Ich kann wahrlich nicht behaupten, dass ich ein Kenner der Kunstszene bin. Trotzdem bewundere ich die Menschen, die durch ihre künstlerischen Fähigkeiten etwas Kreatives schaffen. Durch einen Zeitungsartikel wurde ich auf eine Künstlerin in Elmeloh aufmerksam, die Bildhauerin Eva Bettina Schnabel-Schütte. Beeindruckend ist nicht nur das Anwesen, sondern auch der Lebensweg dieser engagierten Künstlerin.

Eva Bettina Schnabel wurde 1947 im schwäbischen Schnittlingen geboren. Als sie sieben Jahre alt war, zog die Familie in die Domstadt Köln, weil ihr Vater dort als Diplom-Ingenieur eine Anstellung hatte. Schon als Kind war sie immer aktiv und sprühte vor Energie. Sie war glücklich, als sie die erste Hose geschenkt bekam, denn damit konnte sie besser auf Bäume klettern als mit einem Faltenrock.

Aber nicht nur auf Bäume klettern war ihre große Leidenschaft, sondern sie machte sich auch einen Spaß daraus, die Straßenlaternen hoch zu steigen und dann die Lampen auszumachen. Zeichnen war eine weitere große Leidenschaft, obwohl sie mir sagte, dass sie mit Farben wenig anfangen kann. Daher sind viele ihrer Zeichnungen in ihrer Werkstatt auch eher in grauen und schwarzen Tönen gehalten.

Als Familie Schnabel Ende der 50er Jahre ein Eigenheim baute, hatte der Architekt große Freude, der damals zehnjährigen Eva Bettina alles genau zu erklären. „Ich hatte damals schon eine sehr gute Vorstellungskraft und Fantasie, wie alles einmal aussehen würde“, erzählte sie mir. Da sie schon immer sehr kreativ war, wollte sie nach dem Abitur 1967 gerne an der Kunsthochschule in Ulm studieren. Dieser Wunsch ließ sich aus finanziellen Gründen aber nicht verwirklichen.

So ging sie zunächst als Au-Pair-Mädchen für ein Jahr nach Frankreich, bevor sie 1968 das Studium der Ökotrophologie (Haushalts-und Ernährungswissenschaften) begann und vier Jahre in Bonn studierte. Durch ein Stipendium konnte sie zusätzlich zwei Semester Biochemie in Paris dranhängen. „Alltag ist überall auf dieser Welt“, lautet einer der Leitsprüche von Eva Bettina Schnabel-Schütte, denn die nächsten Jahre verbrachte sie sehr viel im Ausland.

Nach dem Studium arbeitete sie zunächst bei der FAO (Ernährungs– und Landwirtschafts-Organisation der Vereinten Nationen) in Rom. Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann, den Diplom-Agrar-Ingenieur Reinhold Schütte, kennen.

Zu ihrer Arbeit gehörte es zum Beispiel, ein Jahr in Brasilien das Ernährungsverhalten der dort lebenden Menschen zu untersuchen. 1976 heiratete Eva Bettina Reinhold Schütte in Deutschland, bevor sie ihrem Ehemann nach Marokko folgte, wo er eine Anstellung in der Entwicklungshilfe hatte.

Da es für sie in Marokko wenige oder keine beruflichen Perspektiven gab, kehrte die junge Familie nach Deutschland zurück. Reinhold Schütte hatte in München eine Anstellung bekommen. Inzwischen waren die Kinder Sophie (1977) und Fabio (1979) geboren. 1983 vervollständigte Simon die Familie.

Trotz Familie suchte die Powerfrau Eva Bettina eine berufliche Herausforderung. Auch in München gelang ihr dieses nicht zu ihrer Zufriedenheit. Da passte es gut, dass ihr Ehemann 1981 eine Stelle bei der Bezirksregierung in Oldenburg bekam und die Familie auf dem seit Jahren unbewohnten Hof seiner Großeltern in Elmeloh einziehen konnte.

In den nächsten Jahren sanierte die Familie Haus und Stallungen und verwandelte das Hofgelände in einen idyllischen Landschaftspark. Eva Bettina Schnabel-Schütte legt auch noch heute besonders viel Energie in ihr etwa 1,5 Hektar großes Gelände, wo schon viele Familienfeiern, Ausstellungen und ein Konzert stattgefunden haben. Trotz der vielen Arbeit, die damit einhergeht, bleibt der Wunsch nach der beruflichen Herausforderung.

Auch in ihrer neuen Heimat gestaltete sich dieses nicht so einfach. 20 Jahre war sie in der Erwachsenenbildung tätig. Bei einem Malkursus in Bremen bekam sie die Idee, ein weiterbildendes Studium für gestaltende Kunst an der Hochschule für Künste in Bremen zu absolvieren (von 1996 bis 2008). Als sie einen Stein in die Hand bekam, wusste sie sofort: „Das ist mein Material.“ Seit 2004 ist Eva Bettina Schnabel-Schütte mittlerweile als freischaffende Bildhauerin tätig und hat sich in Elmeloh ihr eigenes Atelier eingerichtet.

Mit großem Interesse verfolge ich ihre künstlerischen Ausführungen. Von einem Punkt im Rohmaterial, der sie anspricht, geht sie aus und bearbeitet den Stein so lange, bis die Form stimmt. Die Steine für die Skulpturen, die sie mit großer Sorgfalt auswählt, stammen aus einem Steinbruch bei Münster. Inzwischen gehört neben Sandstein auch Holz zu ihren bevorzugten Materialien.

Viele Ausstellungen in ganz Deutschland hat sie mit ihren Werken bereichert, und seit einem Jahr ist sie auch Mitglied des BBK Oldenburg (Bund Bildender Künstlerinnen und Künstler).

Eva Bettina Schnabel-Schütte, Bildhauerin

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