Bookholzberg /Schierbrok /Hoykenkamp 22 Häuser standen damals in Hoykenkamp, noch ein paar weniger in Schierbrok, wo gerade mal 100 Menschen lebten, und in Bookholzberg, das noch ein Teil von Grüppenbühren war, gab es drei Höfe, aber wenig drumherum: Vor 150 Jahren lag die dünn besiedelte Gegend nordwestlich von Delmenhorst im bäuerlichen Dornröschchenschlaf. Bis am 14. Juli 1867 ein schriller Weckruf erklang: das laute Pfeifen einer Dampflokomotive!

Die Eröffnung der Schienenstrecke von Bremen nach Oldenburg im Sommer 1867 begründete auch in diesem Teil des Oldenburger Landes eine Entwicklung wie in so vielen Orten, die von der Eisenbahn erschlossen wurden: Betriebe siedelten sich an, schafften Arbeitsplätze für Menschen, die wiederum Häuser bauten, was Handwerk und Handel belebte, dazu kamen Erholungssuchende aus den Städten, von denen manche sich niederließen, Gastronomie blühte auf, Vereine gründeten sich, kurzum: die Ortschaften prosperierten. Dass Hoykenkamp, Schierbrok und Bookholzberg heute große Siedlungen mit funktionierender Infrastruktur und intaktem Dorfleben sind, hat viel zu tun mit jenem 14. Juli 1867 und was sich daraus entwickelte.

Drei Züge am Tag

An diesem Freitag genau vor 150 Jahren rollte nach zweijähriger Bauzeit der erste offizielle Zug über die neue Schienenstrecke, eine Sonderfahrt für Honoratioren. Einen Tag später nahm dann der Regelverkehr den Betrieb auf: Drei Züge zuckelten in die eine Richtung, drei in die andere. Eine Haltestelle auf Ganderkeseer Gebiet gab es zunächst nur in Grüppenbühren auf dem Bookholzberg. Dort wohnten zwar kaum Menschen, aber diese Bahnstation sollte vor allem den Bewohnern des Stedinger Landes eine Anbindung an den Zugverkehr ermöglichen.

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Bahnhöfe Bookholzberg, Hoykenkamp, Schierbrok BILD: Archiv

Täglich Mehr als 1200 Fahrgäste an den drei Bahnhöfen

Rund 160 Güter- und Personenzüge verkehren täglich auf der Bahnstrecke zwischen Oldenburg und Bremen, knapp 130 davon zwischen 6 und 22 Uhr. Das Schienenverkehrsaufkommen, vor allem im Güterverkehr, wird noch steigen, wenn der Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven weiter an Schwung gewinnt und eventuell noch ausgebaut wird. Laut Prognosen sind dann rund 270 Züge in 24 Stunden zu erwarten.

Die Stationen Bookholzberg, Schierbrok und Hoykenkamp werden aber nur von der Nordwestbahn mit der Regio-S-Bahnlinie 3 (Bremen – Bad Zwischenahn) bedient. Die Züge halten in Richtung Oldenburg 22mal am Tag, in Richtung Bremen 23mal. Viele Pendler wünschen sich, dass auch die Regio-S-Bahn 4 die drei Bahnhöfe anfährt statt nur durchzufahren – dann wäre der Ein- und Ausstieg im Halbstundentakt möglich.

Die Zahl der Fahrgäste an den drei Haltepunkten im Norden der Gemeinde Ganderkesee ist seit Jahren relativ konstant. Nach Angaben der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen lag sie 2015 an Werktagen in Bookholzberg bei durchschnittlich 620, in Schierbrok waren es 420 Bahnreisende und in Hoykenkamp stiegen pro Tag 265 Personen ein und aus. Aktuellere Zahlen liegen nicht vor.

In Schierbrok entstand ein Haltepunkt erst 1884, einen richtigen Bahnhof gab es zunächst aber nicht. Dass überhaupt Züge dort hielten, zunächst zwei pro Tag, war wohl den Oldenburgischen Landtagsabgeordneten Conrad Müller und seinem Sohn Julius Müller vom Gut Nutzhorn zu verdanken: Sie hatten sich schon Jahre zuvor das Recht ausbedungen, auf freier Strecke in der Nähe ihres Gutshauses ein- und aussteigen zu können, und drängten auf einen richtigen Haltepunkt.

Auch dass ab Ende der 1880er Jahre deutlich mehr Züge in Schierbrok hielten, hatte Julius Müller mit einem Trick erreicht: Als Mitglied des Eisenbahnrates wusste er, an welchen Tagen die Kommission der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn die Auslastung der Bahnstation prüfen würde, und besorgte an diesen Tagen ganz vielen Familienmitgliedern, Beschäftigten und Nachbarn Fahrkarten – so gingen die Kommissäre von einer belebten Station aus.

Sommerfrischler kamen

Zu dieser Zeit entwickelte sich Schierbrok dann aber wirklich: Vor allem Sommerfrischler aus Bremen stiegen hier aus, um sich im Stenumer Holz zu erholen. Viele wohlhabende Bremer bauten sich dann auch Häuser im Dorf – manche wohnten nur an den Wochenenden dort, andere blieben für immer.

Hoykenkamp kam erst viel später zu seinem Bahnhalt: Nachdem 70 Jahre lang die Züge immer nur durchgerauscht waren, führte die Ansiedlung des Hubschrauber–Werkes Focke & Angelis (heute MBB Palfinger) 1937 dazu, dass sie endlich auch hielten. Der Bahnhof, der nicht mehr als eine überdachte Wartehalle war, wurde bereits 1970 wieder abgerissen.

Das gleiche Schicksal ereilte 1987 den Bahnhof in Schierbrok, der zuvor schon seit vielen Jahren leer gestanden hatte. Längst nicht mehr genutzt wird auch das ehemalige Bookholzberger Stationsgebäude – es steht noch, ist aber durch die neue Lärmschutzwand vom Bahnbetrieb abgeschnitten.

Bahnhöfe mit Schalter und Wartehallen werden heute nicht mehr gebraucht – die Haltestellen indes wieder mehr denn je. Als vor gut 60 Jahren das Auto begann, den Zug endgültig als Verkehrsmittel Nummer eins abzulösen, gingen über Jahrzehnte die Bahnpendlerzahlen zurück, wurden Bahnhöfe vernachlässigt und Streckenpläne ausgedünnt. Mittlerweile jedoch gilt das Auto als Umweltverpester und der Zug als das ökologisch verträglichere Verkehrsmittel.

Modernisierung läuft

Gerade werden die Haltepunkte Schierbrok und Hoykenkamp mit Millionen modernisiert (siehe Bericht unten), Bookholzberg hat den Umbau schon hinter sich. Wenn das Angebot mit der Nachfrage Schritt hält und womöglich noch verbessert wird, etwa durch den seit Jahren geforderten Halbstunden-Takt der Nordwestbahn, haben die drei Bahnstationen im Norden der Gemeinde Ganderkesee nach 150-jähriger Vergangenheit gewiss noch eine lange Zukunft – und die Dörfer damit auch.   Quellen: „Bookholzberg, Neuenlande, Hohenböken, Grüppenbühren aus Vergangenheit und Gegenwart“ (Herausgeber: Orts- und Heimatverein Bookholzberg-Grüppenbühren); „Stenum, Rethorn, Schierbrok“ (1990) von Kurt Müsegardes; Chronik „Hoykenkamp“ (1982) von Kurt Müsegardes; Elisabeth Kühling (Gästeführerin).

Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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