Hollen Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht! Mit Grönemeyer im Kopf lässt sich die Provokation schon viel besser ertragen: „Freude am Kochen bei völliger Ahnungslosigkeit“ – also ehrlich, musste das Regionale Umweltzentrum (RUZ) in Hollen gerade diesen Titel wählen bei seinem ersten Kochkursus nur für Männer?->

Als ob sie keine Ahnung hätten, die zehn Herren der Schöpfung, die da am Freitagabend mit Kursleiterin Claudia Kay und Hauswirtschafterin Seher Hamdan erstmal zum Beschnuppern in der Runde sitzen. Das Spiegeleier-mit-Bratkartoffeln-Stadium haben sie alle längst hinter sich gelassen. Und überhaupt: Sind nicht die meisten Sterneköche männlich? Außerdem gibt’s ja noch Grönemeyer: Männer können alles!

Sie müssen eben nur wissen, wie es geht – darum sind sie ja hier. Und erfahren von Claudia Kay zunächst die gar nicht so kleinen und auch nicht feinen Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei Essen und Kochen: Frauen achten auf Figur und Gesundheit, für Männer muss es vor allem viel sein und schmecken – nur Vorurteile, meint die 25-jährige, lässt sich diese aber gern von ihren Gästen bestätigen: Wie viele Hähnchen denn fürs Hauptgericht besorgt wurden, will einer wissen. „Eineinhalb“, sagt sie und muss sich fragen lassen: „Für jeden?“ Wenn Männer kochen, darf gelacht werden – über- und miteinander.

Aber dann wird es ernst: Nach dem kurzen Briefing zu Küchenpraxis („Vor dem Kochen alles Notwendige vor sich hinstellen“) und Hygiene („Es gibt Geschirrtücher und Handtücher – aber keine Geschirrhandtücher“) geht es eine Etage tiefer in die RUZ-Küche. Seher Hamdan hat Zubehör und Zutaten bereitgestellt, die Gruppe teilt sich auf. Zwei machen Kartoffelsalat, zwei weitere Pizza und Tsatsiki, ein Trio Salate und Dessert. Und drei kümmern sich um das Hauptgericht, obwohl daran eigentlich alle am meisten interessiert waren: Hähnchen in (na klar) Biersoße. Oder, wie Claudia Kay es in Anlehnung an die französische Küche nennt: „Coq au Pils“.

Klaus Stockenhofen (67) und Sohn Thomas (23) aus Delmenhorst, die von ihrer Frau und Mutter angemeldet wurden, wundern sich, „wie schnell und einfach das geht.“ Vorher hatte der Senior noch gesagt, zu Hause möge er oft „nicht die Zeit aufwenden“ fürs Kochen. Nun merkt er: So lange braucht es ja gar nicht.

Und so bleibt auch Zeit, den anderen über die Schulter zu schauen und ein bisschen dazuzulernen. Claudia Kay und Seher Hamdan helfen mit vielen praktischen Tipps, die man(n) sich merken wird. Dabei wissen die Männer selbst auch einiges: Friedrich Rohlfs etwa zeigt den anderen, dass sich eine Zwiebel viel leichter schneiden und würfeln lässt, wenn beim Häuten die Wurzel zunächst dranbleibt.

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Seher Hamdan sagt, sie habe in zehn Jahren noch keinen Kochkurs erlebt, in dem es so ruhig zugeht. Selbst über typische Männer-Themen wie Autos oder Fußball wird so gut wie gar nicht gesprochen. Alle sind so fixiert auf die Sache. Denn (noch einmal der Herbert): Männer machen alles ganz, ganz genau.

Keine zwei Stunden dauert es, dann sind alle Gerichte fertig. Und abgewaschen ist auch („Männer weinen heimlich“, würde Grönemeyer dazu sagen). Bevor es ans Essen geht, bestaunt die Runde andächtig auf dem großen Tisch, was sie angerichtet hat. Eine halbe Stunde später ist fast alles verputzt. Auch das, lacht Claudia Kay, komme bei Frauen-Kursen eher selten vor. Nach dem Dessert sind alle einig: Solche Kurse sollte es öfter geben. Wie singt Grönemeyer: Männer ... müssen immer weiter!

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Hergen Schelling Leitung / Redaktion für den Landkreis Oldenburg
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