HOLZKAMP Als Maike Stellmann sich zusammen mit ihrem Ehemann Klaus am „Tag des offenen Hofes“ eine Biogasanlage in Lüsche (Kreis Vechta) anschaute, stand für sie sofort fest: „Wohnen möcht’ ich da nicht!“ Heftig sei der Gestank, laut der Betrieb. Und andere mögliche Nebenwirkungen „machen mir Angst“. Der Anlass für die damalige Besichtigung: Auch nahe des Stellmannschen Wohnhauses in Holzkamp soll eine Biogas-Anlage gebaut werden – was Maike Stellmann strikt ablehnt.

Bei einer Sitzung des Gemeindeentwicklungsausschusses hatte sich die Holzkamperin kürzlich an Politiker gewandt. Sie sollten kommen, sich ein Bild machen. Am Dienstagabend nahmen drei SPD-Ratsmitglieder die Einladung an.

„100 Meter vom Wohnzimmer entfernt“ solle die Biogas-anlage entstehen, zeigte Maike Stellmann dem SPD-Fraktions-Chef Werner Brakmann sowie Christel Zießler und Rolf Oetken. Dass es heftig riechen werde, steht für sie außer Frage. Sie glaube zum Beispiel nicht, dass der Silagehaufen bei jeder Entnahme auf- und anschließend wieder zugedeckt wird – so, wie es bei einer Info-Veranstaltung beteuert worden sei. „Das macht kein Landwirt.“

Quer durch Ganderkesee

Zweitens seien da der Betriebs-Lärm und die Verkehrsbelastung. Mit mehr als 1000 Anlieferungen pro Jahr sei zu rechnen, teils müssten die Rohstoffe quer durch Ganderkesee gefahren werden. Drittens seien da Ängste: Da werde es in der Anlage das hochgiftige Gas Schwefelwasserstoff geben. Und: Biogas-Anlagen stünden bei Tierärzten in Verdacht, chronischen Botulismus zumindest bei Rindern zu begünstigen.

Im Übrigen frage sie sich, was ihr Resthof mit einer Biogas-Anlage als Nachbarin noch wert sei. Auf „gefühlte 50 Prozent“ schätzt sie die Minderung.

Die SPD-Politiker zeigten Verständnis. Grundsätzlich „nimmt es überhand mit den Biogasanlagen“, befand Christel Zießler. Das mache ihr „ein bisschen Angst“. Allerdings sei man hier noch „ziemlich unwissend“, gestand Ratsherr Rolf Oetken frank und frei ein. „Das Thema hat uns überrollt.“

Fraktionsvorsitzender Werner Brakmann kündigte einen Fragenkatalog an die Verwaltung an: „Wir brauchen Zahlen“, zum Beispiel über den Trend zum Maisanbau. Auch wolle man Informationen über das Instrument Konzessionsabgabe (für Wärme- bzw. Gasleitungen über gemeindlichen Grund) oder über gesetzliche Grundlagen bei Kapazitätserweiterungen.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den NWZ-Wirtschafts-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

„Brandbriefe“ empfohlen

Christel Zießler riet, „Brandbriefe“ mit den Sorgen an hiesige Abgeordnete zu senden, um den Biogas-Boom über eine Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu bremsen. Zurückhaltend zeigten sich die Gäste bei einer Anregung von Maike Stellmann: Der Rat könne beschließen, das man die Wärme aus der Holzkamper Biogasanlage nicht fürs Freibad abnehmen werde. „Dann würde die Anlage nicht gebaut.“

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.