Frage: Herr Stöver, laut dem Deutschen Imkerverband haben rund 120 000 von 700 000 Bienenvölkern, also knapp ein Fünftel, den Winter nicht überlebt. Eine Mitschuld wird dem Pestizid-Einsatz gegeben. Wie sind Ihre Bienen durch den Winter gekommen?

Stöver: Ich habe auch Verluste gehabt, würde aber die Winterverluste eher der Varroa-Milbe zuschreiben, während sich der Pestizid-Einsatz eher während der Honigernte niederschlägt. Der Kontakt der Bienen mit Pflanzenschutzmitteln sorgt dafür, dass die Vitalität des gesamten Volks nachlässt. Gegen die Varroa-Milbe, die vor etwa 30 Jahren aus Asien eingeschleppt wurde, können wir immerhin etwas tun.

Frage: Was konkret?

Stöver: Die Milben stechen die Bienen an, und es entstehen Wunden, die Angriffsflächen für Keime bieten. Indem wir die Bienen mit organischen Mitteln wie Oxalsäure, Milchsäure und Ameisensäure behandeln, hindern wir die Milben an ihrer Vermehrung. Das passiert, wenn sich das Bienenjahr dem Ende zuneigt, also ab Juli/August. Dann bereiten die Imker die Völker auf den Winter vor, indem sie ihnen den Honig wegnehmen und Zuckerlösung anbieten. Angenehm ist die Behandlung für die Bienen ganz sicher nicht, aber sie stehen das durch.

Frage: Welche Auswirkungen hat es für ein Bienenvolk, wenn einzelne Tiere sterben?

Stöver: Jede Biene ist für sich allein oder unter einer Handvoll anderer Bienen nicht überlebensfähig. Im Winter muss ein Bienenvolk etwa 5000 bis 8000 Tiere umfassen, um überlebensfähig zu sein, im Sommer können es 50 000 bis 70 000 sein. Bienen sind innerhalb ihres Volkes komplex organisiert. Stirbt eine Biene, gibt es Probleme bei der Aufgabenverteilung.

Frage: Die Politik widmet sich jetzt dem anderen Faktor, der die Bienenvölker neben der Varroa-Milbe bedroht: Die EU-Kommission erwägt, drei Pestizide aus der Gruppe der Neonikotinoide zu verbieten. Atmet die Imkerschaft jetzt auf?

Stöver: Auf jeden Fall wäre ein solches Verbot ein guter Anfang. Aber ausdiskutiert ist das Thema damit vermutlich noch nicht, denn die Pharmaindustrie wird andere Mittel finden, um die Landwirtschaft mit Pflanzenschutzmitteln zu versorgen. Es wird schwierig einen Mittelweg zu finden, der sowohl die Imker als auch die Landwirte zufrieden stellt.

Frage: Welchen Wunsch haben Sie an die Landwirte?

Stöver: Wir wollen und müssen ja mit den Landwirten zusammenarbeiten. Die Imker wollen die Tracht aus den Blüten, zum Beispiel vom Raps, und die Landwirte wollen die Bestäubungsleistung unserer Bienen. Mein Wunsch wäre, dass Pflanzenschutzmittel so eingesetzt werden, wie es im Beipackzettel empfohlen ist. Das betrifft zum einen die Menge der eingesetzten Mittel, aber zum Beispiel auch den Zeitpunkt der Ausbringung – außerhalb des Bienenflugs.

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Karoline Schulz Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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