Kirchhatten „Ich habe eigentlich nur die Äpfel aufgehoben, die mir vor den Füßen lagen, und dann Saft daraus gemacht“, erklärte Daisy Gräfin von Arnim den Landfrauen in Kirchhatten nach der gemeinsamen Kaffeetafel im Hotel „Zum Deutschen Hause“ und beschrieb in einfachen Worten, was sich doch über viele Jahre entwickeln musste und sogar ein Teil der deutschen Geschichte war.

Sie selbst ist in Sage groß geworden. Dort hatte ihr Vater in den Fünfzigerjahren den Tierpark „Sagerheide“ gegründet, bis er 1976 Pastor der evangelischen Kirche in Wilhelmshaven wurde. Deshalb freute sie sich besonders, wieder einmal hier in ihrer alten Heimat zu sein.

Die gelernte Buchhändlerin Daisy verliebt sich in den Grafen Michael von Arnim. So beginnt ihre Lebensgeschichte fast wie ein Märchen. Gemeinsam verlassen sie ihren Wohnort Helmstedt in Niedersachsen und siedeln sich 1995 in Lichtenhain in der Uckermark an. Das Gutshaus mit großem Garten und alten Bäumen war für das Ehepaar „Liebe auf den ersten Blick“. Für Michael von Arnim aber war es zugleich auch ein Stück wiedergewonnene Heimat, denn seine Familie gehörte schon im 14. Jahrhundert zum Landadel im Boitzenburger Land.

Das Schloß mit dem dazugehörigen Besitz ist nach der „Wende“ aber nicht an die Familie zurückgegeben worden, das Gutshaus musste 1997 sogar zurückgekauft werden. Etliche Jahre lebte das Ehepaar zusammen mit anderen Familien auf dem Anwesen.

Erst im Jahr 2000 rollt der Gräfin eine brillante Geschäftsidee buchstäblich vor die Füße. Sie braucht sie nur aufzuheben und zu verarbeiten: Äpfel! Rückblickend erscheint ihr der Apfel wie eine Belohnung nach all den Mühen in den Anfangsjahren. „Es gibt viele Äpfel in Brandenburg, sie reifen ganz von allein – aber kaum einer wollte sie haben“, erinnert sich Daisy Gräfin von Armin. Sie macht diese Frucht zu ihrer besonderen Leidenschaft.

Zuerst wird Saft aus ihnen gepresst, probiert und experimentiert. Tag und Nacht in einer leer geräumten Scheune. Die Nachbarn sparen nicht mit guten Ratschlägen und praktischer Hilfe. Die Mosterei gelingt, und die Bilanz der ersten Apfelsaison kann sich durchaus sehen lassen: Tausende Liter köstlichster Apfelsaft ist die erfreuliche Bilanz.

Im Jahr darauf ist die Gräfin mit einer mobilen Mosterei unterwegs. Diese erste große Anschaffung bildet den Grundstein ihres heutigen Unternehmens. Sie schont sich nicht, steht mit Helfern auf Märkten oder Dorffesten und fährt direkt zu ihren Kunden, um gleich vor Ort die frisch geernteten Äpfel zu mosten. Dass sich Äpfel auch anderweitig verarbeiten lassen, ist eine nächste, logische Erkenntnis. Die Frauen aus dem Dorf sind Ratgeber und steuern alte Rezepte bei. Bald kann Daisy einige Helferinnen fest anstellen. Das Sortiment wird größer und die Vermarktung professioneller.

Auch als Buchautorin hat sich die „Apfelgräfin“, wie sie bald genannt wird, einen Namen gemacht. Neun Bücher sind entstanden, insbesondere Kochbücher und Berichte über das Landleben gestern und heute.

Es ist ihr ein Anliegen, für das Landleben zu werben und dabei besonders die Uckermark herauszustellen. „Wir haben das Glück, dass Berlin in der Nähe liegt, so dass von Mai bis September viele Berliner hier in ihren Ferienhäusern wohnen und uns gerne besuchen kommen“, freut sich die Rednerin, die mit acht fest angestellten Mitarbeiterinnen und Aushilfen heute einen Hofladen mit Café und Ferienwohnungen betreibt.


Mehr Infos unter   www.die-apfelgraefin.de 
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