Frage: Herr Bruns, mit den gelben Säcken wird Schindluder getrieben. Was haben Sie beobachtet?

Bruns: Sie werden zum Beispiel als Regenschutz verwendet, etwa für Fahrradsättel. Oder man transportiert damit Kunststoff-Leergutflaschen zum Pfandautomaten. Dafür ist die kostenlose Ausgabe der Wertstoffsäcke nicht gedacht. Auch Altkleider und Garten- oder Restabfälle werden darin aufbewahrt.

Frage: Wirklich, die Säcke reißen doch so schnell?

Bruns: Da gehen die Meinungen auseinander. Manche sagen, die Säcke sind nicht zu gebrauchen. Trotzdem werden sie auf unterschiedlichste Art genutzt.

Frage: Wie wurde der Missbrauch festgestellt?

Bruns: Einerseits durch eigene Beobachtungen. Vor allem aber durch unser Entsorgungs-Unternehmen Heinemann & Bohmann, das Anfang des Jahres die Sammlung der Wertstoffsäcke übernommen hat. Nach dem ersten Halbjahr wurde eine Berechnung aufgestellt, wie viele Säcke rausgegangen sind und wie viele wieder eingesammelt wurden. Die Differenz betrug über den Daumen gepeilt 30 Prozent.

Frage: Es sollen sogar Säcke im Internet zum Kauf angeboten worden sein?

Bruns: Ja, ich habe gesehen, dass sie bei Ebay auftauchen. Man kann natürlich nicht sagen, ob das Säcke sind, die im Landkreis Oldenburg kostenlos besorgt wurden.

Frage: Was will der Landkreis tun, um den Missbrauch einzuschränken?

Bruns: Zunächst belassen wir es beim Appellieren. Wenn das nicht hilft, wäre ein Couponsystem denkbar, wie es in den Städten Delmenhorst und Oldenburg schon angewandt wird. Dann bekäme jeder Haushalt – zum Beispiel mit dem Abfallkalender – am Anfang des Jahres eine bestimmte Anzahl an Marken, die gegen Säcke einzutauschen sind. Wenn das Kontingent erfüllt ist, wären Nachbestellungen möglich, aber gegen Nennung des Namens und der Anzahl der Personen im Haushalt. Wer dann mit besonders hohen Abnahmezahlen auffällt, müsste das erklären.

Frage: Wird auch daran gedacht, die Zahl der Ausgabestellen zu reduzieren?

Bruns: Die wurde schon reduziert, indem die Ausgabe an den Fahrzeugen jetzt nicht mehr möglich ist. Außerdem bekommt jeder Nachfrager nur noch maximal zwei Rollen Säcke. Wir haben im Landkreis 76 Ausgabestellen und dabei soll es bleiben.

Frage: Anderswo gibt es gelbe Tonnen für Wertstoffabfälle – wäre das für den Landkreis eine Möglichkeit, das Problem in den Griff zu kriegen?

Bruns: Das kann der Landkreis nicht allein entscheiden. Federführend sind die Dualen Systeme, bei denen die Firma Heinemann & Bohmann Auftragnehmer ist. Und eine Tonne hätte nicht nur Vorteile: Man könnte zum Beispiel darin Restabfälle leichter verbergen als in den transparenten Säcken. Unter Kostenaspekten wäre mal zu untersuchen, ob die Aufstellung von Tonnen am Ende womöglich günstiger ist, als immer wieder Säcke herauszugeben. Aber das ist nicht unsere Aufgabe, weil wir nicht Träger des Systems sind.

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Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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