ISERLOY Gerade mal 800 Gramm der Spezial Einsaat LJ Rückzugs- und Saumflächen hat Friedrich Hollmann auf die rund 1000 Quadratmeter große Fläche auf der Ecke Stedinger Weg/Iserloyer Straße in Iserloy eingebracht, direkt im Eingangsbereich zum Golf- und Gartencafé. Hauptsächlich Sommerhafer und Buchweizen, dazu Phacelia und Sonnenblumen und zwölf weitere Pflanzen schmücken die Fläche – eine von vielen in diesem Sommer im Landkreis Oldenburg. Binnen weniger Monate hat die Kreis-Jägerschaft Oldenburg/Delmenhorst das Projekt Blühstreifen angeschoben. Insgesamt 96 Hektar Fläche im Kreis sind sowohl ökologisch als auch optisch erheblich aufgewertet worden, „in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft in allen Hegeringen“, wie der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Karl-Wilhelm Jacobi, betonte.

Wie rund 20 weitere Gäste aus dem Jagdwesen, der Imkerei, der Landwirtschaft, der Wirtschaft und auch der Untere Naturschutzbehörde war Jacobi der Einladung von Hollmann, Leiter des Hegerings Dötlingen, gefolgt, um vor Ort über das zuletzt oft diskutierte Thema „Blühstreifen“ zu sprechen. „Wir haben einiges an Blühstreifen realisieren können“, freute sich Hollmann. In der Gemeinde Dötlingen haben die Jäger rund 3,5 Hektar ausgebracht. Dazu kommt in Dötlingen die Fläche, die Gemeinde beziehungsweise Landwirte und Lohnunternehmen ausgesät haben. Dabei sponserte Firma Bayer Leverkusen das Saatgut. Hinzu kommen in der gemeinde Dötlingen noch weitere private Initiativen, so von Biogasbauern, die ihre Maisfelder mit Blühstreifen „einzäumen“.

Kreis-Jägerschaft-Vorsitzender Jacobi bedankte sich ausdrücklich beim Landkreis, der in diesem Jahr 5000 Euro für die Aktion zugesagt hat. Sie kommen aus Mitteln der Jagdsteuer, wie immer wieder betont wurde. Von dem Geld werden das Saatgut sowie ein kleiner Obolus für die Aussaatkosten bezahlt. Viele Hegeringen und Reviere hätten vor Ort auch selber die Aussaat übernommen. Jacobi äußerte den Wunsch, dass die Blühstreifen zur festen Einrichtung werden. Er betonte, dass die Aktionen nur möglich geworden seien, weil die Landwirte entsprechende Flächen, die nicht ganz so wirtschaftlich seien, zur Verfügung gestellt hätten.

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Imker Götz Neuber aus Klattenhof verwies auf die Wichtigkeit der Biene. „Sie stirbt aus, wenn wir nicht die Kurve kriegen“ , warnte er. Die Blühstreifen seien vorbildlich, lobte er die Initiativen 2012.

Georg Schinnerer von der Unteren Naturschutzbehörde unterstrich, wie wichtig es sei, wieder mehr auf die Vielfalt der Landschaft zu setzen. „Sie wurde mehr und mehr ausgeräumt“, beklagte er die Tendenz vergangener Jahre, „ wir müssen die Landschaft wieder reichhaltig machen“. Er lobte die Zusammenarbeit mit den Jägern bei diesem Projekt: „Es läuft gut.“

Als zielführenden Kompromiss bezeichnen in einem gemeinsamen Papier der Leiter des Hegerings Dötlingen, Friedrich Hollmann, und der Imker Götz Neuber die Blühstreifen. Sie böten vielfältige Vorteile, betonen beide. Ihr Tenor: „Es ist besser, ein Licht anzuzünden, als über die Finsternis zu lamentieren.“ Die Vorteile laut Hollmann und Neuber:

Naturschutz: Vernetzende Landschaftselemente wie Vegetationsstreifen an Gewässern, Wegen, Wallhecken oder blühstarken Waldrändern sind sehr wichtig, um die Wanderungsfähigkeit der Arten zu erhalten. Saisonal angesäte oder mehrjährige Blühstreifen bieten hierzu eine integrative Ergänzung.

Landschaftschutz/Tourismus: Ein Freizeit- und Kulturort wie Dötlingen verlöre als Insel in einem reinen Maismeer substanziell an Attraktivität. Die in den letzten Jahren so überaus positive Entwicklung eines Tourismus nähme nachhaltig Schaden, ebenso die Wohnqualität. Die Blühstreifen fördern das Landschaftsbild.

Jagdwesen: Blühstreifen dienen dem „naturnutzenden Naturschutz“, den sich die Jäger zur Aufgabe machen. Durch Blühstreifen werden Nahrung und Deckung des Niederwildes ebenso wie die immer dringlichere Bejagung des Schwarzwildes verbessert.

Landwirtschaft: Die Energiepflanzenkultur sorgt für Kritik an der Landwirtschaft. Hollmann/Neuber: „Oft entspringt sie mangelnder Kenntnis der subventionspolitischen Vorgaben, oft ist sie vordergründig nur ideologisch motiviert. Es ist daher zu begrüßen, dass die gute hier entgegenwirkende Akzeptanz- schaffende Idee der Blühstreifen nunmehr aufgrund korrigierter behördlicher Auflagen leichter realisiert werden kann.“

Imkerei: Die Ursachen des für Nordamerika und Europa wissenschaftlich bewiesenen Bienensterbens sind äußerst komplex und noch längst nicht erforscht. Ein wesentlicher Faktor ist aber unbestritten der zunehmende Verlust an Vitalstoff-Vielfalt aufgrund des aktuellen Biodiversitätsverlustes. Aus diesem Grund ist jede Initiative dienlich, die die Vielfalt des Blühpflanzenangebots erweitert.

Ulrich Suttka Stv. Redaktionsleitung, Großenkneten/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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