Mahlstedt Was auffällt, ist die Ruhe. 35 Pensions- und Schulpferde bewegen sich im „Aktivstall“ des Hofs Brüning in Mahlstedt, aber der Dezibel-Wert geht gegen null. „Die Pferde sind hier entspannter, ausgeglichener, aber auch trainierter“, beschreibt Heinz-Gerd Brüning die Szenerie – eine Szenerie, die jetzt auf überregionaler Ebene Beachtung gefunden hat: Für seinen Aktivstall und das dahinter stehende Konzept ist der Hof Brüning am Sonnabend beim Deutschen Bundeschampionat in Warendorf mit dem ersten Platz des bundesweiten Wettbewerbs „Unser Stall soll besser werden“ ausgezeichnet worden.

Sehen Aktivstall als „tolle Alternative“ zur Boxen-Haltung: Julie und Heinz-Gerd Brüning BILD: K. Kolloge

Wettbewerb hat Tradition

Von der Ehrung in Warendorf waren die Brünings überrascht. Der Wettbewerb war von den Persönlichen Mitgliedern der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und dem Magazins Reiter Revue International zum 24. Mal ausgeschrieben worden. Es ist mit 1000 Euro sowie Sachpreisen dotiert. Ein Komitee mit fünf Pferdesachverständigen der FN hatte im Juli den Aktivstall in Mahlstedt besichtigt.

Mit dem Bau des Aktivstalls kamen Heinz-Gerd und Julie Brüning dem, wie sie sagen, „Umdenken“ bei vielen Pferdefreunden entgegen, die sich mehr Bewegung und Licht für ihre Tiere wünschen. Zusätzlich zur Boxen-Haltung mit Platz für 45 Pferde bauten sie 2012 zunächst einen Laufstall, ab 2015 dann in zwei Etappen für rund 200 000 Euro den Aktivstall.

Dabei ist der Ausdruck „Stall“ womöglich irreführend: Was da entstand, macht eher den Eindruck eines kleinen 5000-Quadratmeter-Dorfes – mit Heustationen und Kraftfutterstationen, mit Kennenlern-Box für „Neue“, Schlafplatz, Tränke und vor allem viel Sandfläche dazwischen. Allgegenwärtig ist der „Kollege Computer“: Er steuert, in welchen Intervallen sich die Heustationen öffnen („etwa acht bis zehn Mal täglich für je ein bis zwei Stunden“), und er reguliert mit Hilfe von Bodenantennen und einem Transponder am Bein des Pferdes, wann sich die Tür zum Kraftfutter öffnet und wie groß die Portionen sind.

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„Pferde sind Lauftiere, sie legen um die zehn Kilometer am Tag zurück“, erklärt Heinz-Gerd Brüning. Und sie seien Dauerfresser: „Der Magen ist nicht ausgelegt auf zwei Mahlzeiten am Tag.“ Beidem kommt der Aktivstall entgegen: Das Pferd muss sich bewegen, um viele kleine Mahlzeiten am Tag zu bekommen.

Wenn neue Pferde in die Anlage kommen, werden sie von Menschen „angelernt“. Es gilt zu zeigen, wo es Futter gibt oder wie der Vierbeiner die Ausgangstür der Kraftfutterstation öffnen kann.

Manch ein Tier verändere sich im Aktivstall, schildert Julie Brüning ihre Beobachtung: „Wir haben Pferde, die vorher in der Box standen, die sind fitter, lebendiger, aufmerksamer geworden.“ Und: Teilweise „brauchen wir nur noch die Hälfte des Kraftfutters“.

Dennoch sind die beiden 40-Jährigen weit davon entfernt, den Aktivstall als Nonplusultra und der Boxenhaltung überlegen darzustellen. „Wir werden immer zweigleisig weiterfahren“, versichert Heinz-Gerd Brüning. Der Aktivstall sei „ein ganz anderes System“, auch etwas teurer als die Boxenlösung. Im Übrigen gelte auf dem Hof in Mahlstedt eines für beide Angebote: Alle Plätze sind ausgebucht.

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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