STENUM Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten gucken sprichwörtlich in die Röhre: Die Ausstattung Jugendlicher mit Spielekonsolen, PC und eigenem Fernsehgerät hängt signifikant mit der Einkommenssituation zusammen. Je mehr Mutter und Vater verdienen, umso eher werden dem Nachwuchs anspruchsvolle Freizeitaktivitäten am Nachmittag angeboten. Und der Medienkonsum, namentlich die Teilnahme an Online-Spielen mit gewalttätigen, brutalen Inhalten, ist vor allem die Sache ärmerer männlicher Jugendlicher. Darauf hat der Direktor des Kriminologischen Instituts, Professor Dr. Christian Pfeiffer, am Dienstagabend auf dem Handwerksforum der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land hingewiesen. An der Veranstaltung im Hotel Backenköhler in Stenum nahmen rund 160 Gäste teil.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Verhältnis der erfolgreichen Schulabgänger und Studienabsolventen immer mehr zugunsten junger Frauen verschoben, referierte Pfeiffer aus seinen Forschungsergebnissen. „Die jungen Männer bringen es einfach nicht mehr.“

Die moderne Gehirnforschung habe bestätigt, was schon Goethe wusste: Bilder haben eine weitaus größere Wirkung als Worte. Diese Wirkung sei bei bewegten Bildern noch nachhaltiger. Und wenn es sich um Videospiele handelt, die nicht nur konsumiert werden, sondern bei denen aktive Teilnahme gefragt ist, wird all das, was beispielsweise im Schulunterricht im Kurzzeitgedächtnis gespeichert worden ist, schlicht überlagert. Die Langzeit-Speicherung und damit der Lernerfolg seien damit extrem gefährdet. „Gedächtnis wird geprägt durch Gefühle.“

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Jugendliche seien vor allem dann durch Spielsucht gefährdet, wenn sie „arm im Leben sind“ und wenig Erfolgserlebnisse haben, sagte Pfeiffer. Dann sei die Verlockung groß, sich die Anerkennung in der virtuellen Welt zu holen.

Die Kommunen allein seien finanziell nicht in der Lage, Schule so auszustatten, dass sie Lust aufs Leben wecken, resümierte Pfeiffer. Eine „Kinderbewahranstalt mit Suppenküche zwischendrin“ sei keine Lösung. Deshalb sollten die Bürger aktiv werden. Wenn sich viele Menschen zusammentun, um Ideen, Zeit und Geld in eine Bürgerstiftung einzubringen, könne durch entsprechende Projekte verhindert werden, dass weiterhin viele junge Männer Sklaven des Computers werden.

Wolfgang Loest Redaktionsleitung / Redaktion Ganderkesee
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