERKESEE Am Donnerstag ist Fasching im Miniclub und mein Patenkind hat noch kein Kostüm. Einen zierlichen, 78 Zentimeter großen Eineinhalbjährigen von der Stange einzukleiden, erweist sich schon bei Alltagskleidung als schwieriges Unterfangen. Noch kleiner ist die Auswahl bei den Verkleidungen. Nur eine Maßanfertigung kann uns retten. Ich als gute Patentante werde die Schere selbst in die Hand nehmen müssen. Aber gut aussehen soll’s ja auch. . . Ich brauche kompetente Unterstützung: die Hofschneiderin höchstpersönlich.

Wenig später sitze ich mitsamt geliehener Nähmaschine und einem Schnittmuster, Schwierigkeitsgrad 2 (von vier), für ein winziges Clownskostüm in der Nähstube von Ursel Kramer – die mich bei allem Faschingsstress noch eben dazwischenschiebt. Gerade ist sie mit den Reparaturen der Ehrendamen-Kleider fertig, die am ersten Büttenabendwochenende schon ordentlich strapaziert wurden. Eine der türkisfarbenen Roben hat die Hofschneiderin auch gleich noch gewaschen – von Hand in der Badewanne, damit alles in Form bleibt und die aufgeklebten Strasssteine nicht verloren gehen.

Eigentlich müsse sie dringend mit den Felljacken für die Ehrendamen beginnen, erzählt mir die Damenschneidermeisterin. Aber bis zum Umzug seien ja schließlich noch ein paar Tage Zeit, sagt Ursel Kramer gelassen, während sie bereits beginnt, mein Schnittmuster auszuschneiden. Außerdem sei ein wenig Abwechslung von Glitzer und Glamour ja auch mal ganz angenehm.

Beim Zuschneiden der Stoffe hilft mir Ursel Kramer noch – nähen soll ich alleine. Und das misslingt prompt. Die erste Naht wird mir direkt wieder aufgetrennt, weil sie auf dem rutschigen Synthetikstoff etwas aus der Kurve geraten ist. „Ich habe lange keinen Lehrling mehr gehabt“, stellt Ursel Kramer fest und fixiert mir schmunzelnd die beiden Teile für den zweiten Anlauf mit Stecknadeln.

Die neue Naht findet die Gnade meiner Lehrmeisterin – immerhin. Nach der Sichtprüfung nimmt mir Ursel Kramer das Oberteil aus der Hand und kettelt mit ihrer Maschine die Kanten ab. „Jetzt sieht es ja aus wie gekauft!“, freue ich mich über das Ergebnis. „Nee“, sagt Ursel Kramer mit einem lauten Lachen, „trotzdem nicht.“

Mir wird allmählich bewusst, dass die Ansprüche eines Kostümprofis meilenweit von meinen eigenen entfernt sind. Und während ich nachgrüble, ob ich mich mit meinen dilettantischen Nähversuchen gerade völlig lächerlich mache, merke ich, dass sich die Saumnaht, mit der ich gerade beschäftigt bin, verselbstständigt. Die kriege ich niemals durch, denke ich, während ich Ursel Kramer das kleine Hosenbein mit skeptischem Blick entgegenhalte. Das Urteil überrascht mich: „So schief ist die doch gar nicht!“, findet die Schneidermeisterin. Da habe sie beim Umzug schon viel größere Missgeschicke gesehen. Vor allem bei den Ärmelansätzen trenne sich die Spreu vom Weizen.

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Ha! Meine Ärmelansätze gefallen der Expertin. Als der Clownsanzug nach vier Stunden fertig ist, bin ich fast ein bisschen Stolz auf das Ergebnis. Mir ist allerdings jetzt erst recht unbegreiflich, wie es Ursel Kramer in nur fünf Wochen gelungen ist, dem Prinzenpaar und dessen Gefolge die prunkvolle Garderobe auf den Leib zu zaubern.

Als ich der Hofschneiderin berichte, wie gut mir besonders die glitzernde Robe von Prinzessin Merle I. gefällt, hat sie noch eine Überraschung für mich: Auf den Kragen des kleinen Clownskostüms klebt sie zum krönenden Abschluss unserer Co-Produktion ein paar von jenen Strasssteinen, die auch die Kleider der Majestäten zieren. Nun kann die Miniclub-Party kommen!

Karoline Schulz Redakteurin / Redaktion Ganderkesee
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