Reckum „Wenn wir die Bauern nicht hätten, Wenn wir die Bauern nicht hätten, wären wir aufgeschmissen“, redet Rudolf Alfken, Leiter des Hegerings Harpstedt, nicht lange um den heißen Brei herum. Die Landwirte gelten als Hüter der Kulturlandschaft. Und Blühstreifen helfen nicht nur Insekten, sondern auch dem heimischen Niederwild. Rund 292 Hektar (oder 2,9 Millionen Quadratmeter) Blühstreifen haben die Bauern im Landkreis in diesem Jahr gemeinsam mit dem Biotop- Fonds der Jägerschaft Oldenburg/Delmenhorst angelegt. Im Vorjahr waren es noch 180 Hektar.

Ganz vorn im Ranking der kreisangehörigen Gemeinden liegt dabei die Samtgemeinde Harpstedt mit rund 56 Hektar, wie Dr. Josef Kuhlmann vom Biotop-Fonds der Jägerschaft berichtet. Das hängt nicht nur mit der Größe der Samtgemeinde zusammen, sondern mit der Vereinfachung des Antragsverfahrens für das EU-Fördermittelprogramm. Die Ausbringung der Blühmischung wird nun beim EU Antrag angegeben, dann gilt der Blühstreifen als vorhanden, egal wo er sich auf dem Acker befindet. Hier reicht ein Haken auf dem Antrag aus, erklärt Landwirt Oliver Pleus (49) in Reckum. „Bislang mussten wir jeden Quadratmeter akribisch ausmessen.“

Nur an wenigen Stellen im Landkreis kann man den Erfolg des Blühstreifen-Projekts so gut sehen wie bei Dieter Pleus in Reckum, der seinen Betrieb seit einigen Jahren an Oliver Pleus verpachtet hat. Er macht seit fünf Jahren bei dem Projekt mit und hat gleich an mehreren Feldern Blühstreifen angelegt. So ist an einem Maisacker eine gut ein Hektar große Malvenfläche zu sehen. Auf der lila-farbenen Teppich summe es im Frühjahr noch so an Hummeln. „Da geht einem das Herz auf“, freut sich Kuhlmann. An einem Randstreifen hat Pleus sogar Mais stehen lassen, um dem heimischen Wild einen weiteren Rückzugsraum zu geben.

Der staatlich geprüfte Landwirtschaftsleiter hat sogar mehrjährige Blühstreifen angelegt, wie sie zunehmend von der Naturschutzbehörde gewünscht werden. Das Saatgut, eine Mischung aus 21 Arten, einfach auszubringen und den Wildblumenstreifen einfach fünf Jahre stehen lassen, sei naiv, meint Pleus. „Im ersten Jahr war alles schick, dann hat der Ampfer alles kaputt gemacht.“ Je mehr Unkräuter sich breit machten, desto schwerer werde es, die Fläche später wieder „in Kultur“ zu bringen. Auch der Kamillesamen breite sich unkontrolliert auf dem Acker aus. Daher neige er dazu, ein Teil der Fläche zu pflügen und neue Wildblütensaat auszubringen. Gerne nehme er eine Mischung mit regionalen Sorten, aber die sei wesentlich teurer als das übliche Saatgut.

Pleus denkt auch ans heimische Wild: So hat der Landwirt in Kellinghausen einen Streifen mit Waldstaudenroggen, einem alten Getreide aus der Familie der Süßgräser angelegt. „Der kann gut mit der Trockenheit umgehen“, erklärt der Bauer, „und bietet dem Rebhuhn Schutz.“ An einem dritten Feld hat Pleus zu 50 Prozent Phacelia- und Sonnenblumensamen in die Wildblütenmischung gegeben. Gerade die intensiv blau-blühende Phacelia sei extrem beliebt bei Honigbienen, weiß Kuhlmann. Der Pflanzenexperte entdeckt in dem Pleus-Feld auch den sogannten Ölrettich. „Das ist hier ein gedeckter Tisch für den Fasan und das Rebhuhn“

Übrigens: Für die Blühstreifen bekomme der Landwirt keine zusätzlichen Subventionen. Im Gegenteil: Er trage den Ertragsausfall zu 100 Prozent. Und der liege bei gut 800-1000 Euro pro Hektar jährlich. Lediglich das Saatgut stelle der Biotop-Fonds den Landwirten kostenlos zur Verfügung. Der Preis dafür schwanke je nach Mischung und Hersteller zwischen 60 und 120 Euro pro Hektar.

Aber Landwirt Pleus ist zufrieden: „Das ist ein gutes Projekt.“ Allein der Bürokratie-Dschungel müsse weiter gelichtet werden. Wer die sogenannten Greening-Verpflichtungen der EU einhalten will, müssen bis zum zum 15. April die Wildblumenmischung ausgebracht haben. Das sei schwer möglich. „Jeder Boden ist anders“, so Pleus. Hinzu kommen Lieferschwierigkeiten der Hersteller. So habe er erst Mitte Mai seine Blühstreifen einsäen können.


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Stefan Idel Redaktionsleitung / Redaktion Wildeshausen
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