WARDENBURG Wie ein übergroßes Wagenrad hängt die Konstruktion aus Holz und Metall am ausgefahrenen Kran neben der Wardenburger Wassermühle. Hinterm Steuer des Teleskop­laders betätigt Kai Schröder vorsichtig ein paar Hebel. In den fast vier Meter durchmessenden Holzring kommt Bewegung: Zentimeter für Zentimeter schwebt er – nur wenige Meter von der Hauswand entfernt – über dem Wasser der Lethe, deren Nebenarm das heute als Gaststätte genutzte Gebäude umfließt.

Fluss hat wieder freie Bahn

„Wir haben den Wasserzulauf zum Rad der Mühle schon seit Wochen blockieren müssen, weil das Holz marode wird und die Lagerwelle gebrochen ist“, erzählt Pächter Oliver Boelssen und liefert damit gleichzeitig die Erklärung für die Aktion. Damit der Lethe-Seitenarm auf Dauer nicht zum stehenden Gewässer mit all seinen Nachteilen – Geruchsentwicklung, und Insektenbildung – werde, müsse der Fluss dringend wieder laufen.

Deshalb schlägt dem Wasserrad jetzt die letzte Stunde. Das feuchte Eichenholz und die massive Stahlnabe zerren gehörig an dem Spezialfahrzeug, das die Wardenburger Firma Baum eigens für den Auftrag gemietet hat. „2,8 Tonnen wiegt das Teil“, liest Schröder die Anzeige im Innern des Kranführerhäuschens ab. Das Mühlenrad wiegt damit mehr als zwei moderne VW Golfs und verlangt der Teleskop-Hydraulik alles ab. Die Sicherheitsabschaltung habe an einer Stelle des Transport sogar ausgelöst, berichtet der Fahrer später.

Die wenigen Zuschauer am Donnerstagmorgen merken davon während der Aktion nichts. Nachdem das Rad auf dem Gehweg vor der Wassermühle abgestellt ist, greifen die beiden Gabeln des Teleskopladers in die Streben des Rads und heben es von der Seite auf. Dann rollt der Lader mit seiner Trophäe ein kurzes Stück über den Wassermühlenweg, macht auf dem Parkplatz eine Kehrtwende und versenkt das Rad vorsichtig in einer zuvor ausgehobenen Kuhle auf dem Rasenstück vor dem Lokal.

„Dort gehört es als Wahrzeichen auch hin“, meint Eduard Kramer. Der Geschäftsführer der Schlosserei Baum kennt sich mit der Konstruktion bestens aus. Schließlich hat sein Betrieb in den zurückliegenden Jahren mehrmals kleinere Reparaturen an dem Wasserrad vornehmen müssen. Mittlerweile sei dies aber angesichts des Gesamtzustands nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll, räumt Kramer ein. „In ein, zwei Monaten könnte es wieder Probleme geben“, sagt er und deutet auf ein morsches Holzteil, in dem sich bereits ein Riss gebildet hat.

Ob sich die Wardenburger künftig daran gewöhnen müssen, dass ihre Wassermühle kein drehendes, sondern nur noch ein im Vorgarten stehendes Rad mehr hat, ist noch offen. Der Grund: Während sich die Mühle in privater Hand befindet, ist das Mühlenrad Eigentum der Gemeinde.

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Rat entscheidet über Ersatz

„Der Rat wird am Ende darüber entscheiden müssen, ob ein neues Modell beschafft werden soll“, bestätigt Frank Speckmann, allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin. Grundsätzlich denkbar sei beispielsweise auch ein Ersatz aus Stahl. Die Verwaltung wird bis zu den Beratungen des Nachtragshaushalts auch prüfen, in welchem Maße für den Ersatz Zuschussmöglichkeiten durch öffentliche Gelder bestehen.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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