Wildeshausen Es ist dunkel und nasskalt, ein schmuddeliger Wintermorgen. Auf dem Gildeparkplatz in Wildeshausens Innenstadt öffnen Ingrid Del Re aus Höven, Hannelore Glunde aus Wardenburg und Sabine Kuck-Ziemer aus Moorbeck um 8 Uhr die Heckklappen ihrer Autos und streicheln ihre artig wartenden Hunde. Eine Szenerie, die sich wöchentlich in Oldenburg, Bremen, Hamburg und vielen anderen Städten wiederholt, denn heute steht „Man-Trailing“ an: Eine sportliche Spurensuche mit Hund, mitten in der Stadt. Dabei sucht der Hund eine zuvor versteckte Person nur mit seinem Geruchssinn. Wie das geht und welchen Spaß Mensch und Tier dabei haben, das zeigen Oliver Heimann und die Teilnehmer an diesem Vormittag in zwei Gruppen erstmals in Wildeshausen.

Heimann ist so etwas wie ein „Hundeflüsterer“. Ein neumodischer Begriff, der seinen Einfluss auf die Tiere beschreibt. Seit 25 Jahren führt Heimann in der Gemeinde Großenkneten erfolgreich seine eigene Hundeschule. Sein Herzblut steckt der Hundeausbilder aber ins „Sporttrailing“.

220 Riechzellen

Sabine Kuck-Ziemer hat an diesem Morgen ihre zweieinhalb Jahre alte Neufundländer-Hündin B.J. mitgebracht. B.J. merkt man ihre Jugend noch an. Sie schnüffelt hier und markiert dort. Und doch hat sie den Geruch und damit auch die Spur von Hannelore Glunde schon längst aufgenommen. Die 80-jährige Wardenburgerin freut sich, als erstes menschliches Suchobjekt mitmachen zu können. Heimann „versteckt“ sie im Umfeld des Stadthauses.

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„Das hier ist für B.J. nicht einfach. Hier in der Stadt in einem ganz anderen, fremden Umfeld prasseln Hunderte Eindrücke auf den Hund“, sagt Heimann. Er erzählt, dass der Mensch rund fünf Millionen Riechzellen habe. „Ein Hund bringt es locker auf 220 Millionen – mit zwei Geruchsorganen.“ Neben den Riechzellen habe ein Hund noch das „Jacobsche Organ“.

B.J hebt den Kopf, zögert etwas und blickt in Richtung der gelegten Spur, um danach aber doch am Wegrand weiter zu schnüffeln. Zu viele Eindrücke für die junge Hündin. „Das ist der Moment, in dem der Hundeführer erkennen muss, wie sein Tier ihm Signale gibt“, sagt Heimann.

Am Ende findet die Hündin Hannelore Glunde, die in der Ecke eines Gebäudes wartet und ein Leckerli, wie meistens eine Bockwurst, und etwas Wasser für B.J. bereithält. „Die Suche ist für die Hunde sehr anstrengend, da volle Konzentration nötig ist“, erklärt der Ausbilder. Es komme beim Sporttrailing nicht auf die Länge der Strecke an, sondern auf den Erfolg. B.J. hechelt und trinkt das mitgebrachte Wasser. Erst jetzt zeigt sich auch die ganze Anstrengung für das Tier.

Als Sport populär

Laut Oliver Heimann gibt es erste Aufzeichnungen über das Man-Trailing bereits aus dem Jahr 1473. Anfang des 20. Jahrhunderts tauchte das Trailing dann in Europa auf. Seit den 90er Jahren sei es als Sporttrailing populär geworden. „Es geht hier nicht um das Fährtenlesen von Hunden, sondern um das Aufspüren durch Geruchsspuren, die überall sein können“, erklärt Heimann. Belegte Fälle hätten Hunde noch nach einem Jahr eine Person finden lassen, sagt er. Seit 2009 bietet die Hundeschule Heimann Man-Trailing-Kurse mit großem Erfolg an. Es werden sogar gemeinsame Reisen ins Ausland unternommen.

Die achtjährige Schäferhündin Hanka von Ingrid Del Re aus Höven ist von der schnellen Sorte. Auch extra falsch gelegte Spuren in Sackgassen, Türen in einer Passage und Straßenwechsel sind für sie kein Hindernis. Heimann erklärt das so: „Sie macht das alles im Ausschlussverfahren. Läuft eine Strecke, kehrt um, nimmt die Geruchsspur erneut auf und findet so ihr Ziel.“

Das ist dieses Mal die Toto- und Lotto-Annahmestelle von Axel Großmann. Mit seinem Hund „Bobby“ nimmt er sonst selber am Man-Trailing teil, doch bei einem Reitunfall hat er sich einen Arm gebrochen. Jetzt müssen er und Bobby pausieren. Aber einen Kaffee für die Hundefreunde hält er dennoch bereit.

Nach Hankas erfolgreicher Suche ist Tommy, der neuneinhalbjährige Boarder-Collie-Mischling, an der Reihe. Besitzerin Hannelore Glunde ist sichtlich angespannt. „Tommy kann einen manchmal auf die Palme treiben. Er steht dann bis zu fünf Minuten auf der Stelle und seine Nase arbeitet, saugt alles förmlich auf. Erst dann geht es los.“

Würste als Belohnung

Auch an diesem Morgen stehen Tommy und sein Frauchen eine ganze Weile auf dem Marktplatz. Tommys Nase bewegt sich. Er wittert die Geruchsspuren von Ingrid Del Re. Der Mischling läuft los, findet den Weg zur Westerstraße und will urplötzlich in ein Geschäft. Dort sitzt Manfred Schröder aus Huntlosen und wundert sich über den Hund, der auf ihn zukommt. Tommy erkennt seinen Fehler. Raus geht’s und nun schnurstracks zum Eingang der Nordwest Zeitung, denn dort wartet Del Re mit einem Beutel voller Bockwürste. Geschafft. Tommy bekommt die verdiente Belohnung.

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