Ganderkesee /Landkreis Georg Müller kann das nicht nachvollziehen. Ein Jahr ist es her, da hatte der Naturschützer Alarm geschlagen: „Explosionsartig“ verbreite sich hierzulande das aus Indien stammende, aggressive „Drüsige Springkraut“ (Impatiens glandulifera) – und verdränge in feuchten Wäldern und Uferlandschaften die heimische Flora und Fauna. Der Ganderkeseer wandte sich an die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis – „und ich bin davon ausgegangen, dass der Landkreis sich der Sache annimmt“. Doch das passierte nicht.

Müller, der ein Grundstück nahe der Delme besitzt, hatte das Drüsige Springkraut dort 2003 erstmals gesehen. Als „attraktiv“ und „harmlos“ hatte er die rosa blühende Pflanze zunächst angesehen. Doch was folgte, habe ihn erschreckt: Gegen den Neophyten sei kein heimisches Kraut gewachsen. Binnen kurzer Zeit habe er die bis dato vielfältige Flora verdrängt. Im August 2013 schätzte Müller, dass allein im FFH-(Flora-Fauna-Habitat-)Gebiet Delmetal rund 1000 Hektar betroffen waren.

Zu dem Thema sagte Eva-Maria Langfermann, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis, dass die exorbitante Steigerung des Springkraut-Bestandes auch im Wildeshauser Kreishaus verfolgt werde. Allerdings gebe es mehrere Neophyten, die sich derzeit ausbreiten und die heimische Flora zurückdrängen. Beispielhaft nannte Langfermann den Riesenbärenklau und die Spätblühende Traubenkirsche.

Der Landkreis habe beschlossen, sich aktuell auf die Bekämpfung des Riesenbärenklau zu konzentrieren. Für dies Vorgehen gebe es zwei Gründe: Erstens könne der Riesenbärenklau zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Zweitens verspreche man sich durch die Konzentration angesichts begrenzter Mittel eher Erfolge.

Bei der Bekämpfung des Riesenbärenklau sehe man deutliche Erfolge, wobei ein langer Atem erforderlich sei, sagte Georg Schinnerer, Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde. Erst in diesem Jahr sei wieder ein neues „Riesenvorkommen“ gemeldet worden. Seit etwa drei Jahren setze der Landkreis ein Herbizid ein.

Was das Drüsige Springkraut betrifft, so „haben wir fachlich noch keine Bekämpfungsstrategie“. Hierüber werde in der Fachliteratur diskutiert. Ein Herausreißen der Pflanzen und anschließendes Abtransportieren des Materials „würde derzeit unsere Kapazitäten übersteigen“.

Alternativ könne man theoretisch auch hier auf ein Herbizid zurückgreifen. Nur: Anders als beim Bärenklau, bei dem einzelne Pflanzen bestrichen werden, könne beim Springkraut das Gift nur „flächig“ aufgebracht werden – das sei „nicht akzeptabel“.

Demgegenüber rechnete Georg Müller vor, dass auch ein Herausreißen der Pflanzen keine Unmengen Geldes verschlingen würde. Denkbar sei auch, die Flächen zweimal jährlich zu mähen, hierfür rechne er pro 100 Hektar mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag. Wenn nicht gehandelt werde und das Kraut sich weiter verbreite, sei der ökologische Schaden weit höher.

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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