WILDESHAUSEN Hoch konzentriert und immer mit der Nase am Boden stöbert Drahthaarhündin Bella durch die kniehohe Wiese an der Hunte. Jäger Ulli Kramer hat sie an der langen Leine, damit sie ihren Aktionsradius auf der Suche nach jungen Hasen und Rehkitzen voll ausschöpfen kann. „Bevor wir mähen, lassen wir die Wiese absuchen, denn es ist furchtbar, ein Jungtier ins Mähwerk zu bekommen“, erläutert Annika Brengelmann, die den Trecker lenkt.

Kooperativ wie sie zeigen sich nach Auskunft von Max Hunger, Obmann der Kreisjägerschaft für Öffentlichkeitsarbeit, die meisten Landwirte. Eindringlich habe man auch in dieser Saison wieder an die Bauern appelliert, beim Mähen von Gras und Grünroggen auf junge Hasen und Rehkitze zu achten, betont Hunger.

„Das Problem ist, dass die heutigen Mähmaschinen nicht mehr eine Schnittbreite von zwei, sondern oft von acht bis zehn Metern haben und relativ schnell fahren“, so der Waidmann. Sinnvoll sei es deshalb, die zu mähenden Flächen einen Tag vorher vom Jagdpächter absuchen zu lassen oder für Beunruhigung zum Beispiel durch das Aufhängen von bunten Flatterbändern oder Getreidetüten zu sorgen. „Ganz wichtig ist auch, dass der Grünschnitt von innen nach außen erfolgt, damit die Tiere eine Fluchtmöglichkeit haben“, so Hunger abschließend.

Auch das Landvolk hat nach Angaben des Ortsvorsitzenden Franz-Josef Dasenbrock seine Mitglieder eindringlich auf die Problematik hingewiesen. „Bei den modernen Maschinen mit den großen Mähwerken kann der Fahrer einfach nicht mehr überblicken, ob er ein Jungtier überfährt“, so der Landwirt. Deshalb gelte es, Vorsorge zu treffen.

Das bestätigt Rainer Spille vom Dötlinger Lohnunternehmen Johann Kuhlmann GmbH & Co.KG. „Wir halten uns – wie schon im Vorjahr – an die Vorgaben der Landesjägerschaft und mähen von der Mitte nach außen“, erläutert er. Demgemäß habe man bisher auch kaum Wildunfälle gehabt. Für wenig realistisch hält er den Vorstoß, die Geschwindigkeit beim Mähen zu reduzieren, denn so stiegen im Gegenzug die Lohnkosten für den Landwirt.

Das Problem beschäftigt auch die Herstellern von landwirtschaftlichen Maschinen. In diesem Zusammenhang weist Maik Hunke, Product Manager beim Landtechnikunternehmen Claas, auf das Projekt „Wildretter“ hin, das in den nächsten dreieinhalb Jahren mit 2,5 Millionen Euro gefördert wird. Unter der Führung der ISA Industrieelektronik GmbH habe das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt zusammen mit dem Landtechnikunternehmen Claas und der Technischen Universität München bereits umfassend den Einsatz technischer Sensoren zur Erkennung des Wildes untersucht. Herausgekommen sind sogenannte Oktokopter. Diese kleinen fliegenden Plattformen sind mit Infrarot ausgestattet und spüren Jungtiere im Feld auf. Daten von Videokameras und Abstandssensoren unterstützen die Auswertung. Eine Leseeinrichtung an der Landmaschine erkennt das zuvor elektronisch markierte Wild während der Mahd, so dass der Fahrer rechtzeitig bremsen kann.

Rund 70 Prozent der wildlebenden Tierarten sind im Saumbereich von landwirtschaftlichen Flächen zu finden. Ziel der Jäger ist es, hier die Lebensbedingungen weiter zu verbessern.

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Auf 96 Hektar im Landkreis Oldenburg hat die Jägerschaft deshalb Blühstreifen angelegt.

Zum Schutz der Bodenbrüter werden zudem sog. Lerchenfenster propagiert. Dabei handelt es sich um kleine Flächen, die bei der Aussaat ausgespart werden, damit zum Beispiel Feldlerchen oder Rebhühner ein Refugium haben.

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